Gefahr für Tech-Rallye
KI-Boom trotz Krise: Jetzt droht der Branche ein gefährlicher Engpass
Der Iran-Konflikt treibt Energie- und Rohstoffpreise hoch. Jetzt warnen Chipkonzerne vor steigenden Kosten und neuen Engpässen.
- Energie- und Rohstoffpreise belasten Chipindustrie
- Heliumknappheit bedroht Halbleiterfertigung und Werke
- TSMC und Zulieferer diversifizieren Lieferketten
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Der Boom rund um Künstliche Intelligenz treibt die Aktien vieler Chipkonzerne weiter an. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge vor neuen Belastungen in den globalen Lieferketten. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran setzt Hersteller von Halbleitern und KI-Hardware laut einem Bericht von CNBC zunehmend unter Druck.
Vor allem steigende Energiepreise und Engpässe bei wichtigen Rohstoffen bereiten der Branche Sorgen. Der taiwanische Chipfertiger TSMC, der unter anderem Chips für Nvidia produziert, warnte bereits vor möglichen Belastungen für die Profitabilität. Hintergrund seien steigende Preise für Chemikalien und Industriegase.
Auch der Auftragsfertiger Foxconn bezeichnete die Lage im Nahen Osten als eine der größten Herausforderungen des Jahres. Der deutsche Halbleiterkonzern Infineon rechnet wegen des Kriegs mit höheren Kosten für Edelmetalle, Energie und Fracht.
Helium wird zum Risiko für Chipfabriken
Besonders kritisch ist die Lage beim Rohstoff Helium. Das Gas ist für die Produktion moderner Halbleiter unverzichtbar. Katar, einer der größten Anbieter weltweit, kämpft laut S&P Global inzwischen mit Einschränkungen seiner Exportkapazitäten nach iranischen Angriffen.
Auch andere Materialien wie Brom und Aluminium werden knapper. Bereits im März mussten europäische Chipkäufer laut Branchenberichten höhere Preise zahlen und auf Reserven zurückgreifen, weil Luftfrachtwege gestört waren.
IDC-Analyst Francisco Jeronimo erwartet weitere Belastungen. "Wir müssen in diesem Jahr mit weiteren negativen Auswirkungen rechnen [...], die Preise für Gas, Energie und Fracht haben ein Allzeithoch erreicht und dürften noch einige Quartale lang hoch bleiben, selbst wenn sich die Lage entspannt" sagte er CNBC. Selbst ein möglicher Waffenstillstand werde die Schäden in den Lieferketten nicht sofort beheben.
TSMC reagiert bereits mit Gegenmaßnahmen. Finanzchef Wendell Huang erklärte, das Unternehmen arbeite an "einer breit diversifizierten globalen Lieferantenbasis" und wolle lokale Lieferketten stärken.
Erste Milliardenbranche meldet Schäden
Der Schweizer Zulieferer VAT Group meldete bereits konkrete Folgen. Das Unternehmen musste Lieferungen umleiten und sprach von Belastungen zwischen 20 Millionen und 25 Millionen Schweizer Franken im ersten Quartal.
Laut William-Blair-Analyst Sebastien Naji sind aktuell vor allem die Energiekosten das größte Problem für Chipfabriken. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern, drohten deutlich größere Folgen für Margen, Bauteilpreise und die Wirtschaftlichkeit von KI-Rechenzentren.
Auch der japanische Chipausrüster Advantest warnte vor einem "unvorhersehbaren Geschäftsumfeld". Das Unternehmen sieht Risiken für die Weltwirtschaft und berichtet bereits von steigenden Logistikkosten.
Anleger setzen weiter auf KI
An den Börsen spielt das Thema bislang nur eine Nebenrolle. Die starke Nachfrage nach KI-Technologie überdeckt derzeit die geopolitischen Risiken. Morningstar-Stratege Michael Field sagte CNBC, die jüngste Rallye bei Chipaktien habe bisher "jegliche Sorgen über Störungen komplett überschattet".
Der PHLX Semiconductor Sector Index, der 30 große Chipunternehmen umfasst, legte in den vergangenen 3 Monaten um 41 Prozent zu.
Jeromino sieht dennoch klare Gewinner und Verlierer. Unternehmen mit hohen Lagerbeständen, mehreren Lieferanten und starker Preissetzungsmacht seien besser geschützt. "Alle anderen werden für den Rest des Jahres 2026 einem zunehmenden Kostendruck ausgesetzt sein", sagte er.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

