Ergebnisse nicht gut genug
Da ist die erste große Enttäuschung: KI-Wert Vertiv bricht nach Zahlen ein!
Der Ausrüster von Datenzentren Vertiv hat die Erwartungen des Marktes nur teilweise erfüllen können. Die Anteile gerieten vorbörslich stark unter Druck.
- Vertiv erfüllt Umsatz, Gewinn leicht über Erwartung
- Aktie verliert vorbörslich bis zu sechs Prozent
- Management prognostiziert starkes Wachstum bis 2026
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
US-Quartalssaison: Der Erwartungsdruck ist gewaltig!
Die US-Quartalssaison läuft langsam zur Höchstform auf. Nachdem in der vergangenen Woche bereits mit Netflix ein schwergewichtiger Tech-Titel seine Zahlen vorgelegt hat, steht bereits am Mittwochabend das Ergebnis von Tesla an. In der kommenden Woche sind dann weitere Magnificent-Seven-Werte an der Reihe.
Mit Blick auf die rekordverdächtige Gewinnserie des Nasdaq 100 in den vergangenen zwei Wochen, hohen Unternehmensbewertungen und noch höheren Erwartungen insbesondere an die Geschäftsergebnisse von KI-Werten liegen die von Unternehmen zu nehmenden Hürden für weitere Aufwärtsimpulse ihrer Aktien hoch.
Über genau diesen Fallstrick ist am Mittwochmittag der Hersteller von elektronischen Komponenten und Ausrüstung für Datenzentren Vertiv gestolpert. Das Unternehmen liefert damit die erste große Enttäuschung im KI-Bereich.
Umsatz trifft Erwartungen, Gewinn deutlich darüber
Zwar kletterten die Erlöse gegenüber dem Vorjahresquartal um beeindruckende 29,9 Prozent. Das Umsatzergebnis in Höhe von 2,65 Milliarden US-Dollar konnten die Erwartungen der Analystinnen und Analysten damit aber "nur" erfüllen und nicht übertreffen.
Das gelang immerhin beim bereinigten Gewinn pro Aktie (Non-GAAP), wo die Schätzung mit 1,17 US-Dollar um 16 Cent übertroffen wurde. Somit patzte Vertiv zumindest nur in einer von beiden Kategorien. Insgesamt erzielte das Unternehmen einen auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Gewinn in Höhe von 390,1 Millionen US-Dollar nach 164,5 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Anstieg von 137,1 Prozent und demonstriert die angesichts des Nachfragebooms Margenstärke und Preissetzungsmacht des Unternehmens.
Wachstum vor Beschleunigung? Starke Prognose für 2026!
Für das kommende Quartal stellte Vertiv Erlöse von 3,25 bis 3,45 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Das bedeutet ein organisches Wachstum von 20 bis 24 Prozent. Der daraus erzielte operative Ertrag soll sich (auf bereinigter Basis) auf 690 bis 730 Millionen US-Dollar belaufen. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll mit 1,37 bis 1,43 US-Dollar deutlich über dem Ergebnis des Vorquartals landen.
Mit Blick auf das Gesamtjahr erwartet das Management um CEO Giordano Albertazzi ein Umsatzergebnis von 13,5 bis 14,0 Milliarden US-Dollar, das entspricht einem Wachstum von bis zu 31 Prozent. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll 6,30 bis 6,40 US-Dollar betragen, beim freien Cashflow wird mit 2,1 bis 2,3 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Aktie kämpft nach Zahlen mit Gewinnmitnahmen
Trotz der übertroffenen Gewinnerwartungen sowie der Aussicht auf ein weiter beschleunigtes Umsatzwachstum zeigten sich Anlegerinnen und Anleger in der US-Vorbörse nicht zufrieden. In einer ersten Kursreaktion brach die Aktie um bis zu 6 Prozent ein. Im weiteren Verlauf der Vorbörse konnten die Verluste auf ein Minus von 4 Prozent eingedämmt werden. Der Aktie droht zur Wochenmitte ein Ringen um die psychologisch wichtige Marke von 300 US-Dollar.
Grund zur Klage haben Investoren derzeit allerdings kaum. Seit dem Jahreswechsel hat Vertiv um knapp 93 Prozent zugelegt. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr betragen die Kursgewinne sogar satte 362,4 Prozent. Angesichts der "nur" getroffenen, aber nicht übertroffenen Gewinnerwartungen sind Gewinnmitnahmen daher ebenso zu erwarten wie gut zu verkraften.
Fazit: Hohe Erwartungen als Herausforderung
Mit Blick auf die Unternehmensbewertungen sollten Anlegerinnen und Anleger trotz des technisch starken Trends der Aktie zunehmend vorsichtig werden. Auf Basis der unternehmenseigenen Gewinnprognose ist Vertiv für 2026 bereits mit einem KGV von 47,6 bewertet.
Das liegt nicht nur deutlich über dem 5-Jahres-Mittel von 28,4, sondern auch über dem Branchendurchschnitt von 20,2. Gleichzeitig ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) mit 1,65 nur durchschnittlich und aus fundamentaler Perspektive nicht besonders günstig.
Damit zeigt der Fall von Vertiv, wie hoch die Hürden in dieser Quartalssaison vor allem für KI-Werte sein dürften, bei den Aktienkursen und Unternehmensbewertungen nochmal eins draufzusetzen. Wer nur liefert, wie bestellt, dürfte sich in dieser Ergebnisperiode keine Freunde am Markt machen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
Die Vertiv Holdings Registered (A) Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -4,26 % und einem Kurs von 255,1EUR auf Tradegate (22. April 2026, 12:53 Uhr) gehandelt.

