75 Milliarden Euro für KI
Der KI-Wettlauf beschleunigt sich – Europas Stromnetz gerät unter Druck
SoftBank investiert 75 Milliarden Euro in KI-Rechenzentren in Frankreich. Experten warnen jedoch vor einem möglichen Engpass bei der Energieversorgung.
- SoftBank investiert 75 Milliarden und baut 3,1 GW
- Stromversorgung könnte an Kapazitätsgrenzen stoßen
- Europas KI hängt von Energie und Fachkräften ab
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Der Wettlauf um Künstliche Intelligenz erreicht in Europa eine neue Dimension. Mit einer geplanten Investition von 75 Milliarden Euro in Frankreich setzt der japanische Technologiekonzern SoftBank auf den massiven Ausbau von Rechenzentren. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Europas Energieinfrastruktur mit den steigenden Anforderungen der Branche nicht Schritt halten kann, wie CNBC berichtet.
Frankreich wird zum KI-Standort
SoftBank kündigte an, bis 2031 Rechenzentren mit einer Leistung von 3,1 Gigawatt in der nordfranzösischen Region Hauts-de-France aufzubauen. Geplant sind Standorte in Dünkirchen, Bosquel und Bouchain.
Frankreich gilt dabei als besonders attraktiv. Mehr als 60 Prozent des Strombedarfs des Landes werden durch Kernenergie gedeckt. Das verschafft dem Standort einen Vorteil in einer Zeit, in der Unternehmen in Europa mit vergleichsweise hohen Stromkosten konfrontiert sind.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur lagen die Strompreise für energieintensive Industrien in Europa zuletzt durchschnittlich etwa doppelt so hoch wie in den Vereinigten Staaten und rund 50 Prozent über dem Niveau von China und Indien.
Rechenzentren treiben den Strombedarf
Der Ausbau von KI-Anwendungen erhöht den Energiebedarf erheblich. Deshalb rückt die Kernenergie für viele Experten wieder stärker in den Fokus europäischer Energiestrategien.
Den Daten von Eurostat zufolge machte Kernenergie im Jahr 2025 lediglich 11,8 Prozent des gesamten europäischen Energiemixes aus. Öl und Gas kamen dagegen weiterhin auf mehr als ein Drittel.
Vor allem sogenannte kleine modulare Reaktoren (SMR) gewinnen an Bedeutung. In den Vereinigten Staaten prüfen bereits große Technologiekonzerne entsprechende Projekte. Amazon vereinbarte 2024 mit Dominion Energy die Entwicklung solcher Anlagen. Google folgte 2025 mit einem Abkommen mit Kairos Power und der Tennessee Valley Authority für ein neues Kernkraftwerk.
Technologiebranche blickt auf das nächste Jahrzehnt
Die flächendeckende Einführung kleiner modularer Reaktoren bleibt jedoch schwierig. Tania Arora, Partnerin im Energieteam der Kanzlei Baker McKenzie, sieht erhebliche Herausforderungen.
Für Rechenzentrumsbetreiber stehe die Energieversorgung der kommenden 10 Jahre im Mittelpunkt ihrer Planungen. Denn "letztendlich ist dies der entscheidende Faktor dafür, ob sie ihren Betrieb aufrechterhalten können oder nicht", sagte Arora gegenüber CNBC.
Zwar interessierten sich viele Betreiber für kleine modulare Reaktoren. Doch Arora betonte: "Meiner Ansicht nach wird kein Rechenzentrumsbetreiber das Risiko eingehen, als Erster SMR einzusetzen, und derzeit sind außerhalb von China und Russland keine in Betrieb."
Nicht nur Strom entscheidet
Neben der Energieversorgung spielt auch der Zugang zu Fachkräften eine zentrale Rolle. Besonders London profitiert davon.
Mehrere amerikanische KI-Unternehmen bauen ihre Präsenz in der britischen Hauptstadt aus. Das von Nvidia unterstützte Unternehmen Runway plant nach eigenen Angaben, London zu seinem europäischen Hauptsitz zu machen. Auch Anthropic, OpenAI und Google haben neue Büroflächen in der Stadt angekündigt.
Damit zeichnet sich ab: Europas KI-Zukunft hängt nicht nur von Milliardeninvestitionen ab. Entscheidend wird sein, ob genügend Energie und Talente verfügbar sind, um den wachsenden Anforderungen der Branche gerecht zu werden.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

