300 große AKWs nötig
Texas am Limit: Rechenzentren sprengen das Stromnetz
300 Kernkraftwerke für den KI-Boom: Der texanische Netzbetreiber warnt vor einer Explosion der Stromnachfrage. Tech-Riesen investieren Milliarden, die Infrastruktur kann nicht mehr Schritt halten.
- ERCOT warnt vor Spitzenlast von 367.790 MW bis 2032
- Netzausbau und Leitungen müssen massiv erweitert werden
- Künstliche Intelligenz treibt Nachfrage von Rechenzentren
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Texas ist stolz auf seine Energieunabhängigkeit, seinen deregulierten Markt und liberale Genehmigungsverfahren. Das hat Tech-Giganten, KI-Spezialisten und Bitcoin-Miner in den südlichen US-Staat gelockt. Die geplanten Kapazitäten sind gewaltig, einige der größten Rechenzentren der Welt sollen in der Region entstehen. Dafür muss aber auch ausreichend Strom zur Verfügung stehen, denn diese Rechenzentren sind riesige Energiefresser.
Die neuesten Zahlen des Netzbetreibers ERCOT (Electric Reliability Council of Texas) lassen Experten den Atem anhalten. In einer aktuellen Prognose skizziert der Betreiber ein Szenario, in dem die Spitzenlast bis zum Jahr 2032 auf gigantische 367.790 Megawatt (MW) ansteigen könnte.
Zum Vergleich: Der bisherige Rekordwert, aufgestellt während der extremen Hitzewelle im August 2023, lag bei rund 85.500 MW. Wir sprechen also von einer potenziellen Vervierfachung des Bedarfs innerhalb weniger Jahre. Ein Zuwachs dieser Größenordnung ist in der Geschichte der US-Stromnetze beispiellos. Um diese Last zu stemmen, müssten rechnerisch knapp 300 zusätzliche große Kernreaktoren ans Netz gehen – ein Ding der Unmöglichkeit in diesem Zeitrahmen.
Die Ursache für diesen Hunger nach Energie hat einen Namen: Künstliche Intelligenz. Mehr als 60 Prozent des prognostizierten Anstiegs gehen laut ERCOT auf das Konto geplanter Rechenzentren. Texas hat sich durch niedrige Steuern, liberale Regulierung und ein massives Angebot an erneuerbaren Energien zum Mekka für Tech-Konzerne entwickelt.
Aktuelle Großprojekte verdeutlichen die Dimension:
- Hyperscaler: Amazon, Google und Microsoft erweitern ihre Campus-Standorte in Regionen wie San Antonio und Dallas fast im Monatstakt.
- KI-Gigantismus: OpenAI und Oracle planen mit dem Projekt "Stargate" eine Anlage, die allein bis zu 5 Gigawatt verbrauchen könnte.
- Krypto-Mining: Flexible Abnehmer wie Riot Platforms nutzen texanischen Strom, um in Zeiten von Überschüssen Bitcoin zu schürfen.
Trotz der dramatischen Zahlen mahnen Stimmen zur Besonnenheit. ERCOT-Chef Pablo Vegas stellte klar, dass es sich um eine "vorläufige Momentaufnahme" und nicht um eine finale Vorhersage handelt. Man gehe davon aus, dass das tatsächliche Wachstum moderater ausfallen werde. Das Problem: ERCOT muss alle eingereichten Netzanfragen bündeln, doch nicht jedes geplante Rechenzentrum wird tatsächlich gebaut. Dennoch zeigt die Statistik das massive Interesse der Branche.
Für Texas steht viel auf dem Spiel. Das Stromnetz ist bereits heute anfällig für Extremwetterereignisse. Die Integration von gigantischen neuen Lasten erfordert nicht nur neue Kraftwerke, sondern einen massiven Ausbau der Übertragungsleitungen.
Die Debatte, die derzeit in Texas geführt wird, ist ein Vorgeschmack auf das, was weltweit droht: Der unstillbare Durst der KI-Infrastruktur trifft auf eine alternde Stromversorgung. Texas wird damit zum Testlabor für die Frage, ob es überhaupt möglich ist, den explodierenden Energiebedarf der Rechenzentren zu erfüllen. Der US-Staat und auch kein anderes Land auf der Welt kann 300 Kernkraftwerke in sechs Jahren bauen. Bei anderen Energiequellen geht das deutlich schneller und günstiger: Texas ist führend bei Windkraft und baut Solarkapazitäten schneller aus als fast jeder andere US-Bundesstaat – auch wenn die aktuelle US-Regierung unter Donald Trump massiv gegen erneuerbare Energien und vor allem gegen Windkraftanlagen vorgeht.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

