Bis zu 200 % teurer
Strompreise in den USA explodieren – Was ist da los?
Für viele US-Haushalte wird der Alltag immer teurer. Vor allem der rasant steigende Strompreis entwickelt sich zum neuen politischen Sprengsatz.
- Strompreise steigen massiv und belasten Haushalte
- KI-Rechenzentren treiben Strombedarf und Preise
- Dreifache Krise aus Energie Benzin und Schulden
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Die Strompreise sind in den USA zu einem zentralen Belastungsfaktor für Millionen Haushalte geworden. Sie steigen für private Verbraucher vielerorts so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und je mehr riesige Rechenzentren für Künstliche Intelligenz ans Netz gehen, desto größer wird der Druck auf ein Stromsystem, das schon heute an seine Grenzen stößt.
Die Prognosen sind alarmierend. Die US-Netzsicherheitsbehörde NERC rechnet damit, dass der Strombedarf im Sommer innerhalb des nächsten Jahrzehnts um 224 Gigawatt steigen wird – was dem Energieverbrauch von etwa 180 Millionen Haushalten entspricht. Besonders drastisch zeigt sich die Lage in Pennsylvania, einem Herzstück des größten US-Stromnetzes PJM Interconnection. Hier sind die Preise in einigen Gebieten seit 2020 um bis zu 200 Prozent in die Höhe geschossen.
Dahinter steckt, dass alte Kraftwerke stillgelegt wurden, während gleichzeitig die Nachfrage durch den Bau immer neuer Rechenzentren explodiert. Da die Kosten für den Netzausbau und die Großhandelspreise auf alle Verbraucher umgelegt werden, zahlen auch jene Bürger drauf, die weit entfernt von den Tech-Hubs leben. Experten schätzen, dass allein im PJM-Netz die Rechenzentren bis 2028 zusätzliche Kosten von 23 Milliarden US-Dollar auf die Endverbraucher abwälzen werden. Das entspricht einer Erhöhung der jährlichen Stromrechnung um knapp 300 US-Dollar pro Haushalt. Verbraucherschutzorganisationen rechnen sogar mit einer Erhöhung der monatlichen Stromrechnung um etwa 70 US-Dollar, das wären 840 US-Dollar pro Jahr.
Politische Hilflosigkeit und leere Versprechen
Obwohl das Thema längst das Zentrum der nationalen Politik erreicht hat – US-Präsident Donald Trump thematisierte die Strompreise sogar in seiner Rede zur Lage der Nation –, bleiben konkrete Lösungen aus. Während die Regierung fordert, dass Tech-Giganten ihre eigenen Kraftwerke bauen sollen, gibt es keine verbindliche Anordnung dafür, und Demokraten und Republikaner streiten sich im Kongress über den richtigen Weg. Die einen fordern eine Rückkehr zu fossilen Brennstoffen, die anderen setzen auf Effizienzanreize. Für den Verbraucher bleibt am Ende des Monats jedoch meist nur die "Schock-Rechnung".
Die dreifache Krise: Energie, Benzin und Schulden
Die steigenden Stromkosten sind jedoch nur ein Teil eines düsteren Gesamtbildes. Der US-Verbraucher wird derzeit von drei Seiten gleichzeitig in die Zange genommen:
- Explodierende Strompreise: Der Durchschnittshaushalt in den USA zahlt heute oft das Doppelte für Strom im Vergleich zu vor vier Jahren.
- Teurer Kraftstoff: Der Konflikt im Iran hat die globalen Lieferketten erschüttert. Die Blockade der Straße von Hormus trieb den Ölpreis zeitweise auf über 118 US-Dollar pro Barrel. Bei einem nationalen Durchschnittspreis von über 4,12 US-Dollar pro Gallone Benzin und über 5,00 US-Dollar für Diesel schränken viele Amerikaner ihre Mobilität bereits drastisch ein. Die Prognosen für die nächsten Wochen und Monate reichen sogar noch deutlich höher.
- Rekordverschuldung: Um die laufenden Kosten für Lebensmittel, Strom und Benzin zu decken, greifen immer mehr Menschen zur Kreditkarte. Die US-Gesamtschulden der privaten Haushalte sind auf den Rekordwert von 18,8 Billionen US-Dollar gestiegen. Allein die Kreditkartenschulden belaufen sich auf 1,28 Billionen US-Dollar bei einem durchschnittlichen Zinssatz von fast 24 Prozent.
Die wirtschaftliche Kluft in den USA vertieft sich. Während ein Teil der Bevölkerung noch stabil ist, rutschen vor allem jüngere Menschen und Geringverdiener in die Zahlungsunfähigkeit. Rund 40 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung schleppen Kreditkartenschulden mit sich herum; viele überspringen mittlerweile Mahlzeiten oder ärztliche Behandlungen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. In einer Wirtschaft, in der die Kaufkraft in den letzten 15 Jahren nur um 12 Prozent gewachsen ist, während sich die Kosten für Wohnraum und Autos nahezu verdoppelt haben, scheint das System für den Durchschnittsbürger an einem gefährlichen Kipppunkt angelangt zu sein.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

