Kursexplosion und Kaufsignal
Gerresheimer-Aktie kennt kein Halten mehr: Das ist der Grund!
Kreditgeber zeigen sich nach Ungereimtheiten in der Bilanz von Gerresheimer gnädig und verlängern ihre Frist. Die Aktie geht am Donnerstag daraufhin steil.
- Kreditgeber verlängern Frist bis 30. September
- Aktie steigt um rund 20 Prozent und erholt sich
- Verkauf von Centor zur Schuldenreduzierung geplant
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Gerresheimer bekommt mehr Zeit, Aktie geht steil
Für die leidgeplagten Anlegerinnen und Anleger des Verpackungsspezialisten Gerresheimer gibt es am Donnerstag endlich mal wieder gute Nachrichten – und einen satten Kursaufschlag inklusive!
Wie das Düsseldorfer Unternehmen am späten Mittwochabend bekannt gegeben hat, haben Geldgeber mit einer überwältigenden Mehrheit von 96 Prozent des Kreditvolumens von insgesamt 870 Millionen Euro der Verlängerung der Frist zur Vorlage eines testierten Jahresabschlusses zugestimmt. Damit ist die Sorge vor vorzeitigen Kündigungen des finanziell belasteten Konzerns vom Tisch.
Firstverlängerung sorgt für große Erleichterung
Der auch operativ angeschlagene Konzern hat nun bis zum 30. September Zeit, erneut aufgetauchte Ungereimtheiten in seiner Bilanz zu korrigieren und sich seinen Geschäftsbericht anschließend testieren zu lassen. Zuletzt hatte das Fristversäumnis dazu geführt, dass die Aktie nach ihrem Abstieg sogar aus dem Nebenwerteindex SDAX geflogen ist.
Gerresheimer kündigte in seiner Pressemitteilung an, trotz der bis September reichenden Frist schon bis Juni einen Geschäftsbericht für 2025 vorzulegen – nicht nur will das Unternehmen damit verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, auch mit Blick auf den geplanten Verkauf der Tochter Centor ist ein testierter Finanzbericht unerlässlich. Das Abstoßen soll helfen, die Schuldenlast des Unternehmens zu senken und die Konzernstruktur zu verschlanken.
Finanzvorstand Wolf Lehmann gab dazu an: "Wir freuen uns sehr über die breite Unterstützung durch unsere Kreditgeber. So können wir die im Rahmen unserer Untersuchungen identifizierten Geschäftsvorgänge weiter transparent aufarbeiten und unseren Jahres- und Konzernabschluss 2025 finalisieren. Wir haben mit dem Verkauf von Centor zudem eine klare Strategie, wie wir noch in diesem Jahr unsere Kapitalstruktur signifikant verbessern."
Aktie explodiert um 20 Prozent, erste Kaufsignale
Am Aktienmarkt ist die Erleichterung groß. Das Papier legt mit einem Plus von über 20 Prozent (Stand: 09:55 Uhr MESZ) eine gewaltige Erholungsrallye auf das Parkett. Damit schrumpft das in diesem Jahr erlittene Minus auf rund 24 Prozent. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr handelt das Papier aber noch immer mit einer deprimierenden Performance von -59 Prozent.
Allerdings könnte der Kurssprung vom Donnerstag den Auftakt zu einer mittelfristig andauernden Erholung bilden, denn der Aktie gelingt mit dem Sprung über die 50-Tage-Linie ein erstes prozyklisches Kaufsignal. Auch der Trendstärkeindikator MACD verbessert sich deutlich und ist nur noch wenig davon entfernt, über seine Nulllinie zu klettern, was einen neuen (kurzfristigen) Aufwärtstrend der Aktie anzeigen würde.
Kursziele zur Oberseite sind der Lückenschluss bei rund 26,50 Euro sowie das Vordringen zur 200-Tage-Linie bei rund 31 Euro. Hierfür müsste Gerresheimer nach dem Gap-Close aber auch den Horizontalwiderstand bei 28 Euro hinter sich lassen.
Fazit: Kein Investment-Case, lieber auf einen Mitbewerber setzen
Mit Blick auf die Bewertung steht für 2026 ein KGVe von 13,5 zu Buche. Das läge vorbehaltlich möglicher Revisionen in Folge von Änderungen im Geschäftsbericht deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 23,9. Für 2027 rechnen Analystinnen und Analysten mit einer Erholung der Margen und einem Anstieg der Gewinne, weswegen hierfür sogar nur ein KGVe von 7,3 veranschlagt ist.
Allerdings stellen die hohen Verbindlichkeiten eine große Belastung dar. Insgesamt belaufen sich die Nettoverbindlichkeiten laut MarketScreener aktuell auf rund 1,2 Milliarden Euro. Der Verkauf von Centor allein wird das nicht richten, während die Geschäftsaussichten schwierig bleiben.
Wer unbedingt "Karton" im Depot haben möchte, sollte daher lieber auf den österreichischen Spezialisten Mayr-Melnhof setzen. Dieser hat das Vertrauen seiner Investoren bislang nicht auf eine harte Probe gestellt und handelt mit KGVs von 13,8 und 11,2 für 2026 und 2027. Dazu winkt eine Dividendenrendite von knapp 3,3 Prozent.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

