Massive Unterbewertung
Platinpreis vor der Rallye: Warum Platin jetzt Gold und Silber schlagen könnte
Die Edelmetalle gerieten zuletzt unter die Räder. Gold, Silber und eben auch Platin gingen vor dem Hintergrund anziehender Anleiherenditen in die Knie. Dabei bietet vor allem Platin ein immenses Comeback-Potenzial.
- Platin unter 2.000 US-Dollar mit Comebackpotenzial
- WPIC rechnet 2026 mit strukturellem Platindefizit
- Platin stark unterbewertet gegenüber Gold und Silber
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Platinpreis aktuell – Anleiherendite und andere belastende Faktoren
In den letzten Tagen stand vor allem der rasante Anstieg der Anleiherenditen im Fokus der Edelmetallmärkte. Inflationsdaten und extrem hohe Ölpreise heiz(t)en die Befürchtungen hinsichtlich einer restriktiveren Geldpolitik der Zentralbanken an. In Bezug auf die Fed hat die Hoffnung auf zumindest eine Leitzinssenkung in diesem Jahr einen herben Dämpfer bekommen.
Die neue Erwartungshaltung manifestierte sich nicht zuletzt in dem veritablen Anstieg der Renditen der wichtigen 10-jährigen US-Staatsanleihen. Stand vor einer Woche noch der Bereich von 4,4 Prozent im Fokus. Muss man sich heute bereits mit den 4,6 Prozent auseinandersetzen. Ansteigende Anleiherenditen zählen zu den Hauptbelastungsfaktoren für Platin, Gold und Silber. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Goldpreis einen Wendepunkt erreicht zu haben scheint und die Goldrallye auf der Kippe stehen könnte.
Die Situation bei Silber ist noch explosiver. Das Edelmetall musste eine vielversprechende Rallye abrupt beenden. Statt 100 US-Dollar rückt nun der Preisbereich von 70 US-Dollar bei Silber in den Fokus.
Und der Platinpreis? Der vermochte es nicht, sich gegen die Unbilden durchzusetzen und sackte erneut unter die 2.000 US-Dollar ab. Dabei bietet insbesondere Platin immenses Comeback-Potenzial.
Marktdefizit als struktureller Preistreiber für Platin
Am gestrigen Montag (18. Mai) veröffentlichte das World Platinum Investment Council (oder kurz WPIC) eine aktualisierte Prognose für das Jahr 2026. Vereinfacht gesagt, ist das World Platinum Investment Council eine Branchenorganisation der führenden Platinproduzenten. Entsprechend finden sich unter den Mitgliedern so illustre Unternehmen wie Valterra Platinum (ehemals Anglo American Platinum), Impala Platinum (Implats) oder Northam Platinum.
Das World Platinum Investment Council ging bislang von einem im Jahr 2026 ausgeglichenen Platinmarkt aus. Platin kommt aus einer mehrjährigen Defizitphase. Im Jahr 2026 sollten sich Angebot und Nachfrage die Waage halten, ehe ab 2027 wieder in ein Defizit kippen sollte – so die bisherige Annahme. Im aktuellen Mai-Bulletin nahm das WPIC hingegen einige interessante Anpassungen vor und rechnet nunmehr auch im Jahr 2026 mit einem Defizit. Zwar fällt dieses mit den erwarteten 297.000 Unzen niedriger aus, als in den Vorjahren, aber im Vergleich zur ursprünglichen Prognose des ausgeglichenen Marktes ist es eben doch eine deutliche Verschiebung. Das World Platinum Investment Council begründet die Defiziterwartung unter anderem mit einer deutlich höheren industriellen Nachfrage.
Massive Unterbewertung – Platin vs Gold und Platin vs Silber
Setzt man Platin in Relation zu Gold und Silber, dann wird deutlich, dass Platin im Vergleich zu den beiden anderen Edelmetallen Nachholpotenzial hat. Hierzu bemühen wir die gängigen Ratios. Der Platinpreis notiert aktuell bei 1.971 US-Dollar, Gold bei 4.540 US-Dollar und Silber bei 75,7 US-Dollar. Somit ergibt sich für die Gold-Platin-Ratio ein Wert von 2,30 und für die Platin-Silber-Ratio ein Wert von 26,0.
Um die Werte einzuordnen: Als langfristige relevante Durchschnittswerte gelten für die Gold-Platin-Ratio 1 und für die Platin-Silber-Ratio 75. Damit weist Platin im Vergleich zu Gold aber vor allem im Vergleich zu Silber enormes Nachholpotenzial auf. Insbesondere die Platin-Silber-Ratio ist jedoch überaus schwankungsanfällig und verharrt gern auf Extremniveaus.
Fazit – Steht der Platinpreis vor der Rallye?
Strukturelle Preistreiber (Stichwort Defizit) in Verbindung mit einer im Vergleich zu Gold und Silber vorherrschenden Unterbewertung (Ratios) rücken Platin vor allem unter antizyklischen Aspekten in den Fokus. Die große Frage ist nur, wann wird Platin das gewaltige Nachholpotenzial abrufen? Ein erster Versuch, eine Comeback-Rallye auf die Beine zu stellen, scheiterte erst kürzlich im Bereich von 2.200 US-Dollar recht kläglich. Ein Vorstoß über die 2.200 US-Dollar könnte die Rallye aktivieren. Über kurz oder lang hat Platin aber das Potenzial, das Januar-Hoch nahe der 3.000 US-Dollar anzulaufen. Kurzfristig muss das Edelmetall allerdings aufpassen, nicht unter die zentrale Unterstützung um 1.730 US-Dollar abzurutschen.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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