Die ETF-Falle im Depot
So viele ETFs brauchen Anleger wirklich
Möglichst viele ETFs im Depot fühlen sich nach Sicherheit an. Doch genau das kann zum Problem werden. Die entscheidende Frage lautet: Ab wann wird Streuung zur Falle?
Viele Anleger glauben, dass eine bessere Risikostreuung erreicht wird, wenn sich viele ETFs im Depot befinden. Das klingt zwar logisch, kann aber genau der Denkfehler sein, der das Portfolio unnötig kompliziert macht.
Denn ein einzelner, breit gestreuter Welt-ETF auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World kann bereits eine solide Basis bilden. Er bündelt viele Länder und Branchen und nimmt Anlegern einen großen Teil der Arbeit ab. Wer es etwas aktiver steuern möchte, kann auch zwei ETFs kombinieren: einen auf Industrieländer, etwa den MSCI World, und einen auf Schwellenländer. So lässt sich der Anteil der Emerging Markets gezielter festlegen.
Der eigentliche Fehler beginnt oft danach. Wer noch einen S&P-500-ETF, dazu KI-, Cybersecurity- oder Technologie-ETFs hinzufügt, stellt plötzlich fest, dass im Depot viel weniger neue Streuung steckt, als es die Zahl der Fonds vermuten lässt. Viele Werte tauchen mehrfach auf. Besonders US-Aktien können dadurch unbemerkt immer dominanter werden. Aus vermeintlicher Sicherheit wird so ein Klumpenrisiko.
Anleihen-ETFs können hingegen sinnvoll sein, vor allem, wenn Anleger Schwankungen abfedern möchten oder einen kürzeren Anlagehorizont haben. Themen-ETFs sollten dagegen nur eine Beimischung sein – aber auch nur, wenn klar ist, warum sie ins Depot gehören.
Die einfache Faustregel lautet: Für die meisten Anleger reichen ein bis drei gut ausgewählte, breit gestreute ETFs aus. In besonderen Fällen können auch bis zu fünf sinnvoll sein. Mehr Fonds bedeuten jedoch nicht automatisch mehr Schutz. Entscheidend ist nicht die Anzahl der ETFs, sondern deren Inhalt.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

