Rekord-Intervention
Japans teurer Kampf gegen die Fundamentaldaten
Mit fast 30 Milliarden Euro stemmt sich Tokio gegen den Yen-Verfall. Doch trotz massiver Firepower bleibt jede Rallye ohne Zinsschritte und sinkende Ölpreise ein Strohfeuer.
- Tokio pumpt rund 5,4 Billionen Yen in den Markt
- Zinsdifferenz und hohe Ölpreise treiben Yenverkäufe
- Erfolge könnten ohne Zinswende schnell verpuffen
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Die japanische Zentralbank hat in der vergangenen Woche eine Rekordsumme von rund 5,4 Billionen Yen (29,4 Milliarden Euro) in den Markt gepumpt, um den freien Fall der Währung zu stoppen. Tatsächlich gelang es dadurch, dass sich der Yen von seinem 40-Jahres-Tief bei 160 erholte und zeitweise bis über die Marke von 156 Yen je US-Dollar kletterte. Gleichzeitig mehren sich allerdings die Stimmen, die vor einem schnellen Verpuffen dieses "Strohfeuers" warnen.
Die jüngsten Bewegungen bestätigen, dass die Marke von 160 Yen pro Dollar für das japanische Finanzministerium (MoF) die absolute Schmerzgrenze darstellt. Dass die Intervention in einer Phase vergleichsweise moderater Volatilität erfolgte, zeigt die wachsende Nervosität der Regierung.
Die Notenbank ging bei ihrem Eingriff strategisch klug vor, um eine möglichst große Wirkung mit ihrem Eingriff zu erzielen. Sie nutzte die dünne Liquidität der "Golden Week"-Feiertage, um die Wirkung der Dollar-Verkäufe zu maximieren. Spekulanten sollten durch einen massiven Short Squeeze zur Flucht gezwungen werden.
Analysten von Goldman Sachs betonen, dass Japan theoretisch über enorme Reserven verfügt. Mit Devisenreserven von rund 1,2 Billionen US-Dollar könnte Tokio theoretisch noch 30 weitere Male in der Größenordnung der vergangenen Woche intervenieren. So einfach ist das aber nicht.
Doch die schiere Menge an Kapital ist kein Garant für Erfolg. Die aktuelle Yen-Schwäche liegt nicht zuletzt an der Zinsdifferenz zu den USA. Das macht Carry Trades attraktiv, bei denen sich Investoren Geld in einer Währung mit sehr niedrigen Zinsen (wie dem Yen) leihen, um dieses Kapital in einer anderen Währung oder Anlageklasse mit deutlich höheren Renditechancen (wie US-Assets) wieder zu investieren. Solange die US-Notenbank (Fed) keine Zinssenkungen einleitet und die Bank of Japan (BoJ) vor weiteren Erhöhungen zurückschreckt, bleibt der Zinsvorteil des US-Dollars der primäre Treiber für Yen-Verkäufe und drückt den Kurs.
Der Yen leidet zudem massiv unter hohen Ölpreisen. Da Japan fast seinen gesamten Energiebedarf importieren muss, zwingen hohe Ölpreise japanische Unternehmen dazu, massenhaft Yen zu verkaufen, um die Rechnungen in US-Dollar zu begleichen. Dieser ständige Verkaufsdruck schwächt den Außenwert der Währung und führt dazu, dass der Yen bei steigenden Rohstoffpreisen fast automatisch an Boden verliert. Um dem entgegenzuwirken, warnte Vize-Finanzminister Atsushi Mimura auch Akteure am Ölmarkt ungewöhnlich deutlich, dass Japan bereit sei, "an allen Fronten" zu intervenieren.
Trotz der Milliarden-Intervention bleibt die Skepsis am Markt groß. Strategen von Citigroup und XTB warnen bereits, dass die Gewinne des Yen ohne eine fundamentale Wende der Zinspolitik "verdampfen" könnten. Die Geschichte der Währungsinterventionen ist gepflastert mit gescheiterten Versuchen, sich gegen den Markttrend zu stellen.
Japan hat bewiesen, dass es bereit ist, sein gesamtes Arsenal einzusetzen, um die 160er-Marke zu verteidigen. Doch solange der Iran-Konflikt den Ölpreis hochhält und die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan bestehen bleibt, gleicht jede Intervention einem Versuch, gegen Windmühlen zu kämpfen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


