Earnings Preview
Nach Nvidia-Zahlen: Jetzt müssen sich Marvell, Salesforce & Dell beweisen!
Diese in den kommenden Tagen (KW22) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Dienstag, 26. Mai: SQM
Nach einem Höhepunkt im Jahr 2023 waren Lithiumwerte wie Albemarle, Standard Lithium und SQM plötzlich abgemeldet. Nach einem Nachfragehoch im November 2022 brach der Spotpreis für das weiße Gold ein – und mit ihm die Aktienkurse großer Förderer und Verarbeiter, die sich plötzlich mit sinkenden Margen und rückläufigen Erträgen ausgesetzt sahen.
Kehrten das Interesse an der Branche und Preise für hochreines Lithium zunächst nur langsam zurück, kletterten die Preise in den vergangenen Monaten sprunghaft. Als Nachfragetreiber dient zum einen der KI-Boom, der mit Blick auf die hohe Energienachfrage und alternder Übertragungsnetze insbesondere in den USA nach leistungsfähigen Speicherlösungen verlangt. Zum anderen wirkt der Iran-Krieg als Treiber für den Ausbau erneuerbarer Energien, um sich von Energieimporten unabhängiger machen zu können. Dementsprechend stark kletterten in den vergangenen Monaten branchenintern die Kurse.
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht bei einem der weltweit größten Förderer Sociedad Quimica y Minera (SQM) ein Plus von 138 Prozent zu Buche. Trotzdem ist die Unternehmensbewertung mit einem für 2026 geschätzten KGV von 14,4 auf dem Boden geblieben. Das ist eine solide Ausgangslage für die Aktie, ihre Rallye fortzusetzen, wenn das Unternehmen mit seinen Zahlen die Erwartungen erfüllen und Investoren eine anhaltend hohe Lithiumnachfrage in Aussicht stellen kann.
Gefordert ist ein Umsatzergebnis in Höhe von 1,71 Milliarden US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahresquartal eine Steigerung von 64,4 Prozent bedeuten würde. Für den bereinigten Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) erwarten Analystinnen und Analysten nach 0,48 US-Dollar vor einem Jahr jetzt 1,56 US-Dollar. Das wäre mehr als eine Verdreifachung.
Mittwoch, 27. Mai: Marvell
Halbleiterwerte sind auch im vierten Jahr des KI-Booms die unangefochten größten Gewinner. Gegenüber dem Jahreswechsel hat der vielbeachtete Branchenindex Philadelphia Semiconductor zeitweise fast 70 Prozent an Wert gewonnen. Hierfür waren mit deutlich dreistelligen Kursgewinnen bekannte Namen wie Intel, Micron und SanDisk maßgeblich beteiligt.
Etwas unter dem Radar ist trotz Kursgewinnen von rund 120 Prozent Hersteller Marvell geblieben, der sich ähnlich wie Broadcom auf die Entwicklung von Halbleiterprodukten nach Kundenwunsch spezialisiert hat und mit Hyperscalern wie Amazon und Microsoft über namhafte Kunden verfügt.
Für weiteren Rückenwind sorgten die Kompetenzen im Bereich optischer Halbleiter, ein von Investoren zuletzt stark gefragtes Feld. Auch eine Kooperation mit Nvidia, das im Rahmen einer gemeinsamen Vereinbarung 2 Milliarden US-Dollar bei Marvell investierten wird, sowie die Offenlegung von Aktienankäufen durch AMD kamen bei Anlegerinnen und Anlegern hervorragend an.
Die Kursentwicklung ist der Geschäftsentwicklung wie überall in der Branche jedoch weit vorausgeeilt. Dadurch ist die Bewertung auf das 49-Fache der in diesem Jahr erwarteten Gewinne geklettert, während das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) mit 1,27 zwar günstig, gegenüber vielen anderen Halbleiterwerten aber vergleichsweise hoch liegt. Damit steht Marvell besonders in der Pflicht, ein möglichst starkes Quartalsergebnis vorzulegen, da es andernfalls zu einer empfindlichen Bewertungskorrektur kommen dürfte.
