Reise-Aktien unter Druck
Lufthansa und TUI schlittern ins Minus: Doch ein Großinvestor kauft zu
Die erneute Nahost-Eskalation belastet Europas Reisebranche massiv. Lufthansa und TUI verlieren deutlich. Während TUI mit Schiffsumleitungen kämpft, stockt BlackRock überraschend bei Lufthansa auf.
Die erneute Zuspitzung im Nahen Osten hat den deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart belastet. Der DAX gab einen Teil seiner kräftigen Gewinne vom Freitag wieder ab. Der Index notiert gegen Mittag rund 1,2 Prozent im Minus bei 24.330 Punkten.
Besonders stark erwischte es erneut Reise- und Freizeitwerte. Im MDax verloren sowohl die Deutsche Lufthansa als auch Reiseveranstalter TUI mehr als 3 Prozent.
Auslöser bleibt die unsichere Lage rund um die Straße von Hormus. Nachdem der Iran zuletzt kurzfristig Entspannung signalisiert hatte, wurde diese Hoffnung rasch wieder zunichtegemacht. Für Airlines und Reisekonzerne steigen damit operative Risiken und Kosten zugleich.
Für die Lufthansa kommt auch noch der Tarifstreit. Nach den jüngsten Streiks normalisiert sich der Betrieb inzwischen wieder. Laut Unternehmen laufen die Flugpläne wieder weitgehend planmäßig.
Der Konzern reagiert auf steigende Treibstoffkosten und strukturellen Kostendruck mit einem harten Sparkurs. Die Regionaltochter CityLine wurde stillgelegt, 27 Flugzeuge aus dem Betrieb genommen. Zudem wird die Langstreckenflotte weiter verschlankt: Vier Airbus A340-600 sollen bis Herbst 2026 ausgemustert werden, ebenso ältere Boeing-747-Jets.
Einen Vertrauensbeweis kommt unterdessen von institutioneller Seite. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock hat seinen Stimmrechtsanteil von 3 auf 4,18 Prozent erhöht.
Auch TUI kämpft mit den Folgen der geopolitischen Spannungen. Zwei Kreuzfahrtschiffe von TUI Cruises konnten das Krisengebiet im Persischen Golf inzwischen verlassen und nehmen Kurs auf Südafrika. Von dort sollen sie später ins Mittelmeer überführt werden.
Die Umleitung ist jedoch teuer und reißt Lücken in den Fahrplan. Reisen bis Anfang Mai wurden gestrichen, Kunden erhalten Rückerstattungen oder Umbuchungsangebote. In Branchenkreisen kursieren zudem Spekulationen über hohe Zusatzkosten für die Passage durch die Straße von Hormus.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
