Schlechter als unter Biden
Amerika hat Angst wie nie – Verbraucher bremsen größte Konsum-Maschine der Welt
Die Stimmung der US-Verbraucher fällt auf den tiefsten Stand seit 74 Jahren. Wenn Millionen Käufer sparen statt shoppen, droht ein Schock für Wirtschaft, Unternehmen und Märkte weltweit.
- Verbrauchervertrauen auf tiefstem Stand seit 74 Jahren
- Inflationserwartung steigt auf 4,8 Prozent monatlich
- Kaufbedingungen für Autos und langlebige Güter sinken
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Die Stimmung der amerikanischen Verbraucher ist so schlecht wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung vor 74 Jahren. Der von der University of Michigan gemessene Verbrauchervertrauensindex fiel im April laut vorläufigen Daten auf 47,6 Punkte – ein Minus von 10,7 Prozent gegenüber März, wie Fortune berichtet. Damit wurde selbst der bisherige Tiefstand von 50 Punkten aus dem Juni 2022 unter Präsident Joe Biden unterschritten, als Inflation, hohe Benzinpreise und teure Lebensmittel die Haushalte belasteten. Besonders brisant: Drei der niedrigsten jemals gemessenen Werte fielen in die ersten neun Monate von Donald Trumps zweiter Amtszeit.
Als Hauptgrund für den jüngsten Absturz gilt der Krieg im Iran. Laut Umfrageleiterin Joanne Hsu verschlechterte sich die Stimmung quer durch alle Bevölkerungsgruppen – unabhängig von Alter, Einkommen oder politischer Zugehörigkeit. Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten brachen um rund 20 Prozent ein. Auch die Einschätzung der eigenen Finanzen sank deutlich. Viele Befragte nannten steigende Preise und fallende Vermögenswerte als größte Sorgen.
Hinzu kommt neue Inflationsangst. Zeitgleich veröffentlichte Preisdaten zeigten für März einen Anstieg des Verbraucherpreisindexes um 0,9 Prozent binnen eines Monats. Vor allem höhere Energiekosten treiben die Entwicklung. Die Inflationserwartung für das kommende Jahr sprang von 3,8 auf 4,8 Prozent – der stärkste Monatsanstieg seit einem Jahr.
Im Unterschied zur Krise unter Biden, die vor allem von Nachwirkungen der Pandemie, gestörten Lieferketten und dem Ukrainekrieg geprägt war, treffen die Verbraucher nun mehrere Belastungen zugleich: geopolitische Unsicherheit, steigende Energiepreise, Zollrisiken und schwankende Aktienmärkte, die auch Altersvorsorgen belasten. Anders als klassische Inflationsschübe lässt sich ein Konflikt in einer zentralen Ölförderregion kaum mit Zinspolitik lösen.
Schlechte Stimmung gilt als Warnsignal, weil Verbraucher dann größere Anschaffungen verschieben und beim Konsum sparen. Tatsächlich haben sich laut Umfrage besonders die Kaufbedingungen für Autos und langlebige Güter verschlechtert.
Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass Stimmungswerte nicht automatisch die reale Wirtschaftslage spiegeln. Arbeitslosigkeit und Einkommen entwickelten sich zuletzt oft besser, als es die Umfragen vermuten ließen. Ökonomen verweisen zudem auf den Einfluss von Nachrichten und sozialen Medien, die negative Entwicklungen stärker sichtbar machen als stabile Alltagsrealität.
Fest steht dennoch: Ein neuer Negativrekord ist erreicht. Ob er nur eine Momentaufnahme bleibt oder Vorbote einer tieferen Krise ist, dürfte auch davon abhängen, wie schnell sich die Lage im Nahen Osten beruhigt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
