Das bleibt nicht dort
Asien ohne Plastik – und plötzlich fehlt, was alle brauchen
Verpackungen fehlen, Preise steigen, Kliniken bauen Reserven auf. Die Kunststoffkrise greift über die Industrie hinaus – und rückt spürbar näher.
- Nahostkonflikt löst Kunststoffknappheit in Asien aus
- Krankenhäuser hamstern medizinische Vorräte vorsorglich
- Firmen suchen Lieferanten außerhalb des Nahen Ostens
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Der Krieg im Nahen Osten hat sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schock für Asien entwickelt – und trifft besonders die Kunststoffindustrie. Gestörte Lieferwege und blockierte Rohstoffströme lösen eine Knappheit aus, die bereits über die Chemiebranche hinaus bis in Supermärkte und Krankenhäuser durchschlägt.
Asien ist stark abhängig von Importen aus dem Nahen Osten, insbesondere von Naphtha, einem zentralen Rohstoff für Kunststoffe wie Polyethylen oder PET. Diese Materialien stecken in nahezu allem – von Lebensmittelverpackungen über Konsumgüter bis hin zu medizinischen Verbrauchsmaterialien. Seit Beginn des Konflikts steigen die Preise deutlich, während die Versorgung spürbar ins Stocken gerät.
"Die Stabilität von Kunststoff als grundlegendem Industriematerial ist erschüttert", zitiert Fortune Chen Ping-Kuo von der Ritsumeikan Asia Pacific University. Die Auswirkungen dürften sich "schnell durch die Lieferketten ausbreiten", da ganze Industrien von petrochemischen Vorprodukten abhängen.
Besonders kritisch ist die Lage im Gesundheitswesen. In Südkorea untersuchen Behörden bereits mögliche Hamsterkäufe bei Spritzen und anderen medizinischen Produkten. Gleichzeitig bauen Krankenhäuser vorsorglich Lagerbestände auf – was die Knappheit weiter verschärft. Auch im Alltag wird die Entwicklung sichtbar: In Malaysia fehlten zeitweise Milchprodukte in den Regalen, weil Verpackungsmaterial knapp wurde.
Die Krise zwingt Unternehmen zum Umdenken. Ähnlich wie viele Konzerne nach der Pandemie ihre Abhängigkeit von China reduzierten, suchen Firmen nun verstärkt nach zusätzlichen Lieferanten außerhalb des Nahen Ostens, um Risiken in den Lieferketten besser abzufedern. "Wenn die Störung länger anhält, ist mit erzwungenen Anpassungen zu rechnen", sagt Li Dong von der Nanyang Technological University.
Parallel steigt die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff deutlich, da Unternehmen nach Alternativen suchen. Dennoch kann die Branche die entstandene Lücke kurzfristig nicht schließen. Sollte die Krise anhalten, geraten vor allem kleinere Hersteller unter Druck, während größere Konzerne ihre Position ausbauen – mit Folgen für Preise und Lieferketten weit über Asien hinaus.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

