Brüssels Cloud-Hammer
Europa greift Big Tech an: US-Cloud-Riesen droht Ausschluss
Brüssel will Europas Cloud-Abhängigkeit brechen. Für Amazon, Microsoft und Google könnten wichtige Staatsaufträge plötzlich außer Reichweite rücken.
- Brüssel verschärft Cloud-Aufträge gegen US-Konzerne
- EU will Rechenkapazität in 5–7 Jahren verdreifachen
- Europäische Cloud-Anbieter profitieren politisch
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Europa plant, bei wichtigen staatlichen Ausschreibungen strenge Kriterien für Cloud-Computing-Dienste vorzuschlagen, die Amazon, Microsoft und Google von solchen Projekten ausschließen könnten, wie aus Dokumenten hervorgeht, die Reuters einsehen konnte. Der Vorschlag ist Teil des Cloud- und KI-Entwicklungsgesetzes der Europäischen Kommission, das EU-Technologiebeauftragte Henna Virkkunen am Mittwoch als Teil eines Maßnahmenpakets zur Verringerung der Abhängigkeit Europas von US-Technologie ankündigen wird.
Der bisher unveröffentlichte Vorschlag, der möglicherweise noch Änderungen erfahren könnte, führt außerdem obligatorische, nicht preisbezogene Vergabekriterien ein, darunter Anforderungen an Software und Hardware, die innerhalb der EU entwickelt werden und die große US-amerikanische Technologiekonzerne benachteiligen würden.
Die Europäische Kommission lehnte es ab, Einzelheiten ihrer Pläne zu kommentieren, erklärte jedoch, dass ihr Paket zur technologischen Souveränität "entscheidend für die Stärkung der eigenen technologischen Kapazitäten Europas, für die Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit Europas" sei.
Brüssel will damit öffentliche Cloud-Aufträge als Hebel nutzen, um Europas Abhängigkeit von US-Hyperscalern zu verringern. Das wäre kein pauschales Verbot von AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud, könnte sie bei besonders sensiblen staatlichen Ausschreibungen aber faktisch stark benachteiligen.
Reuters hatte bereits berichtet, dass die EU beim Cloud and AI Development Act voraussichtlich nicht den gesamten europäischen Cloud-Markt abschotten will, sondern vor allem bei sensiblen öffentlichen Beschaffungen strengere Regeln plant. Hintergrund ist die Dominanz der drei US-Anbieter: Amazon, Microsoft und Google kommen laut Statista-Daten, die Reuters zitiert, zusammen auf rund 63 Prozent des weltweiten Cloud-Infrastrukturmarkts.
Der geplante Rechtsakt soll aber breiter angelegt sein. Die Kommission beschreibt das Ziel offiziell so: Die EU will ihre Rechenzentrumskapazität innerhalb von 5 bis 7 Jahren mindestens verdreifachen und bis 2035 den Bedarf europäischer Unternehmen und öffentlicher Verwaltungen vollständig decken. Dazu sollen Genehmigungen vereinfacht, geeignete Standorte schneller identifiziert und Energieeffizienz sowie innovative Kühl- und Strommanagement-Technologien gefördert werden.
Der Vorstoß markiert eine neue Phase in Europas Tech-Politik: Statt US-Konzerne nur über Wettbewerbs- und Datenschutzregeln zu kontrollieren, will Brüssel nun offenbar die eigene Marktmacht als Auftraggeber nutzen. Für Amazon, Microsoft und Google könnte das besonders dort schmerzhaft werden, wo es um Behörden, kritische Infrastruktur und sensible Daten geht. Für europäische Anbieter wie StackIT, Scaleway, OVHcloud, Proximus oder Telekom-nahe Lösungen öffnet sich dagegen ein politisch gestütztes Wachstumsfenster.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

