T-Mobile ganz schlucken?
Telekom prüft offenbar historischen Deal – jetzt geht es um alles
Strebt die Deutsche Telekom eine Komplettfusion mit T-Mobile US an? Der Deal wäre historisch, politisch heikel und könnte den Konzern radikal verändern.
- Deutsche Telekom prüft Komplettfusion mit T-Mobile US
- Pläne für Holding und Aktienangebote beider Konzerne
- Staatliche Anteile und politische Hürden unklar
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Die Deutsche Telekom erwägt laut Bloomberg eine vollständige Fusion mit ihrer US-Tochter T-Mobile US. Entstehen könnte ein Telekommunikationskonzern mit globalem Gewicht.
Die Deutsche Telekom hält bereits rund 53 Prozent an T-Mobile US. Diskutiert wird die Gründung einer neuen Holdinggesellschaft, die anschließend Angebote für die Aktien beider Unternehmen vorlegen könnte. So würde ein einheitlicher Konzern entstehen, an dem die bisherigen Aktionäre der Deutschen Telekom und von T-Mobile US beteiligt wären.
Auch eine doppelte Börsennotiz steht dem Bericht zufolge im Raum. Einige mit der Sache vertraute Personen sagten, die fusionierte Gesellschaft könnte später an einer US-Börse und an einer großen europäischen Börse notiert werden. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium. Zudem sei politische Unterstützung in Berlin und Washington nötig.
Die Deutsche Telekom verlor am Mittwoch im Handel gut vier Prozent.
Aus Sicht des Marktes hätte ein Zusammenschluss durchaus Charme. Die Deutsche Telekom wird an der Börse deutlich niedriger bewertet als T-Mobile US, obwohl das US-Geschäft einen Großteil der Gewinne liefert. Eine Fusion könnte diesen Bewertungsabschlag verringern und dem neuen Konzern mehr Spielraum für weitere Übernahmen geben. Somit könnte der DAX-Konzern der größte Mobilfunkanbieter der Welt nach Marktkapitalisierung werden und gar China Mobile übertreffen.
Politisch heikel
Der deutsche Staat und die Kreditanstalt für Wiederaufbau halten zusammen rund 28 Prozent an der Deutschen Telekom und hätten damit erheblichen Einfluss. Unklar ist, ob die Bundesregierung einen Deal unterstützen würde, wenn ihr Anteil am neuen Unternehmen sinkt.
Hinzu kommt das schwierige Umfeld. Telekom-Chef Tim Höttges hatte bereits im Februar kritisiert, dass die europäische Regulierung den Ausbau digitaler Infrastruktur behindere. Gleichzeitig verwies er darauf, dass der Börsenwert der Deutschen Telekom inzwischen fast vollständig vom US-Geschäft getragen werde.
Analysten bewerten die Idee unterschiedlich. Roger Entner von Recon Analytics sagte laut Bloomberg über T-Mobile US:
Sie wollten dies schon immer ins eigene Haus holen.
NewStreet Research argumentierte, eine Fusion würde der Deutschen Telekom mehr Handlungsspielraum für große Übernahmen verschaffen. Citigroup zeigte sich skeptischer. Dort sehen Analysten für die Aktionäre von T-Mobile US zunächst keine klaren Vorteile, sofern kein nennenswerter Aufschlag geboten wird.
Noch ist also nichts entschieden. Doch die Gerüchte zeigen, wie ernsthaft die Deutsche Telekom offenbar über den nächsten großen Schritt in den Vereinigten Staaten nachdenkt.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
