Aktie gibt nach
3.000 Jobs, 21 Prozent Rendite: Commerzbank zieht alle Register gegen Unicredit
Die Commerzbank präsentiert ehrgeizige Wachstumsziele bis 2030 und greift Unicredit scharf an. Was hinter dem Strategieschwenk steckt und warum das Übernahmeangebot der Italiener für Aktionäre kaum attraktiv ist.
- Eigenkapitalrendite soll bis 2030 21 Prozent erreichen
- Konzern streicht brutto rund 3000 Stellen und nutzt KI
- Unicredit will Übernahme und Abbau von 7000 Stellen
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Die Commerzbank hat am Freitag eine neue Strategie vorgestellt, die das Frankfurter Institut fit für die Zukunft machen soll, und kämpft damit zugleich gegen die Übernahmepläne des italienischen Wettbewerbers Unicredit.
Kernstück des Plans ist eine drastische Steigerung der Eigenkapitalrendite: Bis 2030 soll die Kennziffer auf 21 Prozent klettern, verglichen mit 8,7 Prozent im Vorjahr. Begleitet wird das Vorhaben von einem weiteren Stellenabbau: Konzernweit sollen brutto rund 3.000 Vollzeitstellen wegfallen, auch weil Künstliche Intelligenz künftig mehr Aufgaben übernehmen soll.
Die Commerzbank-Aktie startet am Freitag mit einem Minus von rund 1,8 Prozent in den Handel. In der zweiten Jahreshälfte hatten die Papiere angetrieben durch die Übernahmespekulation mehr als 50 Prozent Kursgewinn verbucht. Seit Anfang des Jahres tritt die Aktie allerdings auf der Stelle bei Niveaus um die 35 Euro.
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall. Die Commerzbank befindet sich seit Herbst 2024 in einem erbitterten Übernahmepoker mit Unicredit. Der Mailänder Konzern, der inzwischen knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien hält, hatte zu Wochenbeginn ein formelles Kaufangebot für alle ausstehenden Anteile vorgelegt.
Besonders pikant: Unicredit habe im Fall einer Übernahme allein in Deutschland den Abbau von 7.000 Vollzeitstellen angekündigt, mehr als doppelt so viele wie im eigenständigen Commerzbank-Plan.
Das Commerzbank-Management geht seinerseits in die Offensive und attackiert den Umbauplan der Italiener frontal. Das Konzept sei "vage und birgt erhebliche Umsetzungsrisiken", heißt es offiziell aus Frankfurt. Zudem werfe Unicredit dem Institut irreführenderweise eine schwache operative Leistung vor und stelle unzutreffende Behauptungen über die Technologieinvestitionen der Bank auf.
Rückenwind erhält das Frankfurter Institut auch durch solide Quartalszahlen. Analysten erwarteten für das erste Quartal einen Vorsteuergewinn von über 1,3 Milliarden Euro, was das starke Vorjahresquartal noch übertreffen würde. Im Gesamtjahr 2025 hatte die Commerzbank trotz erheblicher Restrukturierungskosten gut 2,6 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet und damit nur knapp den Rekord des Vorjahres verfehlt.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
