2008 lag er schon mal richtig
Kein Crash – aber was kommt, wird Anleger kalt erwischen, warnt Michael Burry
Statt eines plötzlichen Crashs erwartet Michael Burry eine zermürbende Marktphase mit starken Ausschlägen in beide Richtungen.
- Burry erwartet zermürbende Marktphase mit Volatilität
- Analysten sehen überhitzten Markt und raten zur Pause
- Rallye möglich, aber mit heftigen Rückschlägen
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
"Big Short"-Investor Michael Burry erwartet nach der jüngsten Rekordrallye an den US-Börsen keinen unmittelbaren Crash. Ein sogenannter "Needle Top" – also ein Muster, bei dem Kurse steil steigen und anschließend sofort abstürzen – sei an den Märkten bislang praktisch unbekannt. "Richtig, ein Needle Top ist wie ein Einhorn – mythisch, bis das Gegenteil bewiesen ist", schrieb Burry in einem Diskussions-Thread für seine Substack-Abonnenten.
Statt eines plötzlichen Einbruchs rechnet der bekannte Investor mit einer deutlich unruhigeren Marktphase. "Ich denke, es wird volatil sein und es wird weitere neue Höchststände und große Einbrüche geben, und irgendwann wird das, was passiert ist, vielleicht eines Tages wieder wie ein Höchststand aussehen", erklärte er weiter.
Burrys Einschätzung folgt auf eine außergewöhnlich starke Rallye an der Wall Street. Der S&P 500 legte binnen 13 Handelstagen rund 12 Prozent zu und schloss zuletzt auf einem Rekordstand von mehr als 7.100 Punkten. Der Investor, der durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise berühmt wurde, sieht darin jedoch kein Signal für einen sofortigen Kollaps.
Unterstützung bekommt diese Sicht von Marktstrategen des Analysehauses BTIG. In einem aktuellen Bericht mit dem Titel "Rarefied Air" ("luftige Höhen an der Börse") schreiben Chef-Charttechniker Jonathan Krinsky und sein Team, die Lage sehe weiterhin konstruktiv aus, wirke aber inzwischen überhitzt. Eine Pause sei daher angebracht.
Die Analysten verweisen auf mehrere seltene Marktsignale. So habe der S&P 500 erst zum dritten Mal seit 1980 drei Wochen in Folge Gewinne von jeweils mindestens drei Prozent erzielt. Gleichzeitig notiert der Philadelphia Semiconductor Index mehr als 16 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt – ein Niveau, das seit 1994 nur selten erreicht wurde. Historisch sei dieses Muster kurzfristig eher schwach, auf Sicht von 30 Tagen jedoch positiv gewesen.
Burry bleibt dennoch vorsichtig. Schon länger warnt er vor hohen Bewertungen im Technologiesektor und äußert sich skeptisch zum Boom rund um Künstliche Intelligenz. Er kritisiert übermäßige Investitionen, fragwürdige Bilanzierung und zirkuläre Geschäftsmodelle.
Für Anleger bedeutet das nach seiner Lesart: Die Rallye könnte weiterlaufen und neue Höchststände markieren. Gleichzeitig dürfte das Umfeld rauer werden – mit heftigen Rückschlägen, schnellen Richtungswechseln und wachsender Nervosität.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

