Drei potenzielle Kurstreiber
Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Die nächste Mega-Rallye startet hier!
Nicht bei Edel- und Industriemetallen oder Öl und Gas dürfte die nächste Rohstoffrallye anstehen, sondern bei Agrarrohstoffen wie Kakao. Das sind die Gründe.
- Kakao könnte nach Überverkauf eine Rallye starten
- Super-El-Nino erhöht Risiko für Ernteausfälle
- Energiepreise treiben Inputkosten und Kakaopreise
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Willkommen zum Smartbroker+ Chart der Woche – Kakao
Nicht nur mit Aktien, sondern auch mit Rohstoffen haben Anlegerinnen und Anlegern in den vergangenen Jahren gutes Geld verdienen können. Während Edelmetalle wie Gold und Silber als sichere Anlagen gefragt waren und zwischenzeitlich einen spekulativen Boom erlebten, kletterten die Preise für Industriemetalle wie Aluminium und Kupfer aufgrund einer stetig steigenden Nachfrage nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit dem KI- und Rüstungsboom.
Andere Rohstoffe wiederum, darunter vor allem Rohöl und Seltene Erden, waren stark von politischen Einflussfaktoren abhängig. Dazu zählten der Ukraine- sowie zuletzt der Iran-Krieg, aber auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Doch auch bei Agrarrohstoffen ist zu einem verstärkten Preisauftrieb gekommen. Vor allem Kakao, Kaffee und Orangensaft erlebten in den zurückliegenden Jahren explosionsartige Kursanstiege. Die Preise hierfür sind aufgrund ihrer Alltagspräsenz längst zum Politikum geworden, wie die zuletzt entbrannte Debatte über die Preispolitik von Herstellern wie Lindt und Milka (Mondelez) zeigt.
Hierfür sind neben Zweitrundeneffekten nicht zuletzt vor allem Klimawandelfolgen verantwortlich. Extremwetterereignisse in wichtigen Anbauländern führen immer häufiger zu großflächigen Ernteausfällen und Missernten. Gleichzeitig sorgt die global steigende Kaufkraft sowie eine wachsende Mittelschicht für eine zunehmende Nachfrage. Das könnte jetzt insbesondere bei Kakao nach einer längeren Talfahrt zu einer neuen Rallye führen.
Kakao Chartsignale
- Abwärtstrend: Nach einer steilen Hausse mit anschließendem Doppel-Top befindet sich Kakao in einem technischen intakten Abwärtstrend.
- Erste Trendwendesignale: Der Kakaopreis erreichte zuletzt überverkaufte Niveaus, während es im MACD zu einem ersten Entspannungssignal gekommen ist.
- Prozyklisches Kaufsignal: Die jüngste Erholung führte kurzzeitig zu einem Anstieg über die 50-Tage-Linie, womit ein erstes Signal zum Kauf vorliegt.
- Aufholjagd möglich: Andere Agrarrohstoffe befinden sich bereits in Aufwärtstrends, Kakao könnte jetzt folgen, wenn Energie teuer bleibt und es zu einem El Nino kommt.
Quelle: Eigene Darstellung, abgebildeter Zeitraum: 20.04.2021 bis 20.04.2026
Bitte beachten Sie: Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen. Außerdem kann die Rendite infolge von Wechselkursschwankungen
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Kakao: Neue Super-Rallye dank Super-El-Nino?
In den vergangenen 5 Jahren handelte Kakao mit einer enorm volatilen Preisentwicklung. Ernteausfälle von 40 bis 50 Prozent in westafrikanischen Anbaugebieten hatten 2023 und 2024 für leere Lager und damit eine enorme Kursrallye gesorgt. Vorübergehend brach der Kakaopreis zwar um fast die Hälfte ein, doch es folgte ein weiterer Rallyeschub, der schließlich in ein neues Allzeithoch mündete.
Dieses war mit Blick auf die technischen Indikatoren RSI und MACD aber nicht bestätigt. Weder konnte der Relative-Stärke-Index noch der Trendstärkeindikator ein den Kursverlauf begleitendes Allzeithoch etablieren. Damit lagen bearishe Divergenzen vor, die gemeinsam mit verbesserten Ernten und einem Death Cross der Durchschnittslinien im Spätsommer für einen anhaltenden Preisverfall sorgten.
Dieser nimmt seit rund einem Jahr einen Abwärtstrendkanal mit einer Breite von etwa 2.000 US-Dollar an. Das ist eine enorm hohe Schwankungsbreite und zeigt eine große Unsicherheit bei der Preisfindung an. Zuletzt crashte der Preis pro Tonne auf rund 2.800 US-Dollar. Hier liegt neben der Abwärtstrendunterkante eine starke, aus den Hochs der Vorjahre gebildeten Unterstützung. Seither ist es zu einer ersten Erholung gekommen.