Vom Markt gefordert sind ein Umsatzergebnis von 2,40 Milliarden US-Dollar sowie ein bereinigter Gewinn von 0,79 US-Dollar je Anteil. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche das Steigerungen um 26,3 beziehungsweise 27,4 Prozent. Das unterstreicht zwar einen grundsätzlich starken Trend, legt aber das Auseinanderklaffen von Kurs- und Geschäftsentwicklung offen.
Mittwoch, 27. Mai: Salesforce
Zu den in den vergangenen Wochen und Monaten von KI-Ängsten besonders stark betroffenen Softwaretiteln gehörte neben Microsoft, SAP und ServiceNow auch der Spezialist für Kundenbeziehungsmanagement (CRM) Salesforce. Hier so die Befürchtungen der Investoren, ist die Disruptionsgefahr durch agentische KI besonders hoch, gleichwohl Salesforce selbst mithilfe seiner Plattform Agentforce auf Künstliche Intelligenz und die Automatisierung von Prozessen setzt.
In den vergangenen Quartalen war von einer Disruption des Geschäftsmodells jedenfalls noch nichts zu sehen. Im Gegenteil legten die Erlöse zuletzt um 12,1 Prozent zu und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Entgegen den Befürchtungen schrumpft Salesforce also nicht, sondern wächst sogar beschleunigt. Eine Entwicklung, die nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten im vergangenen Quartal angehalten haben könnte.
Für die Erlöse ist ein Umsatzwachstum von 12,5 Prozent auf 11,06 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll mit 3,13 US-Dollar einen neuen Bestwert für das erste Quartal im Geschäftsjahr von Salesforce markieren.
Die Hürde für eine ansprechende Kursreaktion, sollte das Unternehmen die Erwartungen übertroffen und seinen zuversichtlichen Ausblick aus dem vergangenen Quartal bekräftigen, liegt mit Blick auf die Unternehmensbewertung niedrig. Die anhaltenden Kursverluste haben dazu geführt, dass das KGVe 2026 bei gerade mal 13,6 liegt – ein Wert um 58 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel von 32,8. Punkten kann Salesforce außerdem beim Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis, wo mit 0,84 ein Wert deutlich unter 1 zu Buche steht, der in der Fundamentalanalyse als günstig gilt.
Donnerstag, 28. Mai: Costco
Zu den vielen Mysterien, die der Aktienmarkt in seiner aktuellen Verfassung bereithält, gehört die außergewöhnlich hohe relative Stärke von großen Einzelhändlern wie Costco und Walmart. Obwohl die Stimmung unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern inzwischen so schlecht ist wie seit vielen Jahren nicht mehr und die anhaltende Lebenshaltungskostenkrise viele Haushalte zu Einsparungen zwingt, verzeichneten die Aktien im Vergleich zum Vorjahr fortgesetzte Kursgewinne.
Schon in den vergangenen Jahren akzeptierten Anlegerinnen und Anleger immer höhere Bewertungsvielfache für die beiden größten US-Einzelhändler, doch inzwischen sind die Kennzahlen kaum noch zu verargumentieren. Costco war zwar nie günstig, weil Investoren für die margen- und cashflow-starken Einnahmen aus Mitgliedergebühren zu einer Premiumbewertung bereit waren, doch das für 2026 erwartete KGV von 52,2 liegt inzwischen um fast 20 Prozent über dem für einen Einzelhändler ohnehin fantasievollen 5-Jahres-Mittel von knapp 44. Bei anderen Kennziffern handelt Costco gegenüber dem Rest der Branche von Aufschlägen über 200 Prozent – selbst Amazon kommt trotz seines wachstumsstarken KI- und Cloudgeschäftes auf niedrigere Bewertungsvielfache.
Doch dass die beiden Felsen in der Brandung des US-amerikanischen Einzelhandels nicht immun gegen Bewertungskorrekturen sind, hat in der vergangenen Woche Walmart demonstriert. Die Aktie fiel um mehr als 7 Prozent, nachdem das Unternehmen die Umsatzerwartungen zwar deutlich übertroffen konnte, der Ausblick auf das kommende Quartal jedoch enttäuschend ausfiel. Zeigt sich bei Costco nun das gleiche Bild, dürfte es für die Aktie eng werden.
