Anleger völlig unvorbereitet
Der Bondmarkt könnte die KI-Party brutal beenden
Der Iran-Krieg treibt Ölpreise und Zinsen nach oben. Gleichzeitig schrumpft der Renditevorteil von Aktien fast auf null – ein gefährlicher Mix für Anleger, warnt Morgan Stanley.
- Iran-Konflikt treibt Ölpreise und Zinsen nach oben
- Aktienrenditevorteil schrumpft praktisch auf null
- Morgan Stanley bleibt langfristig optimistisch wegen KI
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Die Warnungen vor einem gefährlichen Zusammenspiel aus steigender Inflation, hohen Ölpreisen und überhitzten Aktienmärkten werden an der Wall Street lauter. Strategen von Morgan Stanley um Mike Wilson sehen die KI-getriebene Rallye an den US-Börsen zunehmend durch den weltweiten Ausverkauf am Anleihemarkt bedroht. Sollte die Volatilität bei Staatsanleihen weiter steigen und die langfristigen Renditen weiter nach oben laufen, drohe die erste größere Korrektur seit dem Markttief Ende März, schrieb Wilson in einer aktuellen Mitteilung.
Der S&P 500 hatte erst vergangene Woche sein Allzeithoch wieder abgegeben. Hintergrund sind wachsende Inflationssorgen infolge der hohen Energiepreise durch den Iran-Krieg. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg dadurch auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren, während auch in Japan die Renditen auf Mehrjahrzehntehochs kletterten. Laut Wilson spiegeln die steigenden Renditen sowohl die robusten Konjunkturdaten als auch den schärferen Ton der US-Notenbank wider. Gleichzeitig brauche der Anleihemarkt eine dauerhafte Lösung des Iran-Konflikts, bevor die Zinsen wieder sinken könnten.
Besonders kritisch: Die zusätzliche Rendite, die Anleger für Aktien gegenüber sicheren Staatsanleihen erhalten, schrumpft inzwischen fast auf null zusammen. Höhere Renditen erhöhen die Finanzierungskosten für Unternehmen und Verbraucher, setzen Bewertungen unter Druck und machen Anleihen im Vergleich zu Aktien wieder attraktiver.
Trotz der kurzfristigen Risiken hält Morgan Stanley langfristig an seiner bullishen Sicht fest und erhöhte zuletzt sogar das 12-Monats-Kursziel für den S&P 500 auf 8.300 Punkte. Grund sei das stärkste Gewinnwachstum seit mehr als zwei Jahrzehnten außerhalb klassischer Erholungsphasen nach Krisen. Vor allem die Dynamik rund um künstliche Intelligenz und Investitionen in Rechenzentren treibe die Gewinne vieler Unternehmen an.
Andere Investoren zeigen sich dennoch zunehmend nervös. Vermögensverwalter Paul Karger sagte, seine Kunden fragten inzwischen bei jedem Treffen, wie sich die widersprüchlichen Signale aus starken Unternehmensgewinnen, steigenden Ölpreisen und wachsender Inflation einordnen ließen. Mehrere Strategen warnen zudem davor, dass die Aktienmärkte ein mögliches Extrem-Szenario im Iran-Konflikt bislang kaum eingepreist hätten. Eine längere Störung der Straße von Hormus könnte laut Marktbeobachtern ein "völlig neues Inflationsregime" auslösen und die Märkte für den Rest des Jahres grundlegend verändern.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

