Investoren bleiben vorsichtig
Der nächste KI-Boom? Chinas Robotik-Firmen drängen an die Börse
Chinas Robotikbranche bereitet eine Welle von Börsengängen vor. Anleger hoffen auf den nächsten KI-Boom, doch die Bewertungen sorgen bereits für Warnsignale.
- Robotik-IPO-Welle in China weckt KI-Investorenhoffnung
- Unitree genehmigt IPO und entwickelt Roboter mit Nvidia
- Hohe Bewertungen erhöhen Risiko für scharfe Korrektur
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
China will seine Führungsrolle bei der nächsten Entwicklungsstufe der Künstlichen Intelligenz ausbauen, wie Bloomberg berichtet. Nun sucht eine wachsende Zahl von Robotik-Unternehmen frisches Kapital am Aktienmarkt. Die anstehenden Börsengänge könnten zeigen, wie groß das Vertrauen der Investoren in die Zukunft humanoider Roboter tatsächlich ist.
Unitree macht den Anfang
Einen wichtigen Meilenstein hat jetzt Unitree Robotics erreicht. Das Unternehmen erhielt die Genehmigung für einen Börsengang in Shanghai. Unitree gehört zu den bekanntesten Robotikfirmen Chinas. Seine humanoiden Maschinen sorgten zuletzt mit Vorführungen von Kampfsportbewegungen für internationale Aufmerksamkeit.
Der Börsengang gilt als möglicher Auftakt für eine deutlich größere Emissionswelle. Allein in Hongkong befinden sich laut Branchenberichten mindestens 46 Robotikunternehmen im Zulassungsprozess. Dazu zählen unter anderem Leju Robotics und Deep Robotics.
Für Sheng Zhong, Leiter der China-Industrieanalyse bei Morgan Stanley, rücken humanoide Roboter damit näher an den Kapitalmarkt heran. Die Börsengänge dürften das Interesse der Anleger im zweiten Halbjahr 2026 weiter anheizen. Ein Großteil der Erlöse werde voraussichtlich in Forschung und Entwicklung neuer Robotermodelle fließen.
Peking treibt die Industrialisierung voran
Die IPO-Offensive spiegelt den rasanten Aufstieg des chinesischen KI-Ökosystems wider. Gleichzeitig verfolgt die Regierung in Peking das Ziel, technologische Innovationen schneller in die industrielle Massenanwendung zu überführen.
Auch internationale Technologiekonzerne setzen auf diesen Trend. Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnet die Entwicklung als "Physische KI". Am Montag hob Huang die Zusammenarbeit mit Unitree hervor. Gemeinsam entwickeln beide Unternehmen humanoide Referenzmodelle mit integrierten Chips und menschenähnlichen Händen.
Unitree werde in der zweiten Jahreshälfte ein neues Robotermodell mit Nvidia-Technologie vorstellen, sagte Marketingdirektor Huang Jiawei vor Journalisten in Hangzhou.
Analysten sehen China in Führung
Analysten von Barclays sprechen von einem Jahrzehnt der Roboter, das China gehöre. Die heutige Führungsposition sei das Ergebnis einer staatlich gelenkten Strategie über mehr als 10 Jahre.
Nach Schätzungen der Bank entfielen bereits 2025 rund 50 Prozent aller weltweit installierten Industrieroboter und 85 Prozent der humanoiden Roboter auf China. Bis 2035 könnten humanoide Maschinen etwa 3,8 Prozent der Arbeitskapazität des Landes ausmachen.
Hohe Bewertungen schüren Zweifel
Trotz der Euphorie bleiben viele Investoren vorsichtig. Zahlreiche Robotikunternehmen schreiben noch Verluste und dürften in den kommenden Jahren weiter Kapital verbrennen.
Ein Aktienindex für humanoide Robotik verlor 2026 bislang rund 12 Prozent, nachdem er 2025 noch um 47 Prozent gestiegen war. Gleichzeitig erreichten Robotik-Werte laut Bloomberg-Daten das 40-fache der erwarteten Gewinne. Zum Vergleich: Der CSI 300 kam lediglich auf das 14-fache.
Shen Meng von der Investmentbank Chanson & Co. warnt deshalb vor überzogenem Optimismus. "Anleger, die bei derart hohen Bewertungen handeln, lassen sich in der Regel nicht von langfristigen Fundamentaldaten leiten, sondern vielmehr vom Streben nach kurzfristigen Kursgewinnen", sagte er. Das zeige, dass die Stimmung stärker von Marktdynamik als von langfristiger Überzeugung geprägt sei.
Auch die staatliche Zeitung China Securities Journal mahnte zur Vorsicht. Viele Unternehmen seien weiterhin nicht profitabel. Sollten Wachstum oder Kommerzialisierung hinter den Erwartungen zurückbleiben, drohe eine scharfe Korrektur.
Anleger hoffen auf den nächsten Technologiebörsen-Boom
Dennoch spricht die jüngste Entwicklung chinesischer Technologie-Emissionen für anhaltendes Interesse. Mehrere Börsengänge waren in diesem Jahr massiv überzeichnet und verzeichneten starke Kursgewinne nach ihrem Debüt.
Für Anleger bietet die Robotikbranche damit eine Möglichkeit, auf das Wachstum einer Zukunftsindustrie zu setzen. Zhou Nan, Gründer von Shenzhen Long Hui Fund Management, erwartet langfristig erhebliches Potenzial. "Angesichts der kontinuierlichen Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz steht der Robotiksektor vor einem erheblichen langfristigen Wachstum", sagte er. Robotik werde zunehmend zum Treiber des Unternehmenswerts und menschliche Arbeit in vielen Einsatzbereichen ergänzen oder ersetzen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion


