Erst gerettet, jetzt umkämpft
Uniper zurück an die Börse? Berlin startet den 13,5-Milliarden-Exit
Nach der milliardenschweren Rettung in der Energiekrise startet Berlin jetzt den Rückzug bei Uniper. Hinter den Kulissen bringen sich bereits internationale Schwergewichte für den möglichen Mega-Deal in Stellung.
- Bund startet Verkaufsprozess für den Energiekonzern
- Anteil soll bis Ende 2028 auf maximal 25 Prozent
- Internationale Investoren wie Brookfield und Equinor
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Die Bundesregierung hat den Verkaufsprozess für den verstaatlichten Energiekonzern Uniper offiziell gestartet und damit den Weg für eine der potenziell größten Energie-Transaktionen Europas in diesem Jahr geebnet. Laut Ausschreibung des Bundesfinanzministeriums haben Interessenten bis zum 12. Juni Zeit, ihr Interesse bei den beratenden Banken JPMorgan Chase und UBS zu hinterlegen.
Geprüft werden sowohl ein Direktverkauf als auch ein Börsengang der staatlichen Beteiligung von derzeit 99,12 Prozent. Nach EU-Vorgaben muss Deutschland seinen Anteil bis Ende 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Eine endgültige Entscheidung über Umfang, Struktur und Zeitpunkt der Reprivatisierung ist allerdings noch nicht gefallen.
Uniper war während der europäischen Energiekrise 2022 mit insgesamt 13,5 Milliarden Euro verstaatlicht worden, nachdem der damalige Hauptlieferant Gazprom die Gaslieferungen eingestellt hatte. Der Konzern, einst Deutschlands größter Gasimporteur, geriet dadurch massiv unter Druck und musste vom Staat gerettet werden.
Inzwischen sieht sich Uniper wieder deutlich stabiler aufgestellt. Vorstandschef Michael Lewis erklärte: "Wir sind heute stabiler, widerstandsfähiger und strategisch klarer aufgestellt. Wir haben unser Geschäft konsequent auf verlässliche Erträge ausgerichtet und verfügen über eine starke Bilanz." Dadurch sei das Unternehmen nicht nur wieder in der Lage, Dividenden zu zahlen, sondern könne auch gezielt in Wachstum und Transformation investieren.
Nach Angaben aus dem Umfeld des Prozesses haben bereits mehrere Interessenten Interesse signalisiert. Dazu zählen unter anderem die Investmentgesellschaft Brookfield Asset Management, der norwegische Energiekonzern Equinor, die tschechische Energieholding EPH des Milliardärs Daniel Kretinsky sowie Taqa. Auch alternative Konstruktionen werden geprüft. Berater sollen zwischenzeitlich sogar eine mögliche Fusion mit dem ebenfalls während der Energiekrise verstaatlichten Unternehmen SEFE analysiert haben.
Mit dem nun gestarteten Verfahren beginnt für den Bund einer der größten staatlichen Rückzüge aus der deutschen Energiewirtschaft seit Jahren. Gleichzeitig dürfte der Prozess als wichtiger Gradmesser dafür gelten, wie internationale Investoren die langfristigen Perspektiven des europäischen Energiemarkts nach der Krise einschätzen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

