Kupfer jetzt besser als Gold?
Kupferpreis in den Startlöchern: Explodiert Kupfer jetzt wegen dieses Auslösers?
Startet der Kupferpreis jetzt die nächste Aufwärtswelle? Nach einer fulminanten Preisrallye konsolidierte der Rohstoff zuletzt. Doch diese Konsolidierung scheint nunmehr abgeschlossen zu sein.
- Konsolidierung abgeschlossen, PCE-Daten als Katalysator
- Zinssensitivität stärkt Dollar und dämpft Nachfrage
- LME-Bestände Topbildung, ICSG meldet Überschuss
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Aktuelle Kupferpreisentwicklung im Blick
Die in der letzten Kupfer-Kommentierung thematisierte Ausbruchsbewegung des Preises wurde zwischenzeitlich wieder abverkauft. Doch diese Korrektur verlief aus bullischer Sicht überaus vielversprechend. Der Kupferpreis testete noch einmal das Ausbruchsniveau, um dann wieder nach oben abzudrehen. Dass der Kupferpreis aktuell noch mit angezogener Handbremse unterwegs ist, liegt vor allem an den kurzfristig relevanten Belastungsfaktoren, die ein wenig den Blick auf die langfristig unverändert positiven Perspektiven verstellen.
Mit diesen kurzfristigen Belastungsfaktoren haben im Übrigen auch Gold und Silber zu kämpfen. So steuert auch der Goldpreis auf eine Entscheidung zu. Bei Silber ist wie bei Kupfer der erfolgreiche Ausbau eines Konsolidierungsbodens zu beobachten. Der Silberpreis wartet ebenfalls auf einen Auslöser – und diese könnte für das Edelmetall am Donnerstag kommen.
Explodiert Kupfer jetzt wegen dieses Auslösers?
Kupfer gilt als überaus zinssensibel. Der Effekt hoher US-Leitzinsen kommt zum einen über die Währungsseite. Hohe Leitzinsen oder die Erwartung steigender Zinsen stärken den US-Dollar. Das macht Kupfer für Käufer außerhalb des US-Dollar-Raums teurer. Gleichzeitig schlagen hohe Zinsen auch auf die Nachfrageseite durch. Hohe Zinsen verteuern Kredite. Größere Bauvorhaben oder große Investitionen in Infrastrukturprojekte werden daher im Zweifel verschoben oder ausgesetzt. Die chemischen Eigenschaften des Industriemetalls machen Kupfer für viele Technologien unentbehrlich. Kupfer findet so in zahllosen Bereichen Anwendung. Die Aussicht auf niedrigere Zinsen würde den Kupferpreis hingegen stützen und ihn womöglich auch rasant ansteigen lassen. Das bringt uns nahtlos zum kommenden Donnerstag mit den anstehenden PCE-Daten und damit eines potenziellen Auslösers für eine Kupferpreisrallye.
Entscheiden am Donnerstag die PCE-Daten über eine Sommerrallye bei Kupfer?
Am Donnerstag (28. Mai) werden in den USA die eminent wichtigen PCE-Daten für den April veröffentlicht. Besonderes Interesse gilt der PCE-Kernrate. Die PCE-Daten haben für die US-Notenbank eine ungleich höhere Bedeutung als Gradmesser für die Inflation aus die CPI-Daten. Entsprechend dürften nicht nur die Edelmetall- und Rohstoffmärkte ganz genau hinsehen, auch die globalen Aktienmärkte wie DAX, Dow Jones und Nasdaq richten ihre Blicke auf die anstehenden Daten.
Nach den zuletzt veröffentlichten CPI-Daten (US-Verbraucherpreise) und PPI-Daten (US-Erzeugerpreise) griffen Inflationssorgen um sich. Im Ergebnis legten die Anleiherenditen noch einmal zu. So nahmen in der vergangenen Woche die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen die 4,7 Prozent ins Visier und belasteten damit Gold, Silber, Kupfer & Co. Im Zuge der rückläufigen Ölpreise – Brent Öl und WTI Öl notierten zwischenzeitlich zweistellig – konsolidierten die Renditen und kamen dabei auf 4,5 Prozent zurück. Den PCE-Daten am Donnerstag kommt eine große Bedeutung zu: Fallen sie besser aus, als erwartet bzw. befürchtet, könnten sie eine kräftige Erholung der Edel- und Industriemetalle anschieben. Schüren die PCE-Daten jedoch ebenfalls die Sorgen hinsichtlich einer restriktiveren Zinspolitik der Fed, könnte genau der gegenteilige Fall eintreten und Kupfer unter Druck geraten.
Die Bedeutung der Straße von Hormus für die Kupferproduktion
Wie bereits zuletzt an dieser Stelle thematisiert, wird um Kupfer aus oxidhaltigen Erzen zu gewinnen Schwefelsäure benötigt. Deren Verfügbarkeit ist durch die Blockade der Straße von Hormus weiter eingeschränkt. Diese „Schwefelthematik“ betrifft theoretisch knapp ein Fünftel der globalen Kupferproduktion, denn etwa ein Fünftel des globalen Kupfers wird aus oxidhaltigen Erzen, der „Rest“ aus sulfidhaltigen Erzen.
Kupfer-Lagerbestände mit Top-Bildung?
Immer wieder rückten wir an dieser Stelle die Entwicklung der Kupferlagerbestände an der LME in den Fokus. In den ersten Monaten des Jahres legten die Bestände massiv zu. Seit wenigen Wochen ist jedoch eine Top-Bildung deutlich zu erkennen. Noch ist der Prozess im Gange, doch zuletzt sanken die Bestände etwas deutlicher, sodass die Top-Bildung unmittelbar vor dem Abschluss stehen könnte.
ICSG – Daten deuten auf kurzfristig gut versorgten Kupfermarkt hin
Das Mai-Bulletin der International Copper Study Group (ICSG) deutet auf einen zumindest aktuell gut versorgten Markt hin. Die ICSG gab den Überschuss im 1. Quartal mit 396.000 Tonnen an, nach 135.000 Tonnen im 1. Quartal 2025.
Fazit – Kupfer besser als Gold?
Die Frage, ob Kupfer besser ist als Gold, bleibt weiterhin offen. Kupfer weist aktuell die explosivere charttechnische Konstellation auf und könnte kurzfristig durchstarten. Ein Ausbruch über die Widerstände von 6,5 US-Dollar und 6,7 US-Dollar würde die Tür in Richtung 7,0 US-Dollar und 7,5 US-Dollar aufstoßen. Der Donnerstag mit den PCE-Daten könnte sich diesbezüglich als Türöffner erweisen.
Um die langfristig positiven Perspektiven für Gold und Kupfer zu kombinieren, könnte sich ein Blick auf Goldproduzenten mit einem großen Kupfersegment – wie Barrick oder Newmont – oder aber ein Blick auf Kupferproduzenten mit einem großen Goldsegment - darunter Freeport-McMoRan oder Hudbay Minerals – lohnen. Die Produzentenaktien stellen weiterhin exzellente Alternativen zu hochbewerten Tech-Aktien, wie Nvidia, AMD, Palantir dar.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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