Foxconn-Tochter vor Übernahme
Kontron: Starkes Q1 – und ein Angebot, das die Börse kalt lässt
Die Foxconn-Tochter Ennoconn erwägt ein Pflichtangebot für Kontron zu 23,50 Euro – doch Analysten sehen den fairen Wert deutlich höher. Warum der Preis wohl kaum reichen wird, um Aktionäre zu überzeugen.
- Ennoconn erwägt Pflichtangebot zu 23,50 Euro Kursniveau
- Kontron Q1 Umsatz 364 Mio und bereinigtes EBITDA 46 Mio
- DZ Bank bewertet fairen Wert bei 31 Euro deutlich höher
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Der Kontron-Großaktionär Ennoconn, eine Tochter des iPhone-Bauers Foxconn-Konzerns aus Taiwan, hat seinen Verwaltungsrat ermächtigt, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent zu durchbrechen – was nach österreichischem Übernahmerecht ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre auslösen würde.
Als möglichen Angebotspreis hat Ennoconn 23,50 Euro je Aktie ins Gespräch gebracht. Damit käme Kontron auf eine Marktbewertung von rund 1,5 Milliarden Euro.
Die Kontron-Aktie notiert am Donnerstagnachmittag mit 0,9 Prozent leicht im Minus. Von ihrem Jahrestief im März hatten sich die Papiere in den vergangenen Monaten stark erholen können.
Die Meldung überlagert das am gleichen Tag veröffentlichte Quartalsergebnis. Im ersten Quartal 2026 steigerte Kontron seine Umsätze um knapp zwei Prozent auf 364 Millionen Euro. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA lag bei rund 46 Millionen Euro, was einer Marge von 12,7 Prozent entsprach. Besonders stark entwickelten sich die Sparten Transportation sowie Aerospace und Defense mit Wachstumsraten von 28 beziehungsweise 25 Prozent.
Gleichzeitig korrigierte der Vorstand seinen Jahresausblick. Statt des bisherigen Umsatzziels von 1,75 bis 1,8 Milliarden Euro, das auch Zukäufe einschloss, peilt das Management nun ein organisches Wachstum von rund acht Prozent an. Begründet wird die Kehrtwende mit der unsicheren Wirtschaftslage. Akquisitionen werden vorerst auf Eis gelegt.
Das EBITDA-Ziel von 225 Millionen Euro bleibt bestehen, allerdings sind darin geplante Restrukturierungskosten von 25 Millionen Euro für die schwächelnde GreenTec-Division noch nicht enthalten. Die Maßnahmen sollen künftig jährliche Einsparungen von 30 Millionen Euro bringen.
Die DZ Bank bewertet den operativen Quartalsverlauf als solide und sieht das Wachstum in Transportation und Aerospace als klare Belege für die laufende strategische Transformation. Analyst Armin Kremser kommentiert, das bereinigte Konzern-EBITDA sei "ordentlich ausgefallen". Den fairen Wert je Aktie bestätigt die DZ Bank bei 31 Euro – das Kurspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs von 22,96 Euro wäre damit erheblich.
Den möglichen Angebotspreis von Ennoconn von 23,50 Euro sehen die Analysten lediglich als eine Art Preisuntergrenze: Kaum ein freier Aktionär dürfte zu diesem Kurs andienen, wenn der faire Wert der Aktie deutlich darüber liegt.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