Entspannung zeichnet sich immer deutlicher ab
Aus dieser Erholung könnte mittelfristig eine neue Rallye hervorgehen. Erstens hatte Kakao zuletzt stark überverkaufte Niveaus erreicht. An Unterstützungen führt das häufig zu andauernden Gegenbewegungen. Dazu kommen erste Entspannungs- und Kaufsignale. So gelang in der vergangenen Woche bereits ein Anstiegsversuch über die 50-Tage-Linie, während sich der Trendstärkeindikator MACD über seine Signallinie verbessern konnte.
Das ist zwar anders als die Rückeroberung der 50-Tage-Linie noch kein prozyklisches Kaufsignal. Nach starken Talfahrten oder crashartigen Abverkäufen leitet ein solches Crossing selbst unterhalb der Nulllinie, die auf einen noch intakten Abwärtstrend hindeutet, eine Kurserholung ein, die sich über mehrere Wochen hinziehen kann.
Solange Kakao daher nicht nachhaltig unter 2.800 US-Dollar pro Tonne fällt, dürften vorerst die Bullen am Zug sein, die für einen Anstieg in Richtung der Abwärtstrendoberkante und mit frischem Wind im Rücken auch darüber hinaus sorgen könnten. Eine dauerhafte Trendwende wäre jedoch erst oberhalb von 5.725 bis 6.500 US-Dollar geschafft, wo neben der 200-Tage-Linie auch ein horizontaler Widerstandsbereich verläuft.
Input-Kosten steigen, Super-El-Nino bedroht Ernten
Neben technischen Faktoren gibt es zwei weitere Katalysatoren für eine erneute Kakaopreis-Rallye. Einerseits dürften die stark gestiegenen Energiekosten für Preisauftrieb sorgen. Selbst wenn es im Iran-Krieg zu einer diplomatischen Lösung kommen sollte, geht die Internationale Energiebehörde IEA davon aus, dass ein dauerhaftes Öl-Defizit von 1,3 Millionen Barrel pro Tag besteht – nachdem zuletzt noch ein Überschuss von 1,5 Million Barrel geherrscht hat. Dadurch werden neben dem Anbau auch die Verarbeitung sowie der Transport teurer.
Andererseits muss von neuen Missernten ausgegangen werden, nachdem 2026 aller Voraussicht nach zu einem El-Nino-Jahr werden dürfte. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Wetterphänomen, das üblicherweise etwa alle 4 Jahre auftritt, ist in den vergangenen Wochen immer stärker gestiegen. Dabei könnte es sogar zu einem sogenannten Super-El-Nino kommen. Ein solcher tritt auf, wenn es ohne Plateauphase zwischen einer vorangegangenen La Nina (das gegenteilige Phänomen mit einem kälteren Südpazifik als gewöhnlich) kommt, wodurch die Wetterauswirkungen häufig noch extremer ausfallen.
Bei einem El-Nino-Ereignis erwärmt sich das Wasser vor der Küste Südamerikas ungewöhnlich stark, wodurch es hier zu starken Regenfällen und Überschwemmungen kommt. Diese Niederschläge fehlen dann jedoch hinter den Anden, sodass es in wichtigen Anbauländern für eine Vielzahl von Agrarrohstoffen, wie Brasilien, zu Dürren und Missernten kommt. Die Auswirkungen dieses Wetterphänomens reichen sogar bis nach Westafrika, wo mit Ghana und der Elfenbeinküste zwei Hauptanbauländer für Kaffee und Kakao liegen, sodass jetzt mit neuen Ernteausfällen zu rechnen ist.
So kann Kakao von Anlegerinnen und Anlegern gehandelt werden
Bei Kakao treffen frühe Entspannungs- und Kaufsignale auf fundamentalen Rückenwind durch stark gestiegene Energiekosten und die Wahrscheinlichkeit neuer Ernteausfälle. Damit dürften die Chancen auf eine mittelfristige Rallye hoch sein.
Gehandelt werden kann Kakao mithilfe von ETCs (Exchange Traded Commodities) wie dem WisdomTree Cocoa ETC oder Derivaten, die von den Bankhäusern und Emittenten DZ Bank, Morgan Stanley, Société Générale und Vontobel sowohl in gehebelter als auch ungehebelter Form angeboten werden.
Mit den Kakaopreisen hoch korreliert ist außerdem die Aktienkursentwicklung von Hershey, einem der weltweit größten Schokoladenhersteller mit bekannten Marken wie Reese’s und KitKat. Die Aktie ist mit einem KGVe 2026 von knapp 23 bewertet, was um 9 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 25,2 liegt. Außerdem bietet das Unternehmen eine Dividendenrendite von rund 3 Prozent.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
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