Dividendenrendite am Tief
Aktien teurer als Anleihen? Die Euphorie wird riskant
Die Wall Street feiert Rekorde, starke Gewinne und Billioneninvestitionen in Künstliche Intelligenz. Doch einige Signale erinnern gefährlich an frühere Übertreibungen.
- Wall Street feiert Rekorde durch KI-Investitionen
- Dividendenrendite bei rund 1,1 Prozent aktuell
- Aktienrisikoprämie negativ und Bewertungen hoch
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Hohe Gewinnerwartungen treiben die Kurse. Steigende Kurse heizen wiederum den Optimismus der Anleger an. Der S&P 500 erreicht neue Höhen.
Die Dividendenrendite des Index liegt nur noch bei 1,1 Prozent. Sie bewegt sich damit nahe dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren und auf dem niedrigsten Niveau seit dem Jahr 2000. Damals platzte kurz darauf die Dotcom-Blase.
Noch stützen die Gewinne die Rallye
Laut LSEG IBES wird das Gewinnwachstum je Aktie im ersten Quartal inzwischen auf fast 28 Prozent geschätzt. Am ersten April lag die Prognose noch bei 14,4 Prozent. Die Erwartungen haben sich damit in wenigen Wochen fast verdoppelt.
Besonders stark sind große Technologiewerte. Im Bereich Kommunikationsdienstleistungen sollen die Gewinne um mehr als 55 Prozent auf fast 100 Milliarden US-Dollar steigen. Im Informationstechnologiesektor wird ein Plus von fast 52 Prozent von mehr als 189 Milliarden US-Dollar erwartet.
Für das Gesamtjahr 2026 kommt der jüngste Schub aber aus dem Energiesektor. Analysten erwarten dort nun ein Wachstum des Gewinns je Aktie von mehr als 46 Prozent. Anfang April lag die Prognose noch bei 18 Prozent.
Gleichzeitig werden Aktien im Vergleich zu Anleihen teurer. Die Aktienrisikoprämie ist unter null gefallen und nähert sich wieder den Tiefständen des vergangenen Jahres. Zuletzt war sie im Jahr 1999 noch negativer. Das kann laut Reuters auf teure Aktien, günstige Anleihen oder beides hindeuten.
Entscheidend bleibt, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz die hohen Bewertungen rechtfertigt. Die Vereinigten Staaten erleben einen der größten Investitionsschübe der Unternehmensgeschichte. Große Cloud-Konzerne bauen Rechenzentren, Chips und Infrastruktur für die nächste Technologiewelle auf.
Morgan Stanley erwartet nun, dass die Investitionen der fünf großen amerikanischen Cloud-Konzerne in Künstliche Intelligenz in diesem Jahr 800 Milliarden US-Dollar erreichen. Im kommenden Jahr sollen es 1,1 Billionen US-Dollar werden. Goldman Sachs rechnet sogar mit kumulierten Ausgaben für Künstliche-Intelligenz-Infrastruktur von 7,6 Billionen US-Dollar bis 2031.
Diese Zahlen nähren beide Lager. Optimisten sehen darin den Treibstoff für eine historische Rallye. Skeptiker fragen, wie diese Ausgaben finanziert werden sollen und ob sie am Ende genug Rendite bringen.
Auch Dividenden bleiben ein Thema
Zwar wirft der Markt gerade nicht wirklich hohe Dividenden ab, dennoch gibt es Aktienunternehmen, die vor Anhebungen nicht zurückschrecken. Diamondback Energy erhöhte die Ausschüttung am 4. Mai um fünf Prozent auf 1,10 US-Dollar. PepsiCo beschloss am 6. Mai eine Anhebung um vier Prozent auf 1,48 US-Dollar. Shell erhöhte die Dividende am 7. Mai um fünf Prozent auf 0,7812 US-Dollar.
Weitere Ausschüttungen meldeten Eli Lilly mit 1,73 US-Dollar, Nike mit 0,41 US-Dollar, UPS mit 1,64 US-Dollar und Alcoa mit 0,10 US-Dollar. In der kommenden Woche stehen zudem Ex-Dividenden-Termine bei Apple, Visa, Target und Delta Air Lines an.
Die Wall Street bleibt damit zwischen Euphorie und Warnsignal gefangen. Künstliche Intelligenz treibt Gewinne, Investitionen und Fantasie. Doch die niedrige Dividendenrendite und die negative Aktienrisikoprämie zeigen, wie viel Hoffnung bereits in den Kursen steckt.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
