Ölpreis geben nach
Trumps Iran-Rückzieher dreht den Öl-Markt abrupt
Erst Kriegsangst, jetzt Entspannung: Nach Trumps überraschender Entscheidung bezüglich des Iran, geben die Ölpreise nach. Doch die Ruhe am Markt könnte trügerisch sein.
Die Ölpreise geben deutlich nach – und der Auslöser dafür kommt direkt aus Washington. US-Präsident Donald Trump hat einen geplanten Militärschlag gegen den Iran vorerst verschoben. Für die Märkte ist das ein wichtiges Signal, denn die unmittelbare Angst vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten und vor neuen Störungen der globalen Ölversorgung lässt nach.
Der Preis für Brent-Öl ist am Dienstagmorgen zeitweise um mehr als zwei Prozent auf 109,15 US-Dollar je Barrel gefallen. Aktuell notiert Brent-Öl mit 0,55 Prozent im Plus bei 110,29 US-Dollar. Die US-Sorte WTI gab zeitweise um mehr als zwei Prozent nach und notiert derzeit immer noch 1,10 Prozent im Minus bei 103,22 US-Dollar (Stand: 08:20 Uhr MESZ).
Trump erklärte, er habe den Angriff auf Bitten führender Politiker aus Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgeschoben. Noch kurz zuvor hatte der US-Präsident von einem sehr großen Angriff gesprochen, der vorbereitet worden sei.
An den Energiemärkten sorgte dies zunächst für Erleichterung. Ein direkter Schlag gegen den Iran hätte die ohnehin angespannte Lage in der Region nämlich massiv verschärfen können. Besonders im Fokus steht dabei die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel.
Die Nervosität ist allerdings noch nicht ganz verschwunden. ING weist darauf hin, dass der Markt weiterhin anhaltende Lieferstörungen im Nahen Osten einpreist. Zwar sei ein Teil des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus wieder angelaufen. Die Transportmengen lägen aber weiterhin deutlich unter dem Normalniveau.
Damit bleibt der Ölmarkt anfällig für neue Schlagzeilen. Sollte die diplomatische Entspannung scheitern, könnten die Preise schnell wieder ansteigen. Der aktuelle Rücksetzer wirkt deshalb weniger wie eine echte Entwarnung, sondern eher wie eine kurze Atempause in einem brandgefährlichen Umfeld.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

