KI und Rohstoffe
KI-Boom treibt Seltene Erden an den Rand eines Engpasses
Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach Seltenen Erden massiv an. Doch weltweit dominieren nur vier Minen den Markt.
- Markt dominiert von vier großen Minen weltweit
- Milliarden fließen in Projekte mit geringen Gehalten
- Humanoide Roboter könnten Bedarf drastisch erhöhen
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Der weltweite Boom rund um Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter verschärft den Kampf um Seltene Erden. Während Investoren Milliarden in neue Projekte außerhalb Chinas stecken, zeigt sich: Der globale Markt hängt derzeit praktisch an nur vier großen Minen.
Das berichtet Barron's unter Verweis auf Branchendaten und Unternehmensangaben. Vor allem die wachsende Nachfrage nach Magneten für Elektromotoren, Smartphones, Rüstungstechnologie und Robotik treibt den Markt an.
China bleibt die dominierende Macht
Die größte Mine der Welt liegt in der Inneren Mongolei in China. Bayan Obo soll 2025 rund 200.000 Tonnen Seltenerdoxide produzieren. Weltweit liegt die Gesamtproduktion laut Barron’s bei etwa 390.000 Tonnen. Vor 10 Jahren waren es noch rund 124.000 Tonnen.
Neben Bayan Obo zählen nur noch die chinesische Mine Maoniuping, die australische Mount-Weld-Mine von Lynas Rare Earths sowie Mountain Pass von MP Materials in Kalifornien zu den entscheidenden Förderstätten der Branche.
Mountain Pass wurde erst 2018 wieder hochgefahren, nachdem die Mine zuvor stillgelegt worden war. Das Unternehmen förderte 2025 rund 51.000 Tonnen Oxid.
Milliarden fließen in neue Projekte
Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China verschärfen den Druck auf westliche Staaten, eigene Lieferketten aufzubauen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage durch KI-Anwendungen deutlich schneller als das Angebot.
Neue Anbieter drängen deshalb auf den Markt. Dazu gehört Rare Earths America mit Projekten in Brasilien. Auch USA Rare Earth entwickelt neue Förderstätten in Brasilien und Texas.
Doch viele dieser Projekte kämpfen mit niedrigen Erzgehalten und hohen Kosten. Manche Lagerstätten enthalten weniger als 1 Prozent seltene Erden im Gestein. Das macht Förderung und Verarbeitung teuer.
Nicht jede Mine wird profitabel
Die Preise für wichtige Materialien wie Neodym-Praseodym sind zuletzt stark gestiegen. Das US-Verteidigungsministerium garantierte MP Materials laut Barron’s zuletzt Mindestpreise von 110 US-Dollar pro Kilogramm. Jahrelang lagen die Preise eher bei rund 50 US-Dollar.
Trotzdem warnt die Branche vor überzogenen Erwartungen. MP-CEO Jim Litinsky sagte bereits 2025: "Leider ist es nicht ganz so einfach." Wirtschaftlich rentable Lagerstätten seien "äußerst selten".
KI-Roboter könnten den Markt sprengen
Vor allem humanoide Roboter könnten den Bedarf in den kommenden Jahren massiv erhöhen. Donald Swartz, CEO von Rare Earths America, rechnet mit einem gewaltigen zusätzlichen Rohstoffbedarf.
"Wenn man bedenkt, [...] was nötig ist, um eine Million bis zehn Millionen humanoide Roboter pro Jahr zu produzieren, braucht man dafür umgerechnet etwa drei bis 28 neue Mount-Weld-Werke", sagte Swartz laut Barron’s. Damit dürfte der Wettlauf um neue Minen gerade erst beginnen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

