Arbeitsplätze, Geld, Freizeit
Wird KI uns alle reich oder ärmer machen?
Eine Frage, die alle bewegt: Kostet uns Künstliche Intelligenz unsere Arbeitsplätze? Oder sind die Sorgen übertrieben? Das kommt auch darauf an, wie man Reichtum definiert.
- KI verändert Arbeit, schafft andere Tätigkeitsfelder
- Muße ist kein Ersatz für Freizeit, sondern ein Zustand
- Sprache begrenzt KI, Chatbots zeigen menschliche Fehler
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Muße ist mehr als die Abwesenheit von Arbeit. Sie ist auch keine bloße Faulheit. "Etwas um seiner selbst willen tun" nennt Aristoteles die Zeit, die man mit Muße verbringt. Hört sich sperrig an?
Den Begriff der Muße in die Diskussion um Künstliche Intelligenz einzubringen, erfolgt aus diesem Grund: Sie ist das glatte Gegenteil von KI. Technik ist Perfektion, eine Schraube greift in die nächste.
Muße ist etwas anderes als freie Zeit, oder besser: Freizeit. Freizeit ist die Zeit zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit. Die Muße ist eher ein Zustand, in dem man etwas schafft, ohne das der Nutzen das erste Ziel ist.
Aber Muße ist nicht nur das Gegenteil von Künstlicher Logik der KI. Mit Muße ist ein Reichtum bezeichnet, der außerhalb der materiellen Welt möglich ist.
Wenn wir die Frage stellen: Wird KI uns alle reich oder ärmer machen? Dann sollten wir wissen, was wir unter Reichtum verstehen.
Es ist ein Aberglaube seit der Dampfmaschine, dass der technische Fortschritt uns alle reich macht. Das soll gar nicht kulturpessimistisch klingen, auch wenn man da vielleicht an die eigenen Gewohnheiten oder das seiner Kinder denken mag: Das stundenlange Scrollen vor den Bildschirmen. Und tatsächlich: Die Dampfmaschine hat große Teile der westlichen Welt in materielle Sicherheit geführt.
Auch die Weber hatten zurecht Angst, dass ihnen durch die Dampfmaschine ihre Existenz geraubt werden würde. Aber war die Arbeit als Weber nicht auch eine Form der Knechtschaft?
Die Dampfmaschine hat uns die körperliche Arbeit nicht vollständig abgenommen. Und auch die Künstliche Intelligenz wird uns kein Laminat verlegen. Auch wird sie uns das Denken nicht abnehmen.
Soweit zur Seite des materiellen Reichtums: Ja, es wird Arbeitsplätze kosten; aber es werden neue und andere Gebiete und Arbeitsplätze entstehen, die wir noch nicht erahnen können.
Was ist aber mit der Muße, ein Begriff, der beinahe in Vergessenheit gerät. Mehr von ihr werden wir wohl nicht haben. Selbst wenn uns KI mehr freie Zeit, also Freizeit ermöglicht, was auch unwahrscheinlich ist, so haben wir mit einer bloßen Zuteilung von weniger kalkulierter Zeit, noch keinen Gewinn gemacht.
Und zu guter letzt: Warum machen Chatbots falsche Angaben und lassen sich danach plump vom Anwender korrigieren? Alles ist Sprache. Und weil alles in der Sprache ist, kann selbst KI über ihre Grenze nicht hinaus. Dass gerade Chatbots als Spiegel menschlicher Kommunikation lügen, ist ein echter Witz der Geschichte.
Es wird zu Umstellungen kommen: Da der Mensch aber ein Gewohnheitstier ist, ist selbst Umstellung irgendwan zur Gewohnheit geworden.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion
