Nur die Hälfte wert?
SpaceX-Börsengang hoffnungslos überbewert, warnt Morningstar
SpaceX will mit seinem IPO alle Rekorde brechen. Aber der Hype hat seinen Preis: Analysten von Morningstar sehen den fairen Wert des Unternehmens fast 50 Prozent unter der anvisierten Marktkapitalisierung.
- Morningstar sieht fairen Wert bei rund 780 Mrd
- Kerngeschäft stark Starlink 2025 Umsatz 11,3 Mrd
- Risiko durch xAI Übernahme 50 Mrd schmale Moat
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Das Analysehaus Morningstar bewertet das Unternehmen mit rund 780 Milliarden US-Dollar und liegt damit fast 50 Prozent unter der zuletzt gehandelten Privatmarktbewertung von rund 1,5 Billionen Dollar. Der Börsengang selbst ist auf eine Bewertung von etwa 1,75 Billionen Dollar ausgelegt. Wer also zum Ausgabepreis einsteigt, kauft nach dieser Einschätzung deutlich über fairem Wert.
Das Kerngeschäft erscheint auf den ersten Blick solide. SpaceX befördert mehr als 80 Prozent aller Nutzlastkilogramm, die weltweit in die Umlaufbahn gebracht werden, und hat die Startkosten über zwei Jahrzehnte um mehr als 95 Prozent gesenkt. Treiber dahinter ist die Wiederverwendbarkeit der Raketen, vor allem die Falcon-9-Plattform. Das Starlink-Satellitennetz wuchs 2025 um 50 Prozent auf knapp 11,3 Milliarden US-Dollar Umsatz bei einer operativen Marge von rund 39 Prozent. Für 2035 erwartet Morningstar hier 56 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Das Problem sitzt im dritten Geschäftsbereich: SpaceX übernahm Anfang 2026 das KI-Unternehmen xAI von Elon Musk, zu dem der KI-Assistent Grok, das Rechenzentrum Colossus und das soziale Netzwerk X gehören. Die Investitionen belaufen sich auf geschätzte 50 Milliarden US-Dollar.
Morningstar sieht das Vorhaben mit "sehr hoher Unsicherheit" behaftet: Im besten Fall könnten orbitale Rechenzentren Solarenergie und kostenfreie Kühlung im Weltall nutzen und SpaceX einen Kostenvorteil gegenüber Erdrechenzentren verschaffen. Im Basisszenario landet das KI-Segment bei etwa vier Prozent globaler Rechenkapazität. Im schlechtesten Fall verbrennt es Milliarden ohne nennenswerten Gegenwert.
Morningstar zieht deshalb die Moat-Bewertung auf "schmal" herunter, obwohl das Kerngeschäft eigentlich ein breites Burggraben verdient hätte. Dazu kommt: Über eine Dual-Class-Aktienstruktur behält Musk rund 85 Prozent der Stimmrechte. Minderheitsaktionäre haben faktisch keinen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen.
Zur Mechanik des Börsengangs: Zunächst kommen nur wenige Prozent der Aktien auf den Markt, was in Verbindung mit starker Nachfrage den Kurs stützen dürfte. In den Monaten danach werden jedoch sukzessive größere Pakete aus dem Besitz von Altinvestoren und Mitarbeitern freigegeben.
Morningstar rät geduldigen Anlegern, auf diesen Druck zu warten: "Langfristige Anleger, die an den künftigen Projekten von SpaceX teilhaben möchten, werden dazu Gelegenheiten haben, die eine größere Sicherheitsmarge bieten, als dies beim Börsengang voraussichtlich der Fall sein wird."
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

