KI-Kampf
Zu viel Regulierung? Warum Siemens bei KI lieber auf USA und China setzt
Der Siemens-Chef warnt Brüssel: Wenn Europa bei KI weiter bremst, könnte Siemens dort investieren, wo Regeln lockerer und Märkte größer sind.
- Busch warnt: Europa bremst KI, Siemens denkt an USA
- Über 1 Mrd Euro in industrielle KI, großer Teil USA
- China bietet Datenzugang, Partnerschaft und Modelle
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Der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Roland Busch, warnte, dass das Unternehmen bei zukünftigen Investitionen in künstliche Intelligenz die USA und China bevorzugen könnte, wie Bloomberg News am Montag berichtet. Er sagt, dass dies passieren könnte, wenn Europa seinen konservativen Regulierungsansatz nicht anpasst.
Busch kritisierte auf der Hannover Messe die KI-Gesetzgebung und die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union, weil sie zusätzliche Kontrollmechanismen einführten und Industrie- und Maschinendaten ähnlich wie personenbezogene Daten behandelten. Busch fügte hinzu, dass ein bedeutender Teil der geplanten Investitionen des deutschen Technologiekonzerns in industrielle KI in Höhe von 1 Milliarde Euro in die USA fließen wird.
Im November 2025 hatte Siemens angekündigt, über drei Jahre mehr als 1 Milliarde Euro in den Ausbau seiner KI-Angebote zu investieren. Bereits im Juli 2025 hatten Busch und SAP-Chef Christian Klein laut Reuters gefordert, die EU-KI-Regeln zu überarbeiten. Busch nannte damals die Überlagerung von AI Act und Data Act einen Grund dafür, dass Europa bei KI zurückliege
Laut Bloomberg seien der AI Act und der Data Act aus Siemens-Sicht zu stark auf einen allgemeinen, eher konsumernahen KI-Rahmen zugeschnitten und würden industrielle KI mit zusätzlicher Aufsicht belegen, obwohl viele Industrieanwendungen ohnehin schon sektoralen Regeln unterliegen. Die EU selbst beschreibt den Data Act als sektorübergreifendes Gesetz, das auch Daten aus vernetzten Industrieanlagen und Maschinen erfasst; der AI Act ist seit dem 1. August 2024 in Kraft, mit gestaffelter Anwendung seit 2025 und weiteren Schritten 2026/2027.
Für die USA spricht aus Siemens-Sicht der Markt: Reuters berichtete im Februar, dass Siemens stark von der Nachfrage nach KI-getriebener Rechenzentrums-Infrastruktur profitiert und das Datencenter-Geschäft im Quartal um mehr als ein Drittel zugelegt habe. Für China spricht aus Buschs Sicht offenbar der Daten- und Modellzugang: Im März sagte er Reuters in Peking, dass für Industrie- und Maschinendaten grenzüberschreitende Datenbewegungen möglich seien. Gleichzeitig baute Siemens dort seine Industrial-AI-Partnerschaft mit Alibaba aus und Busch lobte chinesische Open-Source-Modelle als teilweise günstiger und flexibler.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Siemens Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,68 % und einem Kurs von 242,9EUR auf Tradegate (20. April 2026, 09:32 Uhr) gehandelt.