Von Costco sind am Markt ein Umsatz von 69,52 Milliarden US-Dollar gefordert, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 10,0 Prozent bedeuten würde. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll sich nach 4,28 US-Dollar im vergangenen Jahr nun auf 4,98 US-Dollar belaufen (+16,4 Prozent). Angesichts voller Unternehmenskassen hoffen Anlegerinnen und Anleger außerdem auf eine weitere Sonderdividende, nachdem die letzte im Dezember 2023 ausgezahlt wurde.
Donnerstag, 28. Mai: Dell
"Buy a Dell," schrieb US-Präsident Donald Trump vor einiger Zeit auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Diese schamlose Kursmanipulation entfaltete angesichts zweistelliger Kursgewinne umgehend ihre Wirkung – die allerdings auch ihren Preis hatte. Für den Start der sogenannten Trump Accounts, die zukünftig Kinder aus finanziell weniger erfolgreichen Familien unterstützen sollen, ließ Firmengründer Michael Dell, der als Unterstützer Trumps gilt, 6,25 Milliarden US-Dollar springen.
Sprunghaft angestiegen ist die Dell-Aktie aber nicht nur auf die Initiative von Trump hin, sondern auch in den vergangenen 12 Monaten. Um beeindruckende 122 Prozent konnte sich das Papier gegenüber dem Stand vor einem Jahr steigern. Dell steht als Verkäufer von PC-Hardware zwar unter Margendruck, da PC-Bauteile wie Arbeits- und Massenspeicher, CPUs und Grafikbeschleuniger aufgrund des KI-Booms immer teurer werden, doch das Unternehmen profitiert umgekehrt mit seiner Server-Sparte vom rasanten Auf- und Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen.
Allerdings ist auch bei Dell die Kurs- der Geschäftsentwicklung vorausgeeilt, wodurch das Gewinnvielfache von 18,7 bereits um 68 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel liegt. Dieses lässt sich mit einem Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von 1,1 sowie einer fast zweistelligen Cashflow-Rendite aber durchaus rechtfertigen. Für den Fall guter Zahlen könnte die Rallye der Aktie daher anhalten.
Von Expertinnen und Experten ist ein gewaltiges Umsatzwachstum von 52,9 Prozent auf 35,74 Milliarden US-Dollar erwartet, was das bereits beeindruckende Wachstum von 39,5 Prozent aus dem Vorquartal noch einmal übertreffen würde. Auch operativ sind deutliche Verbesserungen erwartet. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll von 1,55 auf 2,96 US-Dollar und damit um 91,0 Prozent klettern.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS * | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| AutoZone | Di., 26.05. | Vorbörse | 36,21 $ | 4,85 Mrd. $ | ± 7,8 % | 56,1 Mrd. $ |
| Elbit Systems | Di., 26.05. | Vorbörse | 3,33 $ | 2,11 Mrd. $ | ± 10,8 % | 35,9 Mrd. $ |
| Zscaler | Di., 26.05. | Nachbörse | 1,01 $ | 835,7 Mio. $ | ± 13,3 % | 29,1 Mrd. $ |
