Die Aktie wird wieder heiß
Bayer rasiert alle Erwartungen – aber die 32-Milliarden-Frage bleibt offen
Ein starkes Saatgutgeschäft, höhere Gewinne und Hoffnung im Glyphosat-Komplex treiben die Aktie deutlich nach oben.
- Bayer meldet starkes Saatgut und höhere Erträge
- Hohe Ausgaben für Glyphosatklagen drücken Free Cashflow
- Prognose bestätigt Gerichtsurteil zu Glyphosat erwartet
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Bayer ist überraschend stark ins Jahr gestartet und hat die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Der bereinigte operative Gewinn stieg im ersten Quartal um neun Prozent auf 4,45 Milliarden Euro und lag damit klar über den Marktschätzungen von 3,93 Milliarden Euro. Die Aktie reagierte mit deutlichen Kursgewinnen von mehr als 6 Prozent.
Getrieben wurde das Ergebnis vor allem vom Agrargeschäft. Bayer profitierte von guten Geschäften rund um Soja- und Maissaatgut sowie von einer Einigung im Lizenzstreit mit dem US-Konkurrenten Corteva, die fast eine halbe Milliarde Euro zum Umsatz beitrug. Zudem erholten sich die Preise für den Unkrautvernichter Dicamba in den USA. Das operative Ergebnis der Agrarsparte sprang dadurch um fast 18 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro.
Auch das laufende Sparprogramm zeigte Wirkung. Unter dem Strich verdiente Bayer mit 2,76 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank zwar leicht auf 13,41 Milliarden Euro, bereinigt um Währungseffekte legten die Erlöse jedoch um gut vier Prozent zu.
Im Pharmageschäft belasteten weiterhin Patentabläufe wichtiger Medikamente wie Xarelto und Eylea. Allerdings entwickelten sich neuere Wachstumstreiber wie das Krebsmedikament Nubeqa und das Nierenmittel Kerendia stark. Das operative Ergebnis der Pharmasparte ging um 7,5 Prozent zurück und fiel damit weniger schwach aus als von Analysten erwartet.
"Wir treiben die Umsetzung unserer Strategie weiter voran und sind fest entschlossen, unsere Ziele für das laufende Jahr zu erreichen", sagte Vorstandschef Bill Anderson. Den währungsbereinigten Ausblick bestätigte der Konzern. Wegen günstigerer Wechselkurse hob Bayer die Prognose auf nominaler Basis jedoch leicht an. Für 2026 erwartet das Unternehmen nun einen Umsatz von 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes operatives Ergebnis von 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro.
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Belastung durch die Glyphosat-Klagen in den USA hoch. Allein im ersten Quartal flossen rund 2 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat und PCB ab. Der Free Cashflow lag deshalb bei minus 2,3 Milliarden Euro, die Nettofinanzverschuldung stieg auf 32,5 Milliarden Euro.
Für zusätzliche Spannung sorgt nun der Blick auf die USA. Ende April zeigte sich der Oberste Gerichtshof in einer Anhörung zu den milliardenschweren Glyphosat-Klagen gespalten. Ein Urteil, das für Bayer zum Befreiungsschlag werden könnte, wird bis Ende Juni erwartet.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

