KI-Boom unter Druck
KI-Rallye auf Rekordkurs – doch diese Zahlen lassen Investoren zittern
Die KI-Rallye treibt Tech-Aktien nach oben. Doch steigende Verpflichtungen und fehlende Transparenz sorgen bei Investoren für wachsende Nervosität.
- Massive KI-Verpflichtungen erhöhen Nervosität
- Intransparente Vertragswerke erschweren Einschätzung
- Eng verflochtenes Leasing belastet Cashflow und Bonität
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Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz ist zurück. Der Nasdaq Composite erreicht ein neues Rekordhoch und steigt 12 Tage in Folge. Doch hinter der starken Performance zeigen sich alte Probleme erneut.
Vor allem vor der anstehenden Berichtssaison großer Technologiekonzerne wächst die Nervosität. Investoren richten den Blick auf Unternehmen wie Alphabet, Meta Platforms, Microsoft und Apple. Sie erwarten klare Signale, ob die enormen Ausgaben für KI sinken oder sich endlich auszahlen.
Milliardenverpflichtungen im Schatten
Analysten von Morgan Stanley warnen vor strukturellen Risiken. Viele KI-Verpflichtungen tauchen nicht direkt in den Bilanzen auf. Unternehmen können Kosten oft erst später verbuchen, etwa bei Lieferung oder Vertragsbeginn.
"Die mangelnde Transparenz und die vertragliche Komplexität dieser Vereinbarungen erschweren es den Anlegern, den tatsächlichen wirtschaftlichen Hebel im Vergleich zu dem in der Bilanz ausgewiesenen zu beurteilen", schreiben die Experten um Todd Castagno. "Die Verflechtungen innerhalb des KI-Ökosystems erschweren eine angemessene Analyse zusätzlich."
Verpflichtungen explodieren
Die Dimensionen sind enorm. Kaufverpflichtungen von Cloud-Anbietern und Nvidia übersteigen inzwischen 640 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und sechsmal so viel wie vor fünf Jahren.
Auch im Verhältnis zum operativen Cashflow steigen die Risiken. Bei Meta liegen die Verpflichtungen etwa beim 1,7-Fachen des erwarteten operativen Cashflows. Bei Oracle sogar über dem Siebenfachen.
Die Analysten stellen fest, dass KI-Investitionen "häufiger, umfangreicher und komplexer" werden. Gleichzeitig sinkt die Fähigkeit von Investoren, die tatsächliche Gesamtverschuldung zu beurteilen.
Ein eng verflochtenes System
Das System funktioniert nur, solange alles reibungslos läuft. Tech-Konzerne sichern sich Rechenzentrumskapazitäten. Betreiber finanzieren den Bau über Kredite. Banken vertrauen dabei auf die Bonität der großen Tech-Unternehmen.
Doch die Summen wachsen weiter. Laut Morgan Stanley haben Cloud-Anbieter 82 Milliarden US-Dollar an Finanzierungsleasing und 175 Milliarden US-Dollar an operativen Leasingverbindlichkeiten in den Bilanzen. Zusätzlich bestehen Zusagen über 675 Milliarden US-Dollar für noch nicht gestartete Leasingverträge.
Investoren werden vorsichtiger
Rechtlich ist dieses Vorgehen unproblematisch. Doch die steigenden Verpflichtungen sorgen für Unbehagen. Die Ausgaben sind nicht hypothetisch, sondern sehr wahrscheinlich.
Für Anleger bedeutet das einen Wandel. Einst galten Tech-Konzerne als verlässliche Cashflow-Maschinen. Heute steigen die Schulden, während gleichzeitig massiv investiert wird.
Mit der Rückkehr der KI-Rallye rücken auch diese Risiken wieder stärker in den Fokus.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
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