US-Dollar schwach, Öl fällt
Nächstes Rekordrennen bei Gold? Diese Prognose lässt Anleger aufhorchen
Gold steuert auf den vierten Wochengewinn in Folge zu. Waffenruhe, schwächerer US-Dollar und eine spektakuläre Prognose von Wells Fargo befeuern die Fantasie. Steht das Edelmetall vor dem nächsten großen Sprung?
- Waffenruhe und diplomatische Hoffnungen stützen Gold
- Schwächerer US-Dollar macht Rohstoffe günstiger
- Wells Fargo sieht langfristig 8.000 USD als Ziel
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Vor allem die Hoffnung auf diplomatische Fortschritte im Nahen Osten stützt das Edelmetall. Anleger rechnen damit, dass ein möglicher Durchbruch zwischen den USA und dem Iran den Druck auf die Ölpreise mindern und damit auch die Angst vor neuer Inflation abschwächen könnte.
Zusätzlichen Rückenwind bekam diese Sicht durch den jüngsten diplomatischen Kurs. Ein zehntägiger Waffenstillstand zwischen dem Libanon und Israel trat am Donnerstag in Kraft. US-Präsident Donald Trump sagte zudem, ein weiteres Treffen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran könne bereits am Wochenende stattfinden.
Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, sagte Reuters, die Investoren blickten nun auf greifbare Fortschritte in den Gesprächen. Jeder Fortschritt oder eine Verlängerung des fragilen Waffenstillstands könne die Ölmärkte und die Inflationssorgen weiter beruhigen und damit auch neues Aufwärtspotenzial für Gold freisetzen.
Parallel dazu steuert der US-Dollar auf den zweiten Wochenverlust in Folge zu. Das macht in US-Dollar notierte Rohstoffe für Käufer aus anderen Währungsräumen günstiger. Gleichzeitig fielen die Ölpreise. Das nahm dem Markt einen Teil der Sorge, dass teurere Energie die Inflation erneut anheizen und die Zinsen länger hoch halten könnte. Genau diese Angst hatte den Goldpreis seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar gedrückt.
Zwar gilt Gold traditionell als Schutz gegen Inflation. Höhere Zinsen bremsen jedoch meist die Nachfrage, weil das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Händler sehen laut Reuters derzeit nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 27 Prozent für eine Zinssenkung der US-Notenbank um 25 Basispunkte im Dezember. Vor dem Krieg hatte der Markt noch mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr gerechnet.
Für neue Fantasie sorgt ein bullischer Ausblick
Wells Fargo hält nach dem Rückschlag im vergangenen Monat langfristig sogar einen Anstieg auf 8.000 US-Dollar je Unze für möglich. Ohsung Kwon, Chef-Aktienstratege des Hauses, schrieb, die Verkäufe von Fiat-Währungen wie dem US-Dollar durch Zentralbanken zugunsten eines neutraleren sicheren Hafens könnten Gold auf neue Höchststände treiben.
Kwon erklärte, man befinde sich im vierten großen Entwertungszyklus, der 2022 begonnen habe. Nach dem jüngsten Rückgang nähere sich Gold nun dem fairen Wert seines Modells von 4.500 US-Dollar. Vier von fünf ökonomischen Szenarien deuteten aus seiner Sicht auf eine weitere Geldentwertung hin. Daraus leite Wells Fargo ein mögliches Kursziel von 8.000 US-Dollar bis 2027 ab. Bei einem aktuellen Preis von knapp 4.800 US-Dollar je Unze entspräche das einem Aufwärtspotenzial von mehr als 60 Prozent.
Ganz ohne Risiko ist das Szenario der Investmentbank aber nicht. Im pessimistischen Fall sieht Kwon Gold bis Ende 2027 bei 4.000 US-Dollar. Das wäre ein Rückgang von knapp 20 Prozent.
Doch wenn die geopolitischen Risiken hoch bleiben, Zentralbanken weiter Gold kaufen und der US-Dollar unter Druck gerät, dürfte das Edelmetall für viele Anleger eine Top-Adresse bleiben.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
