Ernteausfall droht
70 % der US-Bauern fehlt Dünger – jetzt könnten auch hier die Preise explodieren
US-Landwirte kämpfen mit explodierenden Dünger- und Dieselpreisen. Fehlt Dünger zur Aussaat, drohen schwächere Ernten, steigende Preise und neue Schocks für Märkte weltweit.
- US-Bauern kämpfen mit hohen Dünger- und Dieselpreisen
- Viele Betriebe können benötigten Dünger nicht bezahlen
- Höhere Düngerkosten bedrohen Ernten und globale Märkte
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Amerikas Landwirte geraten durch den Iran-Krieg massiv unter Druck. Explodierende Preise für Dünger und Diesel zwingen viele Betriebe kurz vor Ende der Aussaatsaison zu einer existenziellen Entscheidung: weniger düngen und geringere Erträge riskieren – oder die höheren Kosten tragen und womöglich Verluste einfahren. Eine Umfrage der American Farm Bureau Federation unter 5.700 Landwirten zeigt, dass sich rund 70 Prozent nicht den gesamten Dünger leisten können, den sie für die laufende Saison benötigen. Fast sechs von zehn Befragten geben laut Fortune an, dass sich ihre finanzielle Lage durch steigende Kosten für Dünger und Kraftstoff verschlechtert hat.
Auslöser ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Nachdem US-amerikanisch-israelische Angriffe auf den Iran Teheran veranlassten, die Straße von Hormus zeitweise zu blockieren, gerieten wichtige Lieferketten ins Stocken. Vor dem Krieg lief rund ein Drittel der weltweiten Düngemittellieferungen über diese Meerenge. Zwar hat sich der Schiffsverkehr zuletzt etwas erholt, doch die Versorgung bleibt unsicher.
Die Folgen spüren Landwirte unmittelbar. Laut Branchenexperten sind die Preise für Stickstoff, Phosphor und Kalium – die drei wichtigsten Düngemittel – jeweils zweistellig gestiegen. Besonders hart trifft das Bauern, die schon länger unter niedrigen Preisen für Mais und Sojabohnen leiden. Die Preise beider Agrarrohstoffe liegen deutlich unter den Spitzenwerten von 2022. Damit steigen die Kosten, während die Erlöse schwach bleiben. Da die USA ein wichtiger Agrarproduzent sind, könnten höhere Kosten und schwächere Ernten auch Preise in Europa und Deutschland beeinflussen.
Besonders gefährdet sind Betriebe im Süden der USA. Dort haben laut Verband nur 19 Prozent ihren Dünger im Voraus gekauft. Vor allem bei Baumwolle, Reis, Mais, Sojabohnen und Erdnüssen ist der Bedarf an zusätzlichem Dünger besonders hoch. Den Bauern bleibt nur wenig Zeit: Bis Mitte Mai endet in vielen Regionen die Pflanzsaison. Wer bis dahin keinen Dünger beschafft, muss Ertragseinbußen oder sogar das Aussetzen einer Saison einkalkulieren. Manche Betriebe könnten gezwungen sein, neue Kredite aufzunehmen.
Die Krise legt zugleich ein strukturelles Problem offen. Jahrzehntelang setzte die US-Landwirtschaft stark auf synthetische Dünger, Pestizide und Herbizide. Studien zufolge setzen Bauern teils deutlich mehr Stickstoffdünger ein, als die Pflanzen tatsächlich benötigen. Das schwächt langfristig die Böden und erhöht die Abhängigkeit von immer neuen Düngergaben.
Alternative Methoden wie regenerative Landwirtschaft könnten helfen, den Bedarf zu senken. Doch viele Betriebe scheuen den Umstieg, weil er Zeit kostet und kurzfristig Risiken birgt. Sollten die Düngerpreise weiter steigen, könnte genau dieser Wandel jedoch zur wirtschaftlichen Notwendigkeit werden.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

