2.000 % – und weiter?
Rheinmetall erobert jetzt das Meer – wacht die Aktie wieder auf?
Neue Produktion in Hamburg, Nato-Interesse und ein wachsender Milliardenmarkt: Rheinmetall baut die nächste Sparte auf.
- Serienproduktion autonomer Boote in Hamburg gestartet
- Kooperation mit Kraken für das K3 Scout Schnellboot
- Nato-Aufträge und steiler Markt für autonome Systeme
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Rheinmetall erweitert sein Rüstungsgeschäft um ein neues Zukunftsfeld: Im Hamburger Hafen hat der DAX-Konzern die Serienproduktion unbemannter Überwasserfahrzeuge gestartet. Auf der traditionsreichen Werft Blohm+Voss sollen zunächst rund 200 Drohnenboote pro Jahr gefertigt werden. Je nach Auftragslage könne die Produktion auf bis zu 1.000 Einheiten jährlich steigen, teilte das Unternehmen mit.
Gefertigt wird das Modell K3 Scout gemeinsam mit dem britischen Partner Kraken Technology Group. Dafür wurde das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall Kraken GmbH gegründet. Das 8,5 Meter lange Schnellboot erreicht laut Unternehmensangaben bis zu 55 Knoten, also rund 102 Kilometer pro Stunde. Es wird derzeit ferngesteuert, soll künftig aber auch vollständig autonom operieren können.
Das System ist sowohl für militärische als auch für zivile Einsätze vorgesehen. Vor allem im Verteidigungsbereich wächst die Nachfrage nach solchen Plattformen stark. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, welche Bedeutung unbemannte Boote in modernen Seekonflikten gewinnen können. Die Ukraine setzte vergleichbare Systeme wiederholt erfolgreich gegen russische Einheiten ein.
Rheinmetall sieht darin einen Zukunftsmarkt. Bereits im März hatte der Leiter der Sparte Naval Systems, Tim Wagner, erklärt, dass erste Aufträge aus Nato-Staaten vorliegen. Der Konzern reagiert damit auf die weltweit steigende Nachfrage nach schnell verfügbaren autonomen und ferngesteuerten Systemen.
Möglich wurde der Produktionsstart auch durch eine strategische Übernahme. Anfang März schloss Rheinmetall den Kauf des Marineunternehmens NVL ab, zu dem auch Blohm+Voss gehörte. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen. Damit stärkt der Konzern seine Präsenz im Marinegeschäft deutlich.
Für Rheinmetall ist der Einstieg in die Serienfertigung autonomer Boote Teil eines tiefgreifenden Wandels. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend vom Autozulieferer zum Rüstungskonzern entwickelt. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine profitiert Rheinmetall von stark steigenden Verteidigungsausgaben in Europa und einem massiv gewachsenen Auftragsbestand.
An der Börse zählt Rheinmetall trotz jüngster Konsolidierung weiter zu den großen Gewinnern der vergangenen Jahre: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs legte die Aktie um mehr als 2.000 Prozent zu. Die Bewertung ist anspruchsvoll, der Markt setzt auf weiteres Gewinnwachstum. Mit dem Einstieg in autonome Marinesysteme bekommt die Investmentstory nun einen möglichen neuen Impuls.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

