BMS setzt auf China
Milliardenpakt trotz Spannungen: Dieser Pharma-Deal überrascht die Branche
Bristol Myers Squibb und Hengrui Pharma schmieden eine milliardenschwere Allianz. Anleger hoffen auf neue Blockbuster-Medikamente.
- BMS und Hengrui bündeln 13 frühe Entwicklungsprogramme
- Bis zu 15,2 Milliarden USD Gesamtwert, 600 Mio sofort
- BMS Exklusivrechte außerhalb Chinas, Abschluss 2026
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Bristol Myers Squibb (BMS) und Hengrui Pharma bündeln ihre Kräfte in einem milliardenschweren Forschungsdeal. Beide Unternehmen wollen gemeinsam 13 frühe Entwicklungsprogramme aus den Bereichen Onkologie, Hämatologie und Immunologie vorantreiben. Ziel ist es, neue Medikamente schneller auf den Markt zu bringen.
Die Vereinbarung umfasst vier Krebs- und Blutkrebsprogramme von Hengrui, vier Immunologie-Projekte von Bristol Myers Squibb sowie fünf weitere Wirkstoffkandidaten, die gemeinsam entdeckt und entwickelt werden sollen. Dabei setzen die Partner auf Hengruis Forschungsplattformen und frühe Entwicklungsarbeit sowie auf die globale Vermarktungs- und Studienerfahrung von BMS.
Die Börse reagierte positiv auf die Nachricht. Die Aktie von Hengrui schloss in Hongkong mit einem Plus von 4,84 Prozent bei 69,25 HKD (Stand 10:08 Uhr MESZ).
Milliardenvolumen mit langfristigem Potenzial
Für den Zugang zu den Programmen zahlt BMS zunächst bis zu 950 Millionen US-Dollar an Hengrui. Darin enthalten sind eine Sofortzahlung von 600 Millionen US-Dollar sowie weitere Zahlungen in den kommenden Jahren. Der gesamte potenzielle Wert der Vereinbarung kann laut Unternehmen auf rund 15,2 Milliarden US-Dollar steigen. Voraussetzung dafür sind unter anderem erfolgreiche Studien, Zulassungen und Verkaufsziele.
BMS erhält exklusive Rechte an den von Hengrui entwickelten Projekten außerhalb des chinesischen Festlands sowie Hongkongs und Macaus. Im Gegenzug sichert sich Hengrui die Rechte an den BMS-Programmen in diesen Regionen. Die frühe klinische Entwicklung übernimmt dabei überwiegend Hengrui.
Chinesische Forschung rückt in den Fokus
Der Deal reiht sich in eine Serie milliardenschwerer Kooperationen zwischen westlichen Pharmakonzernen und chinesischen Biotechfirmen ein, wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet. Erst Anfang des Jahres hatte Eli Lilly eine Partnerschaft mit Innovent Biologics vereinbart, die ein mögliches Volumen von bis zu 8,5 Milliarden US-Dollar umfasst.
Analysten sehen darin eine klare Signalwirkung. Cui Cui, Leiterin der Asien-Gesundheitsforschung bei Jefferies, sagte laut WSJ, multinationale Pharmakonzerne bevorzugten zunehmend chinesische Wirkstoffe, weil diese kosteneffizient und zugleich innovativ seien.
Zugleich zeige die Vereinbarung, dass politische Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China die Branche bislang kaum bremsen. Cui erklärte, der politische Druck aus dem US-Repräsentantenhaus auf die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA habe "die strategischen Entscheidungen dieser Unternehmen nicht allzu stark beeinflusst".
Fokus auf Wachstum und Innovation
Robert Plenge, Forschungschef von Bristol Myers Squibb, sieht in der Partnerschaft einen wichtigen strategischen Schritt. "Durch die Nutzung sich ergänzender Kompetenzen in verschiedenen Regionen wollen wir die Erkenntnisse aus frühen klinischen Studien schneller gewinnen", sagte der Manager. Das Unternehmen wolle innovative Forschung vorantreiben und gleichzeitig diszipliniert mit seinem Portfolio umgehen.
Auch Hengrui setzt große Hoffnungen auf die Zusammenarbeit. Strategiechef Frank Jiang sprach von einer "äußerst synergetischen Zusammenarbeit zwischen zwei globalen Innovatoren mit sich ergänzenden Stärken". Die Allianz solle nicht nur die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen, sondern auch Hengruis internationale Präsenz stärken.
Abschluss für 2026 geplant
Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Prüfungen, darunter die Freigabe nach dem Hart-Scott-Rodino-Antitrustgesetz in den Vereinigten Staaten. Beide Unternehmen rechnen mit einem Abschluss der Transaktion im dritten Quartal 2026.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

