28 % Gewinnsprung
DAX vor gewaltigem Gewinnwachstum in Q3 – vor allem diese Werte
Der DAX steuert auf ein Rekordquartal zu, trotz Konjunkturkrise und Iran-Konflikt. Im Q3 wird ein Gewinnsprung von 28 Prozent erwartet. Dies sind die Gewinner.
- DAX erwartet Rekordquartal mit rund 28 Prozent
- Autokonzerne treiben Wachstum erwartet plus 16 Prozent
- Risiko Energiepreise bei blockierter Straße von Hormus
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Wer sich die nackten Zahlen der börsennotierten Elite im DAX genauer ansieht, reibt sich verwundert die Augen. Trotz geopolitischer Konflikte und Ölpreis-Explosion schalten die deutschen Groß-Konzerne nicht etwa in den Rückwärtsgang, sondern zündet den Gewinnturbo. Für das dritte Quartal 2026 prognostiziert der Marktkonsens ein monumentales Gewinnwachstum von 28 Prozent im Jahresvergleich. Es ist ein Phänomen, das an den Märkten gleichermaßen Euphorie und tiefe Skepsis auslöst.
Hinter diesem scheinbaren Widerspruch verbirgt sich eine Mischung aus wirtschaftlicher Logik und einer operativen Resilienz der Großkonzerne. Die Berichtssaison für das erste Quartal hat gezeigt, dass die DAX-Riesen gelernt haben, in der Krise rentabel zu wirtschaften. Obwohl die Umsätze im Schnitt um fünf Prozent sanken, kletterte die durchschnittliche Gewinnmarge auf ein Dreijahreshoch von 7,5 Prozent. Die Unternehmen steuern mit Kostendisziplin gegen, trennen sich von unrentablen Sparten und nutzen ihre globale Preissetzungsmacht, um gestiegene Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.
Hinzu kommt auch ein mathematischer Effekt. Da im Jahr 2025 die Erträge in wichtigen Sektoren (Autos, Chemie) dramatisch eingebrochen sind, reicht jetzt schon eine Rückkehr zur Normalität, um rein rechnerisch ein kräftiges Wachstum auszuweisen.
Dieses Comeback wird jedoch keine Flut sein, die alle Boote gleichermaßen anhebt. "Der Konsens geht davon aus, dass sich das Gewinnwachstum in den kommenden Quartalen beschleunigen wird, wobei insbesondere der Automobilsektor das Wachstum im zweiten Halbjahr voraussichtlich in den zweistelligen Bereich treiben wird", erklären die Strategen um Maximilian Uleer von Deutsche Bank Research in einer aktuellen Studie.
Für das Jahr 2026 insgesamt haben Experten zwar ihre Gewinnprognosen für die DAX-Konzerne seit Beginn des Krieges im Nahen Osten nach unten korrigiert, dennoch geht der Marktkonsens noch von 11 Prozent Wachstum aus, während die Deutsche Bank mit 12 Prozent noch etwas optimistischer ist.
Als Gewinner dieses Herbstes werden die großen Autokonzerne gehandelt, Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW. Die Automobilindustrie, die im Vorjahr mit einem Gewinneinbruch von über dreißig Prozent das Sorgenkind der Nation war, schickt sich an, das Ruder herumzureißen. Für das Gesamtjahr wird in diesem Sektor eine Ertragswende von plus 16 Prozent erwartet, die ihre volle Wucht im dritten Quartal entfalten soll.
Unterstützt wird dieser Trend von den Schwergewichten der klassischen Industrie und der Rüstung. Siemens profitiert nach wie vor von der globalen Investitionswelle in die Automatisierung, während Rheinmetall durch die massiv hochgefahrenen europäischen Verteidigungsausgaben in einer scheinbar endlosen Sonderkonjunktur schwebt.
Sogar die schwer gebeutelte Chemiebranche um BASF und Covestro stabilisiert sich. Sie profitiert ironischerweise von den weltweiten Verwerfungen, da dank des Iran-Konflikts globale Überkapazitäten abgebaut wurden und die deutschen Produzenten unerwartete Margenvorteile ausspielen konnten. Zusammen mit der ungebrochenen Ertragsstärke des Tech-Sektors, der laut der Deutschen Bank ein Gewinnwachstum von 20 Prozent erzielen dürfte, formieren sich diese Sektoren zur Speerspitze der Herbst-Rallye.
Ganz ohne Gefahren ist die Prognose allerdings nicht. Sollte sich der Nahost-Konflikt weiter verschärfen und die Straße von Hormus langfristig blockiert bleiben, droht ein neuerlicher Energiepreisschock, der die deutsche Industrie treffen würde. Zwar haben sich viele Großkonzerne über Finanzderivate für die erste Jahreshälfte 2026 günstige Energiepreise gesichert. Doch ab dem vierten Quartal laufen diese Absicherungen sukzessive aus. Findet bis dahin keine Entspannung an den Energiemärkten statt, schlagen die realen Marktpreise wieder auf die Bilanzen durch.
An den Märkten überwiegt bislang die Skepsis. Das für das dritte Quartal erwartete Gewinnwachstum von 28 Prozent ist in den Kursen längst noch nicht voll angekommen. Institutionelle Investoren verharren vorerst an der Seitenlinie und warten auf Hinweise, dass der Gewinnturbo wirklich kommt. Sollte sich aber andeuten, dass die Zahlen im Herbst wirklich so stark ausfallen, könnte sich daraus schnell ein kräftiger Kurstreiber für den DAX entwickeln.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


