Zins-Schock

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    Die USA steuern auf eine Zinswende zu – doch nicht in die gewünschte Richtung

    Die Inflation schießt hoch und die Fed steht vor einem Dilemma: Statt der erhofften Zinssenkungen droht den USA jetzt eine Zinswende nach oben, mit weitreichenden Konsequenzen für Finanzmärkte und Wirtschaft.

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    Zins-Schock - Die USA steuern auf eine Zinswende zu – doch nicht in die gewünschte Richtung

    Eigentlich war der Plan ein anderer. Die US-Regierung setzt sich schon länger dafür ein, dass die Leitzinsen gelockert werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und der designierte Fed-Chef Kevin Warsh hat angekündigt, dass dies auch durchaus möglich sei. Doch die ökonomische Realität droht, diese Hoffnungen rasch zu zerstören. Statt der lang ersehnten Zinssenkungen rückt eine Zinserhöhung noch vor Jahresende in den Bereich des Wahrscheinlichen.

    Zwei fundamentale Entwicklungen untermauern dieses Schreckensszenario für die Märkte. Zum einen dürfte sich die Inflation, die aufgrund der Nahost-Krise sowieso schon viel zu hoch ist, in den letzten Monaten weiter verschärft haben. Laut der jüngsten Umfrage der Philadelphia Fed rechnen Ökonomen und Analysten für das zweite Quartal mit einer annualisierten Teuerungsrate von 6,0 Prozent beim Verbraucherpreisindex. So hohe Preissteigerungen machen es der US-Notenbank fast unmöglich, die Zinsen zu senken.

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    Entsprechend hat sich auch das Stimmungsbild an den Märkten komplett gewandelt. Während vor nicht so langer Zeit noch mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr gerechnet worden war, ist die Wahrscheinlichkeit für auch nur einen solchen Schritt auf weniger als 1 Prozent gefallen, wie Daten des FedWatch-Tools von CME zeigen. An den Terminmärkten wird inzwischen wieder ernsthaft eine Zinserhöhung eingepreist – bis Jahresende etwa zur Hälfte, bis Januar sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent.

    Sollte die Fed unter Warsh gezwungen sein, die Zinsen tatsächlich anzuheben, hätte dies gravierende Konsequenzen für die USA. So würden die Renditen von US-Staatsanleihen (Treasuries) – insbesondere am kurzen Ende – weiter in die Höhe klettern. Da steigende Renditen spiegelbildlich fallende Kurse bedeuten, drohen Investoren, die ohnehin bereits unter fallenden Anleihekursen und hohen realen Belastungen leiden, zusätzliche Buchverluste.

    Und auch der Aktienmarkt würde nicht ungeschoren davonkommen. Bislang zeigt sich die Wall Street bemerkenswert stark und spekulativ aufgeladen, weil die Fed das Inflationsproblem laufen ließ und die Unternehmensgewinne glänzten. Doch eine Zinsanhebung würde das Fundament dieser Rallye erschüttern, argumentiert Jeffrey Gundlach, Chef von DoubleLine Capital. Höhere Zinsen verteuern die Kapitalkosten für Tech- und Wachstumsunternehmen und machen risikofreie Staatsanleihen zu einer attraktiven Alternative zu teuren Aktien.

    Die Folgen für die US-Realwirtschaft wären ebenfalls heftig, denn höhere Zinsen bremsen die Wirtschaft ab und das Rezessionsrisiko steigt. Wenn die Fed in eine ohnehin durch Geopolitik und Energiepreisschocks belastete Wirtschaft hinein die Zinsen erhöht, wächst die Gefahr, dass es zu einer sogenannten "harten Landung“ kommt – einer abrupten konjunkturellen Vollbremsung.

    Für US-Unternehmen machen höhere Zinsen zudem die Refinanzierung teurer, was Investitionen einfriert und mittelfristig den Arbeitsmarkt belasten könnte. Auf der Verbraucherseite würden die Zinsen für Kreditkarten, Autofinanzierungen und Immobilienkredite (Hypotheken) weiter steigen, was den privaten Konsum – die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft – empfindlich treffen würde.

    Für Hedgefonds-Manager Gundlach ist klar, dass am Markt schlicht nicht die Voraussetzungen für Zinssenkungen gegeben sind. Getrieben durch den Krieg im Iran und explodierende Ölpreise dürfte die US-Inflation unweigerlich weiter steigen. Eine Zinssenkung sei in diesem Umfeld schlicht unmöglich.

     

    Damit spitzt sich die Lage für den neuen Fed-Chef Kevin Warsh weiter zu. Er hat im Vorfeld Offenheit für Zinssenkungen signalisiert und wird von der Politik als Verfechter einer lockereren Geldpolitik angesehen, aber auch wenn er Vorsitzender ist, hat er im Offenmarktausschuss FOMC nur eine von insgesamt 12 Stimmen. Und zu diesen 12 stimmberechtigten Fed-Mitgliedern zählt auch bis auf Weiteres sein Vorgänger Jerome Powell, der für einen datenabhängigen, tendenziell restriktiveren Kurs steht, und der das Lager derjenigen stärkt, die eher für eine Zinserhöhung als für eine verfrühte Senkung stimmen würden.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob Warsh die politischen Hoffnungen auf rasche Zinssenkungen enttäuschen muss, weil Inflationsdaten und Marktpreise ihm kaum Spielraum lassen – oder ob er versucht, den Ausschuss auf seine Seite zu ziehen und eine zu lockere Geldpolitik zu riskieren, mit der Gefahr, dass die ohnehin überhitzten Märkte am Ende noch härter aufschlagen.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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