1999-Vibes an der Wall Street
KI-Rallye fühlt sich an wie die letzten Monate vor dem Dotcom-Crash, warnt Burry
Anleger ignorieren schwache Wirtschaftsdaten und kaufen weiter KI-Aktien. Genau das erinnert Michael Burry an die letzten Monate vor dem Dotcom-Crash.
- Anleger ignorieren schwache Daten und kaufen KI
- Burry sieht Parallelen zur Dotcom-Blase und warnt
- Shiller-CAPE nahe Extremwerten, Absturzrisiko groß
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Michael Burry sieht in der aktuellen KI-Euphorie immer stärkere Parallelen zur Endphase der Dotcom-Blase. Der Investor, der durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt weltbekannt wurde und später als Vorlage für den Film The Big Short diente, warnte in einem Substack-Beitrag davor, dass sich der Aktienmarkt zunehmend von fundamentalen Daten entkoppele.
"Absolut nonstop KI. Niemand redet den ganzen Tag über etwas anderes", schrieb Burry nach einer langen Autofahrt, während der er zahlreiche Finanzsendungen verfolgt hatte. Besonders kritisch sieht er, dass selbst schwache US-Wirtschaftsdaten die Rallye kaum noch bremsen. Obwohl die Verbraucherstimmung in den USA zuletzt auf ein Rekordtief gefallen war, erreichte der S&P 500 neue Höchststände.
"Aktien steigen oder fallen nicht wegen der Beschäftigungslage oder der Verbraucherstimmung", schrieb Burry. "Sie steigen geradezu senkrecht, weil sie schon die ganze Zeit senkrecht gestiegen sind. Aufgrund einer Zwei-Buchstaben-These, von der jeder glaubt, sie zu verstehen. Es fühlt sich an wie in den letzten Monaten der Blase von 1999 bis 2000."
Besonders aufmerksam verfolgt Burry die Entwicklung der Halbleiterwerte. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOXX) legte allein in der vergangenen Woche um mehr als zehn Prozent zu und kommt seit Jahresbeginn bereits auf rund 65 Prozent Plus. Für Burry erinnert genau dieses parabolische Verhalten an die letzten Monate vor dem Zusammenbruch der Technologieblase im Jahr 2000.
Zusätzliche Brisanz erhält die Warnung durch Burrys eigene Positionierung. Berichten zufolge hält er Put-Optionen auf den Halbleiter-ETF SOXX mit Laufzeit bis Januar 2027 und setzt damit auf deutlich fallende Kurse im Chipsektor.
Auch andere prominente Investoren sehen inzwischen Parallelen zur Dotcom-Zeit. Hedgefonds-Legende Paul Tudor Jones erklärte bei CNBC, das aktuelle Marktumfeld erinnere ihn ebenfalls an 1999. Anders als Burry glaubt Jones allerdings, dass die Rallye noch ein bis zwei Jahre weiterlaufen könnte, bevor es zu einer größeren Korrektur kommt.
Für zusätzliche Diskussionen sorgt zudem das sogenannte Shiller-CAPE-Verhältnis, ein langfristiger Bewertungsindikator für den US-Aktienmarkt. Dieser liegt inzwischen bei über 40 und damit nahe den Extremwerten aus der Dotcom-Blase.
Burry gilt seit seiner erfolgreichen Vorhersage der Finanzkrise 2008 als einer der prominentesten Bären der Wall Street. Allerdings lag er mit früheren Warnungen zeitlich nicht immer richtig. Genau darin liegt nun das Dilemma vieler Anleger: Sollte sich die KI-Rallye tatsächlich als neue Dotcom-Blase entpuppen, könnten weitere Kursgewinne zwar noch möglich sein – der spätere Absturz aber umso heftiger ausfallen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