| Semtech | Di., 26.05. | Nachbörse | 0,45 $ | 283,4 Mio. $ | ± 24,9 % | 14,6 Mrd. $ |
| Pony AI | Di., 26.05. | Nachbörse | -0,13 $ | 22,0 Mio. $ | ± 12,6 % | 3,9 Mrd. $ |
| Digital Turbine | Di., 26.05. | Nachbörse | 0,09 $ | 133,2 Mio. $ | ± 25,3 % | 545,5 |
| PDD Holdings | Mi., 27.05. | Vorbörse | 2,41 $ | 16,08 Mrd. $ | ± 6,5 % | 134,2 Mrd. $ |
| Bank of Montreal | Mi., 27.05. | Vorbörse | 2,51 $ | 6,88 Mrd. $ | ± 5,0 % | 113,6 Mrd. $ |
| Bank of Nova Scotia | Mi., 27.05. | Vorbörse | 1,41 $ | 7,07 Mrd. $ | ± 4,7 % | 99,1 Mrd. $ |
| Synopsys | Mi., 27.05. | Nachbörse | 3,15 $ | 2,25 Mrd. $ | ± 8,5 % | 100,5 Mrd. $ |
| Snowflake | Mi., 27.05. | Nachbörse | 0,32 $ | 1,32 Mrd. $ | ± 13,5 % | 59,7 Mrd. $ |
| Agilent | Mi., 27.05. | Nachbörse | 1,41 $ | 1,80 Mrd. $ | ± 8,4 % | 32,6 Mrd. $ |
| HP | Mi., 27.05. | Nachbörse | 0,71 $ | 14,07 Mrd. $ | ± 10,5 % | 23,2 Mrd. $ |
| Nutanix | Mi., 27.05. | Nachbörse | 0,35 $ | 686,4 Mio. $ | ± 16,1 % | 12,7 Mrd. $ |
| Bath & Body Works | Mi., 27.05. | Vorbörse | 0,29 $ | 1,36 Mrd. $ | ± 11,2 % | 3,6 Mrd. $ |
| Abercrombie | Mi., 27.05. | Vorbörse | 1,28 $ | 1,12 Mrd. $ | ± 13,5 % | 3,5 Mrd. $ |
| Capri Hldgs. | Mi., 27.05. | Vorbörse | 0,12 $ | 800,0 Mio. $ | ± 16,2 % | 2,2 Mrd. $ |
| Costco | Do., 28.05. | Nachbörse | 4,98 $ | 69,52 Mrd. $ | ± 3,7 % | 456,4 Mrd. $ |
| RBC | Do., 28.05. | Vorbörse | 2,76 $ | 12,54 Mrd. $ | ± 4,2 % | 264,0 Mrd. $ |
| Toronto-Dominion | Do., 28.05. | Vorbörse | 1,64 $ | 10,55 Mrd. $ | ± 4,6 % | 187,6 Mrd. $ |
| Autodesk | Do., 28.05. | Nachbörse | 2,84 $ | 1,89 Mrd. $ | ± 8,5 % | 15,1 Mrd. $ |
| MongoDB | Do., 28.05. | Nachbörse | 1,18 $ | 663,8 Mio. $ | ± 15,8 % | 26,3 Mrd. $ |
| NetApp | Do., 28.05. | Nachbörse | 2,27 $ | 1,87 Mrd. $ | ± 12,5 % | 27,6 Mrd. $ |
| Burlington Stores | Do., 28.05. | Vorbörse | 1,79 $ | 2,80 Mrd. $ | ± 8,5 % | 20,3 Mrd. $ |
| Dollar Tree | Do., 28.05. | Vorbörse | 4,97 $ | 1,55Mrd. $ | ± 9,8 % | 18,7 Mrd. $ |
| Futu Hldgs. | Do., 28.05. | Vorbörse | 3,11 $ | 768,7 Mio. $ | ± 11,6 % | 12,6 Mrd. $ |
| Li Auto | Do., 28.05. | Vorbörse | -0,30 $ | 3,19 Mrd. $ | ± 7,5 % | 16,2 Mrd. $ |
| XPeng | Do., 28.05. | Vorbörse | -0,16 $ | 1,88 Mrd. $ | ± 8,4 % | 14,9 Mrd. $ |
| Best Buy | Do., 28.05. | Vorbörse | 1,23 $ | 8,83 Mrd. $ | ± 8,3 % | 12,9 Mrd. $ |
| SentinelOne | Do., 28.05. | Nachbörse | 0,02 $ | 277,4 Mio. $ | ± 12,1 % | 6,4 Mrd. $ |
| UiPath | Do., 28.05. | Nachbörse | 0,16 $ | 397,5 Mio. $ | ± 15,2 % | 5,7 Mrd. $ |
| Do., 28.05. | Vorbörse | 0,36 $ | 417,0 Mio. $ | ± 7,5 % | 2,0 Mrd. $ | |
| Kohl's | Do., 28.05. | Vorbörse | -0,19 $ | 3,03 Mrd. $ | ± 13,7 % | 1,5 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
** Immobilieninvestitionsfonds (REIT), daher Funds from Operations (FFO) statt EPS
Stand: Sonntag, 24. Mai, 13:10 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

