Brandgefährliche Gier
Sneaker raus, KI rein: Diese Aktie explodiert um 582 % – dann endet der Rausch
Allbirds will als NewBird AI ins Geschäft mit Rechenleistung einsteigen. Anleger drehen durch und jagen die Aktie dreistellig nach oben. Kaum ein Wert zeigt die aktuelle Gier so deutlich.
- Allbirds wird zu NewBird AI und löst Kursrakete aus
- Finanzierung 50 Mio USD für GPUs und Mietmodelle
- Kritiker sehen AI‑Washing und hohen Kapitalbedarf
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Der einst gefeierte Schuhhersteller Allbirds hat mit seiner überraschenden KI-Wende eines der spektakulärsten Kursfeuerwerke des Jahres ausgelöst. Nachdem das Unternehmen den Umbau vom Sneaker-Anbieter zum Betreiber von KI-Recheninfrastruktur angekündigt hatte, schoss die Aktie im regulären US-Handel um 582 Prozent nach oben. Im nachbörslichen Handel setzte dann Ernüchterung ein: Das Papier verlor wieder rund 25 Prozent.
Kern der Neuausrichtung ist eine Finanzierungsvereinbarung über bis zu 50 Millionen US-Dollar. Mit dem Kapital will Allbirds künftig Hochleistungs-GPUs erwerben und Unternehmen Rechenleistung über langfristige Mietmodelle anbieten. Das Unternehmen, das sich in NewBird AI umbenennen will, setzt damit auf das derzeit heißeste Thema an den Märkten: den Hunger nach Rechenkapazität für künstliche Intelligenz.
Allbirds begründet den radikalen Strategiewechsel mit einer "beispiellosen strukturellen Nachfrage nach spezialisierten, leistungsstarken Rechenkapazitäten", die aktuell nicht ausreichend gedeckt werde. Genau diese Knappheit hat bereits Anbieter wie CoreWeave in den Fokus der Anleger gerückt und Konzerne wie Nvidia zu den großen Gewinnern des KI-Booms gemacht.
Der Schritt kommt allerdings zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Erst vor wenigen Wochen hatte Allbirds seine Marke sowie weitere Vermögenswerte für 39 Millionen US-Dollar an die American Exchange Group verkauft. Vor dem Kurssprung war das Unternehmen an der Börse nur noch rund 21 Millionen US-Dollar wert. In seiner Hochphase brachte es Allbirds einst auf mehr als vier Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung.
Entsprechend gespalten fallen die Reaktionen aus. Befürworter sehen die Chance auf einen Neustart in einem Wachstumsmarkt. Kritiker sprechen von einem typischen Fall des "AI-Washing" – also dem Versuch angeschlagener Firmen, mit dem Schlagwort künstliche Intelligenz neue Fantasie an der Börse zu entfachen.
Tatsächlich ist das Geschäft mit KI-Infrastruktur teuer und hart umkämpft. Milliardeninvestitionen in Chips, Rechenzentren und Energieversorgung sind eher die Regel als die Ausnahme. Im Vergleich dazu wirken 50 Millionen US-Dollar zunächst wie ein kleiner Einstieg.
Fest steht dennoch: Allbirds hat sich mit einem einzigen Strategiewechsel zurück auf die Bildschirme der Anleger katapultiert. Ob daraus ein ernstzunehmender KI-Anbieter wird oder nur ein kurzes Börsenspektakel, dürften erst die kommenden Quartale zeigen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

