Anders als im Ukraine-Krieg

    9561 Aufrufe 9561 0 Kommentare 0 Kommentare

    Was der neue Energieschock wirklich für Europas Industrie bedeutet

    Energiepreise steigen, die Märkte zittern: Doch die Analysten von Goldman Sachs und Deutsche Bank sind überraschend entspannt. Warum sich der Schock von 2022 nicht wiederholt, und wen er diesmal härter trifft.

    Für Sie zusammengefasst
    Anders als im Ukraine-Krieg - Was der neue Energieschock wirklich für Europas Industrie bedeutet

    Brent-Öl auf 88 US-Dollar, Erdgas auf 40 Euro je Megawattstunde: Der Nahost-Konflikt und das Hin und Her in der Straße von Hormus treiben die Energiepreise seit Wochen in die Höhe. Und doch sind sich Goldman Sachs und Deutsche Bank in einem einig: Was Europa gerade erlebt, ist kein Déjà-vu der Energiekrise von 2022. 

    Goldman-Sachs-Ökonom Niklas Garnadt rechnet damit, dass der aktuelle Preisschock die industrielle Produktion im Euroraum bis Ende 2027 um rund zwei Prozent unter das Vorkonfliktniveau drückt – halb so viel wie beim letzten großen Einbruch, als eine Delle von vier Prozent entstand. Damals hatten Stahl, Chemie und andere energieintensive Branchen ihre Produktion um rund 15 Prozent gedrosselt. Ähnliche Kapazitätsschließungen seien diesmal deutlich unwahrscheinlicher, so Goldman.

    Die Deutsche Bank ergänzt die industriepolitische Analyse um eine Marktperspektive: Der rasche Rebound an den Aktienmärkten sei kein Zeichen von Selbstgefälligkeit, sondern rational begründet. Brent-Futures für die nächsten sechs Monate notieren derzeit unter 80 US-Dollar. Ein klares Signal, dass Investoren keinen anhaltenden Stagflationsschock einpreisen. Zudem liege die Inflation mit rund zwei Prozent in der Eurozone inzwischen deutlich näher am Ziel als Anfang 2022, als die Verbraucherpreise knapp sechs Prozent erreicht hatten. Die Notenbanken müssen deshalb nicht mit aggressiven Zinserhöhungen reagieren. 

    Öl (Brent)

    +1,56 %
    -0,37 %
    +11,64 %
    +47,43 %
    +58,92 %
    +39,26 %
    +58,48 %
    +116,51 %
    +67,72 %
    ISIN:XC0009677409WKN:967740

    Beide Häuser betonen zudem eine strukturelle Verschiebung gegenüber 2022: Der aktuelle Schock sei öl- statt gasdominiert. Das hat Folgen für die betroffenen Branchen. Nicht mehr nur chemische oder metallverarbeitende Betriebe geraten unter Druck, sondern die gesamte Industrie, inklusive Maschinenbau und Exporteure. Gleichzeitig hat die Krise einen globaleren Charakter: Während 2022 Europa weitgehend allein unter explodierenden Gaspreisen litt und chinesische Konkurrenten einen massiven Kostenvorteil hatten, treffen die Ölpreisanstiege Asia und Europa heute ähnlich hart. Der Wettbewerbsnachteil für europäische Industrien fällt damit merklich geringer aus.

    Ein Risiko bleibt: Durch breitere Nachfrageeffekte könnte der Schock das Wachstum stärker bremsen als 2022, auch wenn die aktuellen Konjunkturdaten noch Expansionssignale senden. Der US-Jobmarkt zeigte zuletzt seinen stärksten Monatszuwachs seit über einem Jahr, die europäischen Einkaufsmanagerindizes halten sich im Wachstumsbereich.

    Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion



    Reports
    Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!



    wallstreetONLINE Redaktion
    0 Follower
    Autor folgen
    Mehr anzeigen

    Melden Sie sich HIER für den Newsletter der wallstreetONLINE Redaktion an - alle Top-Themen der Börsenwoche im Überblick! Verpassen Sie kein wichtiges Anleger-Thema!

    Für Beiträge auf diesem journalistischen Channel ist die Chefredaktion der wallstreetONLINE Redaktion verantwortlich.

    Die Fachjournalisten der wallstreetONLINE Redaktion berichten hier mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerredaktionen exklusiv, fundiert, ausgewogen sowie unabhängig für den Anleger.

    Die Zentralredaktion recherchiert intensiv, um Anlegern der Kategorie Selbstentscheider relevante Informationen für ihre Anlageentscheidungen liefern zu können.

    NEU: Podcast "Börse, Baby!"

    Mehr anzeigen

    NEU: Podcast "Börse, Baby!"


    Verfasst vonRedakteurJulian Schick
    Anders als im Ukraine-Krieg Was der neue Energieschock wirklich für Europas Industrie bedeutet Energiepreise steigen, die Märkte zittern: Doch die Analysten von Goldman Sachs und Deutsche Bank sind überraschend entspannt. Warum sich der Schock von 2022 nicht wiederholt, und wen er diesmal härter trifft.

    Profitieren Sie von unserem Alleinstellungsmerkmal als den zentralen verlagsunabhängigen Wissens-Hub für einen aktuellen und fundierten Zugang in die Börsen- und Wirtschaftswelt, um strategische Entscheidungen zu treffen.
    • ✅ Größte Finanz-Community Deutschlands
    • ✅ über 550.000 registrierte Nutzer
    • ✅ rund 2.000 Beiträge pro Tag
    • ✅ verlagsunabhängige Partner ARIVA, FinanzNachrichten und BörsenNews
    • ✅ Jederzeit einfach handeln beim SMARTBROKER+
    • ✅ mehr als 25 Jahre Marktpräsenz
    Aktien von A - Z: # A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
    wallstreetONLINE bei X wallstreetONLINE bei Instagram wallstreetONLINE bei Facebook wallstreetONLINE bei Youtube wallstreetONLINE bei LinkedIn
    Unsere Apps: Apple App Store Icon Google Play Store Icon
    Wenn Sie Kursdaten, Widgets oder andere Finanzinformationen benötigen, hilft Ihnen ARIVA gerne. 

    Unsere User schätzen wallstreet-online.de: 4.8 von 5 Sternen ermittelt aus 285 Bewertungen bei www.kagels-trading.de
    Zeitverzögerung der Kursdaten: Deutsche Börsen +15 Min. NASDAQ +15 Min. NYSE +20 Min. AMEX +20 Min. Dow Jones +15 Min. Alle Angaben ohne Gewähr.
    Copyright © 1998-2026 Smartbroker Holding AG - Alle Rechte vorbehalten.
    Mit Unterstützung von: Ariva Smartbroker+
    Daten & Kurse von: TTMzero