GLP-1-Hype
Abnehmspritzen treiben Pharma-Gewinne – doch ein Risiko wächst rasant
Abnehmspritzen wie Wegovy und Zepbound treiben Pharma-Gewinne auf Rekordniveau. Doch eine neue Deloitte-Analyse warnt vor gefährlicher Konzentration.
- Abnehmspritzen heben Pharma-Gewinne auf Rekord
- Hohe Abhängigkeit von GLP-1 und wenigen Blockbustern
- Deloitte warnt vor Blasenrisiko und Konzentration
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Der weltweite Pharmasektor erlebt laut einer neuen Studie von Deloitte, über die CNBC berichtet, einen außergewöhnlichen Wachstumsschub. Vor allem Medikamente zur Behandlung von Adipositas und Diabetes wie Wegovy oder Zepbound treiben die Renditen der Forschung und Entwicklung der 20 größten Pharmaunternehmen auf 7 Prozent – den höchsten Wert seit Jahren und bereits das dritte Jahr in Folge steigender Ergebnisse.
Besonders auffällig ist die Verschiebung im Markt: Erstmals seit 16 Jahren hat die Onkologie ihre Spitzenposition als wichtigster Treiber der späten Pipeline-Werte verloren. Stattdessen dominieren nun Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten.
Konzentration auf wenige Blockbuster
Die Deloitte-Analyse zeigt eine starke Abhängigkeit der Branche von wenigen Produkten. Medikamente gegen Adipositas und Diabetes machen inzwischen 38 Prozent aller erwarteten kommerziellen Zuflüsse aus der späten Entwicklungspipeline des Jahres 2025 aus. Ohne diese GLP-1- und GIP-Wirkstoffe sinkt die durchschnittliche Rendite der Branche deutlich auf nur 2,9 Prozent, nach 3,8 Prozent im Jahr 2024.
Auch die Struktur der Umsätze ist stark konzentriert. Adipositas-Therapien stehen mittlerweile für rund 25 Prozent der erwarteten Pipeline-Umsätze, während die Onkologie auf 20 Prozent zurückfällt. Noch 2022 lag der Anteil der Adipositas-Medikamente bei lediglich 1 Prozent.
Warnung vor "Blasen-Effekt"
Deloitte-Partner Hanno Ronte sieht darin ein erhebliches Risiko. Gegenüber CNBC sagte er: "Es ist eine Blase, weil dort so viel konzentriert ist." Gleichzeitig betonte er, dass die Medikamente für Patienten dauerhaft bleiben werden, die Marktdynamik aber zunehmend einseitig werde.
Ronte erklärte zudem: "Aus Sicht der Patienten wird die Blase nicht platzen und die Medikamente werden nicht verschwinden, aber wir erreichen hier einen Punkt, an dem bei den GLP-1-Präparaten Eitelkeit und Gesundheit aufeinanderprallen."
Forschung zwischen Hoffnung und Unsicherheit
Die wissenschaftliche Datenlage rund um GLP-1-Wirkstoffe entwickelt sich weiter. Novo Nordisk untersucht etwa Semaglutid, den Wirkstoff in Ozempic und Wegovy, auch im Zusammenhang mit Alzheimer. Eine große Studie zeigte zwar keine signifikante Verzögerung des Krankheitsverlaufs, jedoch Veränderungen bei krankheitsrelevanten Proteinen und Entzündungsmarkern.
Gleichzeitig werden neue Einsatzfelder erschlossen. Eli Lillys Kombinationstherapie wird inzwischen auch zur Behandlung von Schlafapnoe bei adipösen Patienten eingesetzt. Zudem zeigen Studien mögliche Effekte auf Suchtverhalten.
Risiko der Abhängigkeit vom Hype
Trotz der Erfolge warnt Deloitte vor einer gefährlichen Konzentration: Nur 54 sogenannte Mega-Blockbuster-Indikationen, also rund 9 Prozent der späten Pipeline, sollen rund 70 Prozent der risikoadjustierten Spitzenumsätze generieren.
Ronte fasst die Situation bildhaft zusammen: "Wenn man auf einer Welle reitet und sie sich mit vielen anderen teilen muss [...] hat man natürlich nicht besonders viel Platz zum Surfen." Die zentrale Frage sei nun, ob die Branche weiter auf diesen einen Trend setze oder nach der nächsten wissenschaftlichen Wachstumswelle suche.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen

