Rückenwind auch für SAP
ServiceNow: Deshalb rät die BofA jetzt zum Kauf der Aktie!
Die Bank of America hat am Montag die Aktie von Software-Spezialist ServiceNow in ihre Coverage aufgenommen. Aus diesen Gründen raten die Experten zum Kauf.
- BofA stuft ServiceNow auf Kaufen mit Kursziel 130 USD
- Aktie liefert Kaufsignal nach Bruch der 50-Tage-Linie
- Analysten sehen KI als Rückenwind und 18–22% Wachstum
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Software-Aktien nach heftigen Verlusten mit Lebenszeichen
Für Anlegerinnen und Anleger von Software- und Clouddienstleistungsaktien verlief das Börsenjahr bislang enttäuschend. Die Furcht vor der Disruption der Geschäftsmodelle durch KI und die Veränderung der Bezahlmodelle von einem user- zu einem nutzungsbasierten Ansatz ließ die Branche in die Tiefe rauschen. Gegenüber seinem im vergangenen Jahr markierten Allzeithoch fiel der vielbeachtete Branchen-ETF Expanded Tech-Software Sector zwischenzeitlich um fast 40 Prozent.
Vom Abverkauf erfasst wurden dabei auch zahlreiche, eigentlich als vielversprechend geltende Wachstumsaktien wie Microsoft, SAP und ServiceNow. Im Einzelnen fielen die Verluste hier sogar noch höher aus als beim Rest der Branche. So büßten die Anteile von ServiceNow, dessen CEO niemand geringeres als der ehemalige SAP-Vorstandsvorsitzender Bill McDermott ist, gegenüber ihren Rekordnotierungen fast zwei Drittel ihres Wertes ein – und das trotz fortgesetztem Unternehmenswachstum.
Bank of America rät zum Kauf und sieht viel Potenzial
Erst vor wenigen Tagen fiel die Aktie mit 81,24 US-Dollar auf ein neues Mehrjahrestief, aus technischer Perspektive ein Verkaufssignal. Doch inzwischen stellt sich die Situation deutlich verändert dar, nachdem die ServiceNow nach einer dreitägigen Gewinnserie um 18,4 Prozent zulegen konnte. Besonders steil ging es am Montag mit einem Plus von 8,8 Prozent bergauf.
Ursächlich für die starken Kursgewinne zum Wochenauftakt war ein positiver Analystenkommentar. Die Bank of America, welche ihre Coverage zeitweise aufgegeben hatte, nahm ServiceNow wieder zur Beobachtung auf und stufte die Aktie direkt mit "Kaufen" und einem Kursziel von 130 US-Dollar ein. Selbst nach dem starken Kursanstieg am Montag bedeutet das ein Potenzial von fast 30 Prozent.
Gegenwind durch KI überschätzt
Analyst Tal Liani, der laut des Vergleichsportals für Wall-Street-Expertinnen und -Experten TipRanks als sehr zuverlässiger Experte gilt, begründete seine Einschätzung damit, dass ServiceNow von KI eher profitieren dürfte als durch sie ersetzt zu werden.
Er erwartet, dass KI-Agenten eher zu einer verstärkten Nutzung von Workflow-Prozessmanagementsoftware führen wird als zu weniger. Die starke Verankerung von ServiceNow würde für wechselwillige Kundinnen und Kunden außerdem mit hohen Kosten einhergehen, was zu einer anhaltend hohen Beibehaltungsquote führen dürfte.
Liani verwies außerdem darauf, dass ServiceNow über eine eigene KI-Strategie verfügt, und sieht das Unternehmen mit Anwendungen wie AI Control Tower, Action Fabric sowie den jüngsten Zukäufen Armis und Veza insgesamt hervorragend aufgestellt, auch von hybriden Bezahlungsmodellen (Pay-per-Seat und nutzungsbasiert) zu profitieren.
Analyst erwartet anhaltend hohes Wachstum
In seiner Studie erwartet der Bank-of-America-Experte ein Umsatzwachstum von 18 bis 22 Prozent in den kommenden drei Geschäftsjahren, dabei soll die Cashflow-Marge 35 bis 37 Prozent betragen. Grundlage hierfür sollen die in den vergangenen 5 Quartal um mehr als 20 Prozent gestiegenen Performance Obligations bilden.
Mit einem Vielfachen von 14 für das Verhältnis zwischen Unternehmenswert und freiem Cashflow (EV/FCF) für 2027 sieht Liani ServiceNow attraktiv bewertet – sowohl vor dem Hintergrund des Wachstumsprofils als auch im Vergleich zum Rest der Branche.
Aktie liefert nach starken Kursgewinnen erstes Kaufsignal
Die Kaufempfehlung der Bank of America verfehlte ihre Wirkung nicht. Die starken Kursgewinne am Montag verbesserten die Ausgangslage der technisch schwer angeschlagenen Aktie deutlich, denn die konnte die 50-Tage-Linie hinter sich lassen und damit ein erstes prozyklisches Kaufsignal liefern.
Im Bereich von 85 bis 90 US-Dollar liegt außerdem eine Bodenbildung vor, sodass jetzt eine umfangreichere Erholungsbewegung möglich ist. Erste Anlaufstellen sind der Bereich zwischen 120 und 125 US-Dollar sowie die 200-Tage-Linie bei 144,37 US-Dollar. Deren Überwinden spräche für einen grundlegend verbesserten Trend der Aktie.
Insgesamt scheint sich die Stimmung gegenüber Software-Aktien wieder aufzuhellen. Am Montag legten auch Werte wie Salesforce, Adobe und Autodesk deutlich zu, während Chip-Aktien unter Druck gerieten. Das deutet auf eine Sektorrotation von Hardware- in Softwaretitel hin und könnte die jüngst angelaufene Erholung weiter befeuern.
Fazit: Erholung dürfte anhalten, Rückenwind durch moderate Bewertung
Nach der Kaufempfehlung der Bank of America liegen für ServiceNow inzwischen 33 Bewertungen mit "Kaufen" und 9 weitere mit "Übergewichten" vor. Damit ist der Konsens überwältigend positiv, denn nur 4 Analystinnen und Analysten raten zum "Halten" und nur einmal sind die Anteile zum "Verkaufen" empfohlen. Mit einem Kursziel von 130 US-Dollar liegt die BofA allerdings unter dem durchschnittlichen Analystenziel von 142,77 US-Dollar (+38,1 Prozent).
Mit Blick auf die Bewertung handelt ServiceNow selbst nach dem starken Kursanstieg in den vergangenen Tagen mit einem KGVe 2026 von 23,1, einem Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 0,9 und einem Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) von 15,4. Diese Werte liegen um 55 bis 60 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre. Das zeigt einerseits, wie stark die Neubewertung in den vergangenen Wochen und Monaten war und andererseits, wie viel Potenzial in der Aktie schlummert, sollte ein Teil dieser Neubewertung rückabgewickelt werden.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

