Gutes Q1 mit Schönheitsfehlern
RWE übertrifft Erwartungen im Windgeschäft, doch die Aktie fällt
RWEs Offshore-Wind läuft rund, doch das Trading-Geschäft reißt ein Loch in die Quartalsbilanz. Was Analysten aus den Zahlen machen und wie Anleger am Mittwoch reagieren.
- Offshore-Wind übertrifft Erwartungen deutlich
- Handelsverlust belastet Quartalsbilanz deutlich
- Analysten: Kaufen empfohlen, Kurstargets variieren
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Gut 1,6 Milliarden Euro bereinigtes EBITDA, haargenau auf Konsenslinie: Die Zahlen des Essener Energieriesen RWE für das erste Quartal 2026 liefern auf den ersten Blick wenig Überraschungen. Doch der Blick ins Detail zeigt: Nicht alles läuft rund. Während das Offshore-Windgeschäft die Erwartungen klar übertraf, enttäuschte das Handels- und Versorgungsgeschäft erneut – und belastete das Gesamtbild spürbar. Die Aktie reagiert am Mittwoch mit leichten Verlusten und notiert am Vormittag knapp 1 Prozent im Minus.
Die Analysten von Jefferies und Deutsche Bank kommen nach den Zahlen zu einer ähnlichen Einschätzung: Kaufen. In der Begründung und vor allem beim Kursziel gehen sie aber auseinander. Jefferies sieht RWE fair bewertet bei 61 Euro, die Deutsche Bank traut der Aktie mit einem Ziel von 63 Euro etwas mehr zu. Zum Handelsschluss am Vortag lag der Kurs bei knapp 58,20 Euro.
Das Offshore-Windgeschäft schlug die Analystenerwartungen um rund neun Prozent – begünstigt durch normalisierte Windverhältnisse nach einem schwachen Vorjahresquartal. Schlechte Nachrichten kamen dagegen aus dem Supply-&-Trading-Segment, das mit einem Verlust von 84 Millionen Euro weit unter der Konsensprognose von minus 20 Millionen Euro blieb. Jefferies wertet den Ausrutscher als das eigentliche negative Signal des Quartals: Das Update sei "leicht negativ" aufgrund des unerwartet hohen Handelsverlusts, schreiben die Analysten.
Für das starke Wachstum beim bereinigten EBITDA gegenüber dem Vorjahr – ein Plus von 25 Prozent – ist zu einem erheblichen Teil ein Einmaleffekt verantwortlich: RWE erhielt Entschädigungszahlungen in Höhe von 332 Millionen Euro für erzwungene Produktionsbeschränkungen am niederländischen Kohlekraftwerk Eemshaven aus dem Jahr 2022.
Ohne diesen Sonderposten hätte die Flexible-Generation-Sparte deutlich schwächer ausgesehen. Ein Umstand, den die Deutsche Bank explizit herausarbeitet. Die Analysten rechnen dennoch damit, dass RWE beim Nettogewinn für das Gesamtjahr das obere Ende der Prognosespanne von 1,55 bis 2,05 Milliarden Euro erreichen kann.
Auf der operativen Seite gibt es Grund zur Zuversicht: Die Offshore-Windprojekte Thor (Dänemark) und Sofia (Großbritannien) haben jeweils den ersten Strom ins Netz gespeist. Der Investitionsplan läuft nach Plan. Die Jahresprognose wurde vollumfänglich bestätigt.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die RWE Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,93 % und einem Kurs von 57,82EUR auf Tradegate (13. Mai 2026, 10:37 Uhr) gehandelt.
