Aktie im freien Fall
Siemens Energy: Wenn das so weiter geht, dann ...
Die Aktie von Siemens Energy korrigiert seit einigen Tagen stark, erste Verkaufssignale liegen bereits vor. Doch das könnte noch nicht alles gewesen sein.
- Siemens Energy steuert seit Allzeithoch in Korrektur
- Technische Verkaufssignale, RSI und MACD schwach
- Nächste Unterstützungszonen bei 150, 135 und 125 Euro
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Siemens Energy unter Druck, Führungswechsel im DAX
Trotz täglicher neuer Kursrekorde bei Halbleiter und KI-Infrastrukturwerten konnte die Aktie von Siemens Energy zuletzt nicht mehr von der euphorischen Stimmung bei Technologie- und Wachstumstiteln profitieren.
Seit ihrem Allzeithoch bei rund 192 Euro Ende April befindet sich die Aktie in einer hartnäckigen Korrekturbewegung. Allein in den vergangenen 5 Handelstagen ging es fast zweistellig bergab. Damit ist die Krone für die beste Performance innerhalb des deutschen Leitindex DAX sowohl seit dem Jahresanfang als auch gegenüber dem Stand vor einem Jahr endgültig an Infineon übergegangen.
Halten die Verluste an, könnte es noch richtig ungemütlich werden
Für Anlegerinnen und Anleger werden die jüngsten Kursverluste zu einem immer größeren Problem, da Siemens Energy bereits eine Reihe von wichtigen Supports aufgegeben hat. Setzen nicht bald Unterstützungskäufe ein, dürfte es für die Aktie noch eine ganze Etage tiefer gehen.
Nach dem Höhenflug liegen erste Trendwendesignale vor
Übergeordnet befindet sich die Siemens-Energy-Aktie seit ihrem Allzeittief im Herbst 2023 in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Der hat im Zusammenhang mit dem KI-Boom mehrere Trendbeschleunigungen erfahren, vor allem in den vergangenen 12 Monaten entwickelte sich die Aktie hochdynamisch mit mehreren Tempoverschärfungen, wie der zwischenzeitlich stark gestiegene Trendstärkeindikator MACD beweist.
Der Iran-Krieg sorgte nur vorübergehend für eine Rallye-Pause. Die als bullish geltende U-Konsolidierung trug sogar maßgeblich dazu bei, dass das Papier über 175 Euro ausbrechen und auf ein neues Allzeithoch ansteigen konnte. Das bedeutet in der technischen Analyse ein Kaufsignal.
Das konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da es sowohl im Relative-Stärke-Index (RSI) als auch im MACD zu bearishen Divergenzen gekommen war. Trotz höherer Aktienkurse gelangen den technischen Indikatoren keine neuen Hochs, womit die Rekordnotierungen nicht bestätigt und damit auch nicht nachhaltig waren. Dementsprechend fällt die Aktie seither.
Aktie sammelt zahlreiche Verkaufssignale ein
Dadurch ist es zu einem kurzfristigen Abwärtstrendkanal mit einer Breite von etwa 20 Euro gekommen. Der hat sowohl zur Aufgabe der Ausbruchsmarke von 175 Euro sowie zum Unterschreiten der 50-Tage-Linie führt. Damit liegen erste Verkaufssignale vor.
Bestätigt wird der Abwärtstrend durch die fallenden technischen Indikatoren. Während der RSI große Schwäche signalisiert und bereits in den überverkauften Bereich gefallen ist, hat der MACD sowohl seine Signallinie als auch seine Nulllinie unterschritten, was einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend anzeigt. Auch das stellt ein Verkaufssignal dar.
Ausbruch zur Unterseite wahrscheinlicher als zur Oberseite
Grundsätzlich besteht zwar auch die Möglichkeit, dass es sich beim kurzfristigen Abwärtstrend der Aktie um eine Bullenflagge handelt. Hierzu müsste Siemens Energy über die Oberkante bei rund 180 Euro ausbrechen. Aktuell zeichnet sich jedoch das Gegenteil, nämlich ein Ausbruch zur Unterseite ab.
Die nächsten Kursziele liegen bei etwa 150 Euro, wo neben einem horizontalen Support auch die Aufwärtstrendlinie ausgehend vom Korrekturtief aus dem August verläuft. Eine weitere Unterstützungszone stellt der Bereich um 135 Euro dar, während die 200-Tage-Linie gegenwärtig bei rund 132,30 Euro verläuft. Deren letzter Test ist mit dem Höhepunkt des Trump-Crashs im April 2025 über ein Jahr her. Sollten diese sowie der Support bei 125 Euro nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unterschritten werden, spräche das für eine dauerhafte Trendwende.
Fazit: Noch verfügt die Aktie über einen ausreichen großen Puffer
Nach den jüngsten Kursverlusten und der deutlichen Eintrübung der charttechnischen Ausgangslage handelt die Aktie von Siemens Energy mit einem Abwärtspotenzial von rund 20 Prozent. Erst darunter würde es jedoch richtig ungemütlich werden, daher besteht für geduldige und frustrationstolerante Anlegerinnen und Anleger noch kein Handlungsbedarf.
Das gilt allerdings auch für Investoren, die einen Einstieg erwägen. Für einen solchen sollte entweder eine klare Bodenbildung an einer der nächstgelegenen Unterstützungen oder ein prozyklisches Kaufsignal abgewartet werden. Das wäre entweder die Rückeroberung der 50-Tage-Linie oder der Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal, der eine Bullenflagge und damit ein Trendfortsetzungssignal der übergeordneten Aufwärtsbewegung liefern würde.
Mit Blick auf die Gewinnvielfachen für 2026 und 2027 ist Siemens Energy mit rund 37 und 27 ambitioniert, aber nicht so teuer wie der direkte Mitbewerber GE Vernova bewertet.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


