DAX-Wert im Sinkflug
Triebwerkhersteller unter Druck: Safran vorn, MTU abgestuft
Berenberg stuft MTU auf Halten ab und warnt vor einem Ende des Aftermarket-Booms. Die Aktie reagiert zum Wochenstart mit emfpindlichen Verlusten.
- Berenberg stuft MTU auf Halten, Aktie verliert stark
- Safran hat die jüngste Flotte und Favoritenrolle
- Naher Osten und hoher Kerosinpreis belasten Aftermarket
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Der Luftfahrtaufschwung nach Corona bekommt Risse. Steigende Kerosinpreise und der Konflikt im Nahen Osten bedrohen das zivile Ersatzteilgeschäft der europäischen Triebwerkhersteller – und Berenberg zieht Konsequenzen: MTU Aero Engines verliert seine Kaufempfehlung und wird auf Halten zurückgestuft. Die Aktie verliert zum Xetra-Handelsstart am Montag gut 2,5 Prozent. Safran bleibt dagegen die Favoriten-Aktie der Analysten, Rolls-Royce verharrt ebenfalls auf Halten.
Kern der Argumentation ist die Flottenzusammensetzung der drei Hersteller. Safrans eingesetzte Triebwerksflotte ist im Schnitt rund 12,2 Jahre alt – die jüngste der drei Unternehmen, gewichtet nach Programmanteil. Bei Rolls-Royce liegt das Durchschnittsalter bei 13,3 Jahren, bei MTU bei 12,7 Jahren. Nur neun Prozent von Safrans aktiver Flotte ist älter als 25 Jahre, während dieser Anteil bei Rolls-Royce auf 15 Prozent und bei MTU auf 13 Prozent klettert. Triebwerke in dieser Altersklasse gelten als besonders rückfallgefährdet, sobald der Spritpreis dauerhaft hoch bleibt.
Beim Wachstum der Flugstunden seit Jahresbeginn liegt Rolls-Royce mit plus fünf Prozent vorn, gefolgt von Safran mit plus drei Prozent und MTU mit plus zwei Prozent. Der Nahe Osten trübt das Bild deutlich: Dort brachen die Flugstunden für MTU-bestückte Maschinen um 25 Prozent ein. Das ist mehr als doppelt so stark wie bei Safran mit minus zehn Prozent.
Erfahrungsgemäß schlägt eine Schwäche im Luftverkehr erst mit Verzögerung auf das Ersatzteilgeschäft durch. Nach dem 11. September 2001 dauerte es neun Monate, nach der Finanzkrise 2008 sogar 15 Monate, bis die Nachfrage nach Ersatzteilen spürbar nachgab. Berenberg erwartet deshalb eine Verlangsamung erst im Jahr 2027. Für Safran prognostizieren die Analysten dann noch neun Prozent Wachstum im zivilen Aftermarket, für MTU nur noch 5 Prozent, nach jeweils stärkerem Wachstum im laufenden Jahr.
Falls sich die Lage im Nahen Osten nicht entspannt und der Kerosinpreis hoch bleibt, drohen bei allen drei Unternehmen Abschläge beim freien Cashflow 2027 von acht bis 13 Prozent gegenüber dem Basisszenario, rechnen die Analysten vor. Rolls-Royce wäre in diesem Szenario mit minus 13 Prozent am stärksten betroffen.
Berenbergs Zielkurs für MTU wurde von 420 auf 350 Euro gesenkt, die Aktie notiert derzeit bei rund 298 Euro. Safran bleibt mit einem Zielkurs von 355 Euro und aktuellem Kurs von rund 295 Euro eine klare Kaufempfehlung. Die Analysten begründen das mit der vergleichsweise robusten Positionierung: Safran verfüge über die jüngste Flotte und sei mit rund 92 Prozent Anteil an Schmalrumpfflugzeugen deutlich breiter aufgestellt als die Wettbewerber.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
