Nebenwerte brechen ein
Small Caps wackeln plötzlich – doch genau hier lauert die nächste Chance
Small Caps haben Anleger zuletzt begeistert. Doch steigende Renditen bringen die Rallye ins Wanken. Gleichzeitig entsteht im Schatten von Nvidia und Co. eine neue KI-Chance.
- Small Caps geraten durch steigende Renditen unter Druck
- Gewinne erholen sich doch viele bleiben unprofitabel
- Ausbau der KI-Infrastruktur eröffnet Small Cap Chancen
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Small-Cap-Aktien geraten nach ihrer starken Rallye wieder unter Druck. Der Russell-2000-Index verlor am Freitag 2,4 Prozent. Laut Dow Jones Market Data war das der stärkste Tagesrückgang seit dem 13. November.
Belastet wurde das Segment vor allem durch steigende Renditen langlaufender amerikanischer Staatsanleihen. Die Rendite 30-jähriger Papiere erreichte den höchsten Stand seit dem 17. Juli 2007. Für kleinere Unternehmen ist das besonders kritisch. Sie arbeiten häufiger mit variabel verzinsten Schulden und haben oft schlechteren Zugang zu günstiger Finanzierung als große Konzerne.
Der Rücksetzer stellt eine der wichtigsten Marktrotationen des Jahres auf die Probe. Anleger hatten zuletzt verstärkt auf kleinere Unternehmen gesetzt, nachdem diese jahrelang hinter großen Technologiewerten zurückgeblieben waren.
Mark Hackett, Chef-Marktstratege bei Nationwide Investment Management Group, sieht die Erholung der Kleinwerte weiter als fragil an. "Leider sind wir beim Small-Cap-Handel sehr wankelmütig", sagte er MarketWatch. Anleger suchten in technisch getriebenen Rallyes oft den schnellsten und einfachsten Marktzugang. Davon profitierten in der Regel die Big Techs.
Damit sich Small-Cap-Aktien nachhaltig besser entwickeln, müsse sich das makroökonomische Umfeld stabilisieren, so Hackett. Dazu zählten ruhigere Energiemärkte, sinkende Inflationserwartungen und niedrigere Zinsen. Erst dann könnten Anleger stärker auf die verbesserten Fundamentaldaten kleinerer Unternehmen achten.
Fortschritte durchaus sichtbar
Oren Shiran, Portfoliomanager bei Lazard, verweist auf eine Erholung der Gewinne. Das Gewinnwachstum profitabler Small-Cap-Unternehmen habe im August 2025 einen Wendepunkt erreicht. Nach schwachen Jahren 2023 und 2024 habe sich die Dynamik seitdem klar verbessert. Allerdings seien rund 40 Prozent der kleineren börsennotierten Unternehmen weiterhin nicht profitabel.
Auch die Bewertungen haben angezogen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Russell 2000 stieg zuletzt auf 16,9, nach 15,1 im Vormonat. Nach Berechnungen von Bank of America Global Research lag es damit elf Prozent über dem langfristigen Durchschnitt und auf dem höchsten Stand seit November.
Zusätzliche Fantasie kommt vom Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Während Konzerne wie Nvidia, Microsoft und Alphabet im Rampenlicht stehen, könnten viele kleinere Zulieferer ebenfalls profitieren. Shiran erklärte, dass ein großer Teil der benötigten Infrastruktur im Small-Cap-Bereich angesiedelt sei. Genau dort sehen Investoren nun neue Chancen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
