Tilray, Canopy & Co. bangen
Cannabis-Aktien droht der Super-GAU: Anleger machen jetzt fatalen Fehler, wenn
Die Uhr tickt. Der Countdown läuft. Der Cannabis-Sektor steuert auf seine ultimative Entfesselung zu oder steuert direkt ins Chaos. Zwischen diesen beiden Extremen wird es sich wohl entscheiden.
- Medizinisches Cannabis jetzt neu in Schedule III
- Aufspaltung in medizinisches und Freizeitcannabis
- Entscheid der DEA kann Firmenexistenz bedrohen
- Report: Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Medizinisches Cannabis jetzt in Schedule III – ein Erfolg, der (fast) keiner ist
Man kann nicht sagen, dass sich in den USA nichts bewegt. Trump unterzeichnete im Dezember des letzten Jahres eine Executive Order, die den eingeschlafenen Prozess des Reschedulings von Cannabis durch die Drug Enforcement Administration (DEA) wieder beschleunigen sollte. Im April war es soweit. Medizinisches Cannabis wanderte von Schedule I in die ersehnte Schedule III. Soweit so gut. Es ist sicherlich ein Erfolg, der sich aber bei näherer Betrachtung als Pyrrhussieg entpuppen könnte.
Aufspaltung in medizinisches Cannabis und Freizeitcannabis
Die Neueinstufung von medizinischem Cannabis in Schedule III bringt US-Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell darauf ausgerichtet haben, erhebliche finanzielle Vorteile; da unter anderem steuerliche Beschränkungen wegfallen. Allerdings steigt damit auch der bürokratische Aufwand für die Unternehmen. Von der Registrierung der Unternehmen bis zur strikten buchhalterischen Trennung von medizinischem Cannabis und Freizeitcannabis müssen die Unternehmen Vorgaben umsetzen. Der große Knackpunkt ist an dieser Stelle, dass Freizeitcannabis noch immer in Schedule I festhängt und damit nach wie vor allen gültigen Beschränkungen ausgesetzt ist.
Kommt der große Befreiungsschlag oder droht das Chaos?
Das DEA-Anhörungsverfahren findet vom 29. Juni bis zum 15. Juli statt. Eine finale Entscheidung der DEA darüber, ob Freizeitcannabis ebenfalls in Schedule III aufrücken kann, ist wohl erst im Herbst zu erwarten. Der Teufel steckt allerdings im Detail. In Schedule III befinden sich bislang ausnahmslos verschreibungspflichtige Wirkstoffe und Substanzen. Medizinisches Cannabis erfüllt diese Vorgabe, aber Freizeitcannabis eben nicht. Die DEA müsste eine Ausnahme gestalten und gestatten. Ob sie sich zu diesem Schritt durchringen kann, ist die große Frage. Kurzum. Anleger würden jetzt den fatalen Fehler machen, wenn sie annehmen, dass Freizeitcannabis problemlos in Schedule III überführt wird.
Es sollte nicht überraschen, wenn es so bleibt, wie es jetzt ist - Medizinisches Cannabis in Schedule III und Freizeitcannabis in Schedule I. Der Markt setzt sich mit dem Szenario offenkundig bereits auseinander und beginnt damit, es einzupreisen. Während zahlreiche Cannabis-Aktien derzeit massiv unter Druck stehen, hält sich beispielsweise die Aktie von Trulieve – einem Unternehmen, das schwerpunktmäßig im medizinischen Cannabismarkt aktiv ist – trotz jüngster Kursverluste noch vergleichsweise stabil.
Fazit – Einigen Cannabis-Aktien droht der Super-GAU
Die finale Entscheidung der DEA muss abgewartet werden. Diverse Szenarien sind möglich. Egal welche Entscheidung die DEA treffen wird: Sie wird den Markt durcheinanderwirbeln. Im schlimmsten Fall stehen ganze Geschäftsmodelle zur Disposition und mit ihnen die Aktienkurse der betreffenden Unternehmen. Einige Unternehmen haben Unsummen in den vermeintlich wachstumsstarken Markt für Freizeitcannabis gepumpt, sind hoch verschuldet. Sollte die Neueinstufung von Freizeitcannabis und die damit verbundenen Erleichterungen ausbleiben, könnten diese Unternehmen in ihrer Existenz bedroht werden.
Doch selbst Unternehmen, die das Geschäft mit medizinischem Cannabis schwerpunktmäßig betreiben, müssen sich auf Veränderungen einstellen. Um die Steuervorteile zu nutzen, bedarf es eines enormen buchhalterischen Aufwands.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte

