Nach neuem Allzeithoch
Siemens Energy: Was hat die Aktie jetzt noch auf dem Kasten?
Die Aktie von DAX-Überflieger Siemens Energy hat sich zuletzt stark erholen und können, sogar ein neues Allzeithoch gelang. Wie viel Luft nach oben ist noch?
- Siemens Energy markiert neues Allzeithoch im Trend
- Technische Indikatoren zeigen bearishe Divergenzen
- Unterstützungen bei 120 und 100 Euro, Trailing Stop
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Siemens Energy hält den DAX mit neuem Allzeithoch in Atem
Hatte die Aktie von Siemens Energy, mit einem Plus von 190,4 Prozent gegenwärtig der mit großem Abstand erfolgreichste DAX-Werte, in den vergangenen Wochen noch mit erheblichen Problemen und empfindlichen Verlusten zu kämpfen, ist sie seit einigen Tagen im wahrsten Sinne des Wortes wieder obenauf. Am Mittwoch gelang ihr im XETRA-Handel mit 171,94 Euro ein neues Allzeithoch und damit nicht nur das Ende der jüngsten Korrektur, sondern auch ein starkes Kaufsignal.
Viele Anlegerinnen und Anleger hoffen daher darauf, dass die Rallye des KI-Profiteurs nun eine Fortsetzung findet. Die Gier innerhalb der Technologiebranche ist jedenfalls zurück, wie die starke Erholung des Nasdaq 100 sowie das neue Allzeithoch im US-Gesamtmarktindex S&P 500 beweist, das am Mittwoch von KI-Werten wie Microsoft getragen wurde.
Aktie beendet Korrektur – was kommt jetzt?
Doch mit Blick in den Chart der Aktie von Siemens Energy sollten Investoren ihre Erwartung zunächst mäßigen. Wenngleich neue Rekordnotierungen als Kaufsignale gelten, gibt es doch auch Anlass zu Bedenken. Eine charttechnische Spurensuche:
Starker Aufwärtstrend unverändert intakt, aber ...
Übergeordnet befindet sich die Siemens-Energy-Aktie in einem Aufwärtstrend. Der deutlichste Beweis hierfür ist das am Mittwoch markierte Allzeithoch, wenngleich dieses zunächst verkauft wurde und die Aktie in einem sonst starken Gesamtmarktumfeld mit einem Minus von rund einem Prozent schloss.
Die jüngste Korrektur hatte zwar zwischenzeitlich für das Unterschreiten der 50-Tage-Linie gesorgt, was als Verkaufssignal gilt, doch genau an der Aufwärtstrendlinie aus dem vergangenen Jahr zeigte sich Kaufinteresse und den Bullen gelang schließlich eine U-förmige Bodenbildung. Diese gelten als besonders zuverlässig mit Blick auf anschließende Kursgewinne. Auch der Umstand, dass die 50-Tage-Linie mit einem Gap-Up zurückerobert wurde, ist ein Ausweis besonderer Stärke.
... technische Indikatoren liefern bearishe Divergenzen
Dass in Bezug auf eine Anschlussrallye nach dem neuen Allzeithoch trotzdem Vorsicht angebracht ist, liegt vor allem an den technischen Indikatoren. Die nämlich haben das Hoch der Aktie bislang nicht bestätigen können, sie befinden sich insbesondere im Fall des Relative-Stärke-Index (RSI) schon seit geraumer Zeit in Abwärtstrends.
Somit liegen bearishe Divergenzen vor, die in der Chartanalyse als Vorboten von Trendwenden gelten. Selbst wenn es jetzt zu einer Ausbruchsrallye kommen sollte, könnte sich diese als Fehlsignal entpuppen, solange sie nicht auch durch neue Hochs in den technischen Indikatoren bestätigt wird. Diese Notwendigkeit ist umso größer, als dass die bearishen Divergenzen nicht nur im Tages-, sondern auch im Wochenchart vorliegen.
Doppel-Top und neue Verkaufswelle statt neuer Rekordhochs?
Anlegerinnen und Anleger sollten daher auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es gar nicht erst zu einer Anschlussrallye kommt, sondern zu einem Doppel-Top. In diesem Fall wäre mit einer erneuten Trendwende zu rechnen, die sich mindestens mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate erstrecken könnte.
Solange die Aktie ihre Aufwärtstrendlinie oder wenigstens den Bereich um 120 Euro verteidigen kann, wo neben einer Horizontalunterstützung auch die 200-Tage-Linie verläuft, sollten Investoren darüber hinaus nur wenig zu befürchten haben. Bei einem tieferen Einschnitt stünde auch die frühere Ausbruchsmarke um 100 Euro als Unterstützung zur Verfügung.
Fazit: Hier könnten erstmal kleinere Brötchen gebacken werden
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung könnte Siemens Energy von einer ausgedehnteren Korrektur und einem Luft holen vor einer weiteren Rallye sogar profitieren, denn für 2026 ist das Unternehmen bereits mit dem 44-Fachen seiner erwarteten Gewinne bewertet. Auch das KGVe 2027 ist mit 31,6 angesichts eines Branchendurchschnitts von 22,4 für 2026 nur wenig attraktiv.
Gleichzeitig ist Mitbewerber GE Vernova, der in der kommenden Woche seine Quartalszahlen vorstellen wird und damit auch bei den Münchnern für neue Impulse sorgen könnte, mit noch höheren Bewertungsvielfachen versehen.
Das deutet darauf hin, dass Siemens Energy zumindest vorübergehend noch höher bewertet werden könnte. Für Anlegerinnen und Anleger, die noch nicht investiert sind, sollte das jedoch kein Grund sein, die sowohl technisch als auch fundamental fortgeschrittene Aktie zu kaufen. Wer bereits investiert ist, sichert sich mit Trailing-Stopps ab, falls es tatsächlich zu einem Fehlausbruch bzw. einem Doppel-Top mit anschließender Trendwende kommen sollte.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


