KI, Robotik, Rüstung
Deutschlands Industrie kämpft auf der Hannover Messe um ihre Zukunft
Auftragseinbruch, Chinadruck, Energiekosten – die deutsche Industrie steckt in der Krise. Auf der Hannover Messe zeigt sie, wie sie sich neu erfinden will. Mit KI, Robotern, und erstmals auch mit Rüstung.
- Deutsche Industrie in Krise durch Auftragsrückgang
- Hannover Messe zeigt KI, Robotik und Automatisierung
- Rüstungsbereich auf Messe markiert Produktionswandel
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Mehr als jedes zweite deutsche Maschinenbauunternehmen glaubt, dass seine technologische Führerschaft künftig ins Ausland abwandert oder bereits verloren ist. Das geht aus einer aktuellen Allensbach-Studie hervor.
Es ist wohl kein Zufall, dass diese Zahl ausgerechnet zur Hannover Messe 2026 bekannt wird. Rund 4.000 Aussteller zeigen ab Montag auf dem weltgrößten Industrietreffen, wie sie die Antwort auf Niedergang und Bedeutungsverlust geben wollen: mit Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und einem neuen Selbstbewusstsein.
Die Lage ist ernst. Im Maschinen- und Anlagenbau, einem Schlüsselsektor mit einem Jahresumsatz von rund 280 Milliarden Euro und einer Exportquote von über 75 Prozent, lagen die Auftragseingänge im Februar preisbereinigt ein Zehntel unter dem Vorjahreswert. Aus dem Inland kamen sogar fast ein Sechstel weniger Bestellungen. Wachstum gab es nur im Euroraum.
Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnete die Messe am Sonntagabend gemeinsam mit dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva. Er warb für Vertrauen in den Standort Deutschland – gerade in einer Phase, die er als die veränderungsreichste seit Jahrzehnten bezeichnete. Brasilien ist diesjähriges Partnerland; Deutschland ist dessen größter europäischer Wirtschaftspartner. Lula warb seinerseits für eine engere Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien.
Das Motto der Messe lautet "Industrial Transformation". Siemens zeigt eine KI-gesteuerte Schuhproduktionslinie, bei der nicht mehr nur Empfehlungen ausgegeben, sondern Entscheidungen autonom getroffen werden. Das Robotikunternehmen Agile Robots präsentiert einen humanoiden Roboter für komplexe Industrieszenarien in Echtzeit. Das Antriebstechnikunternehmen SEW-Eurodrive hat einen sogenannten "Start-up Agent" entwickelt – eine KI-Chatfunktion, über die sich Maschinen per Sprache konfigurieren lassen, bewusst als europäische Alternative zu US-Plattformen positioniert.
Auch klassische Industrieunternehmen setzen neu an. Der Pumpenhersteller KSB aus Frankenthal beteiligt sich mit fast der Hälfte an einem Hamburger KI-Start-up, dessen Software drohende Anlagenausfälle anhand von Sensordaten erkennt.
Neu auf der Messe ist in diesem Jahr ein eigener Bereich für die Rüstungsindustrie: Im "Defense Production Park" zeigen rund 40 Unternehmen – darunter Rheinmetall –, wie Verteidigungsgüter schnell und in hoher Qualität produziert werden können. Keine fertigen Waffensysteme, sondern Materialien, Software und Produktionstechnologien. Erwartet wird auch Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Angesichts des politischen Drucks, die Kapazitäten der Rüstungsindustrie rasch hochzuskalieren, markiert der neue Bereich einen Wandel, der weit über die Messe hinausreicht.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

