Wenn Gier gefährlich wird
Nach dem KI-Zuckerrausch droht Anlegern jetzt der brutale Kater
KI-Aktien treiben die Wall Street immer weiter nach oben. Genau jetzt sendet ein Wells-Fargo-Indikator erstmals seit 2021 wieder ein Verkaufssignal für Aktien.
- Wells Fargo sendet erstes Verkaufssignal seit 2021
- KI- und Chip-Rallye treibt S&P 500 und Nasdaq
- Strategen empfehlen Absicherung gegen Iran-Konflikt
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Die Rallye an den US-Börsen läuft weiter, KI- und Chip-Aktien treiben den S&P 500 und den Nasdaq auf neue Rekordstände. Doch ausgerechnet jetzt warnt die Wall-Street-Bank Wells Fargo davor, dass die einfachste Phase der Kursgewinne vorbei sein könnte. Erstmals seit November 2021 sendet ein Stimmungsindikator der Bank wieder ein Verkaufssignal für Aktien.
Aus Sicht der Strategen wurden viele der positiven Faktoren, die die Märkte zuletzt angetrieben hatten, inzwischen weitgehend eingepreist. Dazu zählen neue Steuererleichterungen durch Donald Trumps "One Big Beautiful Bill Act", gesunkene Zollrisiken sowie Hoffnungen auf eine Entspannung im Iran-Krieg. Wells Fargo hatte dieses Zusammenspiel zuletzt als "Sugar-High"-Szenario bezeichnet – also als einen regelrechten KI-Zuckerrausch an den Märkten.
Das Team um Chefaktienstratege Ohsung Kwon erklärte, das "Sugar-High"-Szenario habe sich weitgehend erfüllt und sehe nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial. Inzwischen hat der S&P 500 das damalige Halbjahresziel von 7.300 Punkten bereits überschritten.
Besonders aufmerksam verfolgen Anleger nun den konträren Stimmungsindikator der Bank. Dieser berücksichtigt unter anderem ETF-Zuflüsse, die Positionierung professioneller Investoren, das Put-Call-Verhältnis sowie die Kosten für Absicherungen am Optionsmarkt. Historisch entwickelte sich der S&P 500 nach solchen Signalen meist schwächer oder seitwärts.
Komplett bearish zeigt sich Wells Fargo allerdings nicht. Die Strategen verweisen weiter auf den langfristigen Rückenwind durch Künstliche Intelligenz und halten vor allem Technologie- und KI-Aktien grundsätzlich weiter für attraktiv. Gleichzeitig empfehlen sie Anlegern jedoch stärkere Absicherungen gegen geopolitische Risiken und mögliche Marktrückschläge. "Wir halten es hier für sehr sinnvoll, das Kriegsrisiko abzusichern", sagte Kwon gegenüber MarketWatch.
Im Fokus stehen nun wieder stärker Konjunkturdaten, Inflation und die geopolitische Lage im Nahen Osten. Wells Fargo warnt insbesondere vor einem Szenario aus schwächerem Wachstum und gleichzeitig steigender Inflation – ein Umfeld, das traditionell als schwierig für Aktien gilt. Die Strategen befürchten zudem, dass die Märkte die Risiken steigender Ölpreise und einer möglichen weiteren Eskalation im Iran-Konflikt unterschätzen.
Trotz der Warnungen bevorzugt Wells Fargo weiterhin US-Aktien gegenüber internationalen Märkten. Als wichtige Stützen gelten aus Sicht der Bank die Energieunabhängigkeit der USA sowie der anhaltende Boom rund um Künstliche Intelligenz.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

